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StartseiteVerbrauchertippKämpfen für die Abfindung lohnt sich05.04.2018

KündigungKämpfen für die Abfindung lohnt sich

Für viele Menschen kann der Verlust des Arbeitsplatzes materiell und emotional eine Belastung sein. Nur wenige erhalten eine Abfindung, häufig muss eine Geldzahlung eingeklagt werden. Es kann sich aber auch lohnen, Alternativen auszuhandeln.

Von Ursula Reinsch

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Kündigung! (picture alliance / dpa / Peter Endig)
Nach einer Kündigung stellt sich häufig die Frage nach einer gerechten Abfindung. (picture alliance / dpa / Peter Endig)
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Etwa 15 Prozent aller gekündigten Arbeitnehmer erhalten eine Abfindung, doch wer darum kämpft, kann seine Chancen deutlich erhöhen. 55 Prozent derer, die innerhalb von drei Wochen eine Kündigungsschutzklage einreichen, erstreiten zumindest eine Geldzahlung. Einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt es nur in wenigen Fällen, erklärt Tjark Menssen, Rechtsanwalt und Pressesprecher vom Deutschen Gewerkschaftsbund Rechtsschutz. Vor allem dann, "wenn betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden - und zwar nur in dem Fall, wo ein Betriebsrat in einem Betrieb besteht, der entsprechend dann auch einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt. Aber ein allgemeiner Anspruch auf eine Abfindung im Gesetz entsteht ansonsten nur, wo ein Arbeitgeber einen Auflösungsantrag stellt."

Und der ist nur begründet, wenn der Arbeitgeber die Kündigung ausgesprochen, das Arbeitsgericht diese aber für unwirksam erklärt hat.

Alternativen zur Abfindung

In den übrigen Fällen, also bei normalen Streitigkeiten, ist eine Abfindung letztlich Verhandlungssache. Für die Höhe der Abfindung gilt folgende Faustformel: Pro Jahr der Betriebszugehörigkeit ein halbes bis maximal ein monatliches Bruttogehalt. Je besser allerdings die Aussichten für den Arbeitnehmer sind, einen Prozess vor dem Arbeitsgericht zu gewinnen, desto höher fällt meistens die Abfindung aus. Unter Umständen kann es sich für Arbeitnehmer aber auch lohnen, Alternativen zur klassischen Abfindung auszuhandeln. Das hatte beispielsweise Dirk H. nach einer Kündigung gemacht. "Dagegen habe ich Klage erhoben. Im Rahmen des Klageverfahrens hat der Arbeitgeber versucht, mich zu einer Auflösungsvereinbarung mit einer Abfindung zu drängen." Die Idee fand Dirk H. allerdings wenig verlockend. Stattdessen hat er sich mit seinem Arbeitgeber auf eine andere Lösung geeinigt:
"Auf ein sogenanntes Outplacement-Verfahren. Das heißt, es ist ein externer Berater, der Hilfestellung leistet bei der Jobsuche. Während dieser Zeit war ich weiterbeschäftigt. Im Rahmen dieser Outplacement-Beratung habe ich dann einen für mich sehr passenden und zufriedenstellenden neuen Job gefunden."

Auch an die Steuerlast denken

In Zeiten eines angespannten Arbeitsmarktes und für ältere Arbeitnehmer kann so etwas eine sinnvolle Alternative zur Einmalzahlung sein. Das kann auch steuerlich interessant sein: Denn wird ein Arbeitsverhältnis aufgelöst und eine Abfindung bezahlt, muss versteuert werden. Aber: "Man kann die Fünf-Jahre-Regelung in Anspruch nehmen, wo der Betrag, wenn er in einem Jahr fällig wird, über fünf Jahre verteilt wird, und damit die Steuerlast nicht vollständig in einem Jahr anfällt."

Das mildert die Steuerlast meist spürbar. Außerdem sollten Arbeitnehmer im Kündigungsfall noch auf etwas anderes achten: Eine Kündigung ist nicht meistens auch eine starke psychische Belastung. Deshalb sollten Betroffene sich vom Arbeitgeber nie zu einer schnellen Entscheidung drängen lassen. Und sich stets Hilfe suchen bei der Gewerkschaft oder einem Fachanwalt, bevor er unterschreibt.

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