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Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteEuropa heuteKünftiger US-Präsident ist entfernt mit George W. Bush verwandt20.01.2009

Künftiger US-Präsident ist entfernt mit George W. Bush verwandt

Einige Vorfahren Obamas und Bushs waren Pilgrims in den Niederlanden

Es waren protestantische Flüchtlinge, die England verließen und sich zunächst in Leiden niederließen - einer Stadt in den Niederlanden. Von hier aus gelangten sie später mit der Mayflower nach Amerika. Eine der Pilgrimmütter ist direkte Vorfahrin Barack Obamas mütterlicherseits - ihr Bruder Vorfahre von George W. Bush.

Barack Obama verlässt die Show "We are One: Opening Inaugural Celebration at the Lincoln Memorial" in Washington (AP)
Barack Obama verlässt die Show "We are One: Opening Inaugural Celebration at the Lincoln Memorial" in Washington (AP)

Das Gemeindearchiv der Stadt Leiden an der Witte Singel – der "weißen Singel". Wer auf der Holzbrücke einen Blick auf die Gracht wirft, sieht eine kleine Statue am Ufer stehen: Sie scheint zum Sprung anzusetzen, hat einen Arm und ein Bein bereits weit nach vorne gestreckt. "Diese Skulptur symbolisiert den Aufbruch in die Neue Welt", erklärt Archivarin Ariele Netiv.

"An dieser Stelle haben die Pilgerväter Leiden damals verlassen. Von hier aus sind sie 1620 mit dem Boot nach Delfshaven bei Rotterdam gefahren. Dort sind sie weiter nach England gesegelt, um nach einem Zwischenstopp in Plymouth mit der Mayflower nach Amerika aufzubrechen."

Auf einer Gedenktafel neben der Statue stehen die Namen der Familien, die damals in die Neue Welt aufbrachen.

Auch Thomas Blossom und seine Frau sind hier verewigt – und ihre Tochter Elizabeth. Sie sollte 400 Jahre später einen berühmten Nachfahren bekommen: Barack Obama. Denn mütterlicherseits stammt der frischgebackene US-Präsident von Elizabeth Blossom ab. Damit ist Obama in bester Gesellschaft. Auch Franklin Roosevelt hat Vorfahren in Leiden. Und die Familie Bush. Obama ist bereits der achte US-Präsident, der von den Pilgrims in Leiden abstammt.

Die Pilgrim Fathers waren strenggläubige Protestanten, die in England verfolgt wurden. 1609 flüchteten sie deshalb in das liberalere Holland. In Leiden konnten sie ihren Glauben frei ausüben und fanden Arbeit in der Textilindustrie. Sie besaßen sogar ihre eigene Druckerei, die Pilgrim Press.

Hunderte von Dokumenten im Leidener Gemeindearchiv zeugen noch von dieser Zeit: die Aufenthaltsgenehmigung von 1609 zum Beispiel, aber auch Ausbildungsverträge, Eheschließungen und Beerdigungen. Auf einem der Dokumente prangt die Unterschrift von Elizabeths Vater Thomas Blossom: Er trat bei einem Einstellungsgespräch als Dolmetscher auf:

"Das zeigt, wie gut die Familie integriert war. Thomas Blossom konnte sowohl englisch als auch nederlands sprechen. Er war ein echter Kosmopolit - und das ist Obama natürlich auch!"

Für die Amerikaner ist Leiden längst zu einem Zentrum der Ahnenforschung geworden. Viele besuchen das Pilgrim-Archiv, um dann bei einem Pilgrimspaziergang auf den Spuren ihrer Vorfahren zu wandeln: wo sie wohnten, arbeiteten und beteten. Auch ein Besuch im Pilgrim-Museum ist ein Muss:

Quietschend öffnet sich die alte Tür und gibt den Blick frei auf eine kleine Stube mit Holztisch, Bettschrank und Kamin. "So haben die Pilgrims damals in Leiden gelebt", erklärt Museumsdirektor Jeremy Bangs:

Pilgerexperte Bangs hat zusammen mit dem US-Ahnenforscher Christopher Child herausgefunden, dass auch Barack Obama Vorfahren in Leiden hat. Und das ist nicht alles: Zu ihrer Überraschung mussten die beiden feststellen, dass Obama und George W. Bush verwandt sind - wenn auch sehr, sehr weitläufig.

Denn Obama stammt von Blossoms Tochter Elizabeth ab; Bush von seinem Sohn Peter. Diese wenn auch sehr, sehr weitläufige Verwandtschaft, so schmunzelt Bangs, würde bösen Zungen zufolge beweisen, dass politische Einsicht nicht unbedingt erblich sein müsse.

Nach elf Jahren wurde Holland den meisten Pilgrims zu liberal. "Im Land der Deiche gab es nicht genug Deiche gegen die Gottlosigkeit", erinnert sich einer von ihnen in seinen Memoiren. Rund 300 Pilgrims wagten in Etappen die Überfahrt in die neue Welt – im Reisegepäck viele Sitten und Gebräuche aus Holland. So etwa führten sie die standesamtliche Eheschließung in Amerika ein. Allerdings nur notgedrungen, weiß Archivarin Arielle Netiv.

"Die allerersten Pilgrims hatten keinen Geistlichen an Bord, ihr Pfarrer sollte später nachkommen. Aber das konnte Jahre dauern. Deshalb führten sie nach holländischem Vorbild die standesamtliche Ehe ein - bei uns gab es das damals schon. Die Natur, das war selbst den Pilgervätern klar, ließ sich nicht bremsen. Da taten sie besser daran, diesen Punkt zu regeln!"

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