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StartseiteCorsoNicht mehr daraus machen als das, was es ist24.03.2014

Künstler Martin FengelNicht mehr daraus machen als das, was es ist

Martin Fengel ist gelernter Fotograf - er ist aber auch Musiker, Professor, Illustrator, Filmemacher und Architekt, ein künstlerischer Tausendsassa: Martin Fengel arbeitet für große Magazine, hat Ausstellungen im In- und Ausland und dreht auch mal Videos für Popmusiker.

Kerzenflamme im Dunkeln (dpa)
Fengler: "Ich finde auch die Kerze nur als Kerze vollkommen in Ordnung. Ich muss nicht alles aufladen mit Symbolen." (dpa)
Weiterführende Information

http://www.martinfengel.com

"Ich finde das einfach irre schön... Mit Papier und Schere... Und was hinlegen und verschieben..."

Irre - eines der Lieblingswörter von Martin Fengel. Immer wieder umschreibt er damit seine Sicht der Dinge. Irre, im Sinne von verrückt, in der Bedeutung von verrücken - mit dem quietschenden Strich der Filzstifte, im Schnipp-Schnapp der Schere, dem Klicken der Kamera.

"Das ist ja kein Geheimnis, aber ich glaube so arbeite ich, dass ich immer neugierig bin und versuche, aus dem was man kann, nicht mehr zu machen als das, was es ist."

Eigentlich kommt Martin Fengel von der Fotografie, doch seit den 80er Jahren hat sich der Münchner zu einem universellen, bildenden Künstler entwickelt: Grafiker, Musikfilmemacher, Architekt. Arbeitsfelder gibt es viele, der Alltag fordert ihn heraus.

"Mich interessiert die Welt, ich bin neugierig wie Sachen ausschauen, weil alle Sachen sind ja auch von den Menschen gemacht und die erzählen ja auch was, die sind ja nicht per se so da. Ob jetzt der Tisch so aussieht oder anders, ob jetzt eine Straße oder ein Auto. Das sind ja alles Sachen, die ein Zeugnis unserer Zeit sind."

Wöchentliche Illustration im ZEIT Magazin

Da ist etwa die wöchentliche Illustration von Harald Martensteins Kolumne im ZEIT Magazin - schwarze Outlines und weiße Flächen. Da sind die auf blanken Kacheln projizierten Naturaufnahmen in der Münchner U-Bahnstation Moosach, die Musikclips aus Farben und Formen, aus videoanimierter Flora, für Freunde wie DJ Hell. Oder 2012, die Ausstellung in der Villa Stuck in München mit übergroßen Bildern bunter, tropfender Wachskerzen.

"Ich finde auch die Kerze nur als Kerze vollkommen in Ordnung. Ich muss nicht alles aufladen mit Symbolen. Ich lasse mich auch gerne von mir selber überraschen. Ich bleibe da naiv oder kindisch oder kindlich - ich weiß nicht wie man es nennen soll."

Die Poesie des Alltags, eine Kerze ist eine Kerze ist eine Kerze, es ist was es ist. Martin Fengel schärft mit seiner Kunst den Blick unaufmerksamer Betrachter. Mit seiner unaufgeregten, ja fast schon unbedarften Sicht durch seine kleinformatige Kompaktkamera auf unser tägliches Leben weckt er den Zauber im Banalen - nicht gekünstelt, sondern geknipst.

Kleine Sachen sind irre wichtig

In seinem Büro in München steht Martin Fengel vor einem Schreibtisch, zieht aus einem Stapel mit Magazinen eine DIN-A4-Mappe hervor. Beim öffnen fallen bunte Papierschnipsel auf die Computertastatur. Im März 2014 hat er für das KONG, einem Club in der Münchner Innenstadt, eine etwa zehn Meter lange Wand gestaltet.

"So sieht das aus ... Einfach nur so Tonpapier und dann habe ich hier so Sachen ausgeschnitten und die lege ich dann einfach so drauf. Ich mag so Fehler auch gerne, dass man hier so sieht, dass das Auge ausgeschnitten ist, oder dass das nicht ganz plan liegt und man hier so einen kleinen Schatten sieht. Also so kleine Sachen sind irre wichtig."

Blasse, bunte Farbflächen in geometrischen Formen mit schwarz-weiß Motiven: Clown, Gorilla, Grimasse, High-Heel-Clogs.

"Ich hab einfach bei Google ´Grimasse` eingegeben und mal gekuckt was da kommt. Und meine Eltern, die hatten mal Freunde, die hießen Schmidtkonz und die Frau Schmidtkonz hatte immer diese Schuhe an, die ich wahnsinnig sexy fand an ihr, aber da war ich erst sieben, oder so."

Analoge Schnipsel digital auf eine Wandtapete gedruckt mit direkten Assoziationen an Zirkus, dem Jonglieren mit Bauklötzchen - entstanden wie in der Bastelstunde im Kindergarten. Die Gäste im KONG zeigen sich ganz angetan von dieser genialen Kulisse für eine wilde Clubnacht.

"Wir sind Ingenieure und wir tun uns schwer mit Kunst, aber es sieht auf jeden Fall interessant aus und lädt zum Nachdenken ein."

"Ich finde es passt Sau gut hier her. Es ist besser als die graue Wand davor. Aber den Clown finde ich gruselig. Schau mal die Zähne an. Der frisst dich auf."

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