Forschung aktuell /

 

Künstliche Intelligenz Robocops können kein Auge zudrücken

Von Thomas Reintjes

Starenkasten
Erscheinungsform automatischer Polizisten und nicht besonders beliebt: Starenkästen, stationäre Radarfallen. (dpa / Roland Weihrauch)

Auf der Konferenz "We Robot" in Miami treffen derzeit Ingenieure und Juristen aufeinander. Sie diskutieren, wie Roboter und Recht zusammenpassen. Forscher überlegen, welche Konsequenzen es hat, wenn die Durchsetzung von Recht selbst von Robotern übernommen wird. Das ist nicht unbedingt Robocop-Science-Fiction.

Sie sind erste Erscheinungsformen automatischer Polizisten - und sie sind nicht besonders beliebt: Starenkästen, stationäre Radarfallen. Mancherorts ist der gesamte Prozess von der Entdeckung eines Vergehens bis zum Verhängen einer Strafe automatisiert. Die Polizisten, die sich vorher mit Rasern befassen mussten, können sich jetzt anderen Aufgaben widmen. Der Effizienzgewinn sei nicht von der Hand zu weisen, sagt Woodraw Hartzog von der Samford University in Alabama.

"Höhere Effizienz heißt, dass mehr Gesetze durchgesetzt werden können. Was vorher untergeordnete Priorität hatte, wird jetzt wichtiger. Ein weiterer Vorteil von Automatisierung: Sie minimiert die Auswirkungen von Gutdünken. Zum Beispiel Vorfälle, bei denen es um Rassenvorurteile geht, lassen sich damit verhindern."

Für die Polizei sind "automatische Polizisten" ein Effizienzgewinn

Andererseits: Auch Algorithmen können Fehler machen. Sie werden schließlich von Menschen geschrieben. Und gerade Gesetzestexte sind schwer in eine formalisierte Programmiersprache zu übersetzen. Sie sind, sagt Woodraw Hartzog, einfach nicht dafür gemacht, automatisiert zu werden. Und sie sind auch nicht dazu gemacht, zu einhundert Prozent durchgesetzt zu werden.

When you say, you are not allowed to go over 55 miles an hour...

Algorithmen können Fehler machen

Angenommen, man darf auf einer Strecke nicht schneller als 55 Meilen pro Stunde fahren. Und man bekommt einen Strafzettel - normalerweise bekommt man einen Strafzettel und eine Strafe. Aber was, wenn man die Geschwindigkeit mehr als einmal überschreitet? Man könnte Tausend Strafzettel innerhalb von zehn Minuten bekommen. Ein automatisiertes System muss also abwägen können.

Ineffizienz erhalten ist wichtig

In den aktuell gültigen Gesetzen ist aber keine Rede davon, dass Ordnungshüter ein Vergehen einfach unter den Tisch fallen lassen können. Dass es dennoch regelmäßig passiert, liegt an den begrenzten Ressourcen der Polizei, die nicht alles überwachen und jeden verfolgen kann. Diese Ineffizienz auch bei mehr Automation zu erhalten sei wichtig, betonen die Wissenschaftler.

"Der Vorteil von Ineffizienz liegt für uns darin, dass Prozesse langsamer werden und die Menschen nicht überkriminalisiert werden. Außerdem ist eine Unvorhersehbarkeit wichtig zu erhalten. Es ist gut, wenn Dinge unvorhersagbar bleiben. Das erlaubt Menschen vor Ort, Entscheidungen aus dem Kontext heraus zu fällen."

Den Zusammenhang einer Situation kann ein automatisches System kaum verstehen. Doch Ausnahmen von der Regel, Polizisten, die ein Auge zudrücken und die Umstände in Betracht ziehen, seien wichtig für die Gesellschaft und für die Akzeptanz von Gesetzen. Roboter und Sensoren können das nicht. Schlimmer noch: Die Öffentlichkeit weiß nicht, was in ihnen vorgeht.

"Weil die Geräte von Drittherstellern stammen ist der Programmcode in diesen Systemen proprietär, nicht öffentlich. Aber natürlich ist die einzige Möglichkeit festzustellen, ob die Systeme ordnungsgemäß arbeiten, Privatsphäre und Bürgerrechte respektieren, sie aufzumachen und sich den Code anzusehen. Bürger und Entscheidungsträger müssen diese Transparenz von Anfang an einfordern."

Kostenfaktor Mensch nicht ganz aus dem Verkehr ziehen

Woodrow Hartzog ist optimistisch, dass automatisierte Systeme die Strafverfolgung effizienter und besser machen können. Aber er weiß, dass es schwierig sein wird, Verständnis dafür zu ernten, warum es wichtig ist, ein gewisses Maß an Ineffizienz zu erhalten - und damit den Kostenfaktor Mensch nicht ganz aus dem Verkehr zu ziehen. Genauso schwierig dürfte es werden, Hersteller zu überzeugen, der Öffentlichkeit die genaue Funktionsweise ihrer Systeme darzulegen.



Weiterführende Information

"Zukunftsvisionen werden Stück für Stück wahr" (Deutschlandradio Kultur, Thema, 18.11.2013)

Robocop im Knast (DRadio Wissen, Netzreporter, 12.12.2011)

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Forschung Aktuell

Internationale Raumstation"Das Essen auf der Erde ist besser"

Der Astronaut Alexander Gerst berichtet am 19.11.2014 in Köln von seiner wissenschaftlichen Arbeit auf der Internationalen Raumstation ISS.

Seit zehn Tagen ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst wieder auf der Erde, bei Köln gewöhnt er sich gerade wieder an die Schwerkraft. Im DLF berichtet der Geophysiker von der Erfahrung im Weltall, was er dort vermisst hat und den Erkenntnissen seiner Forschung.

Nanopartikel Beschleunigte Alterung durch Silika

Gehör Proteine beheben Lärmschäden