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StartseiteUmwelt und VerbraucherBiogasanlage im Kuhstall sinvoll24.11.2014

Kuh als KlimakillerBiogasanlage im Kuhstall sinvoll

Kühe gelten gemeinhin als Klimakiller: Die Wiederkäuer erzeugen Methangas, das den Treibhauseffekt 25-mal so stark anheizt wie Kohlendioxid. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat einen Versuchsstall aufgebaut, um die Emissionen der Kühe zu messen und zu erforschen, wie sie sich senken lassen.

Von Stephanie Kowalewski

Kühe im Versuchsstall der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Kleve (dpa / picture alliance / Caroline Seidel)
Kühe im Versuchsstall der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Kleve (dpa / picture alliance / Caroline Seidel)
Weiterführende Information

Klimaschutz - Fatale Rülpser
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 25.09.2014)

Auf den ersten Blick wirkt der Kuhstall im Versuchs- und Bildungszentrum der Landwirtschaft Haus Riswick in Kleve wie ein ganz normaler Stall: Nur die beiden Giebel haben Wände, die langen Seiten des Gebäudes sind offen und mit Trögen und Tränken bestückt. Hier futtern einige Milchkühe ruhig vor sich hin, während andere auf den Liegeplätzen in der Stallmitte wiederkäuen - und Methan erzeugen, sagt Sebastian Hoppe, der in Haus Riswick für die Rinderhaltung zuständig ist.

"Sobald die Kuh Rauhfutter aufnimmt und zum Wiederkäuer heranwächst, entsteht bei der Pansenfermentation auch Methan. Und das wird dann über die Kuh an die Außenluft abgegeben. Indem sie rülpst."

Gase mit erheblichem Treibhauspotenzial

Außerdem entsteht durch die  Ausscheidungen der Kuh Ammoniak und wird die Gülle schließlich als Dünger aufs Feld ausgebracht kommt auch noch Lachgas hinzu. Alles Gase mit erheblichem Treibhauspotenzial. Im knapp drei Millionen Euro teuren Kuhstall wird jetzt erforscht wie der Ausstoß der gefährlichen Gase reduziert werden könnte. Dazu ist der Stall durch Folienrollos in drei lufttechnisch voneinander getrennte Bereiche aufgeteilt und mit allerlei Schläuchen, Messleitungen und Sensoren versehen. So können vergleichende Messungen erfolgen, erklärt Sebastian Hoppe.

"Das ist so in der Form ein weltweit einmaliger Stall, dass wir wirklich auf Stallebene die Emissionen messen können und nicht auf Einzeltierbasis, wo ich für das einzelne Tier sehr genaue Werte kriege, aber halt keine reellen Werte für so einen praxisüblichen Milchviehstall."

In dem Klever Versuchsstall wird die Luft zweimal auf die klimarelevanten Gase untersucht: Einmal bevor sie in den Stall strömt und noch einmal, wenn sie ihn wieder verlässt, sagt Wolfgang Büscher vom Institut für Landtechnik der Universität Bonn, der das Projekt wissenschaftlich begleitet.

"Und aus der Differenz ergibt sich das, was die Tiere oder das Innenleben dazu beigetragen hat. Und das können wir dann nachher auf das Tier, pro Jahr oder auf das Kilo Milch, was an dem Tag produziert wurde umrechnen."

Stallluft stammt zu 80 Prozent direkt von den Tieren

So haben die Forscher herausgefunden, dass der Methangehalt in der Stallluft zu 80 Prozent direkt von den Tieren stammt und nur 20 Prozent aus dem Flüssigmist, der sich unter dem Stallboden sammelt, und den Liegeboxen der Kühe. Ein erstaunliches Ergebnis, findet Wolfgang Büscher

"Ich hätte im Vorfeld immer gewettet, dass der Anteil, der nicht von den Tieren kommt, viel größer ist. Und das bedeutet auch, wenn man etwas machen möchte, um Methanemissionen zu minimieren, ist das Potenzial auf technischer Seite relativ gering."

Vielmehr müsse man bei den Kühen selbst ansetzten, meint Sebastian Hoppe, etwa bei der Fütterung. So haben die Versuche in Haus Riswick ergeben, dass Kühe weniger Methan freisetzen, wenn ihr Futter mehr Mais als Gras enthält.

Da kam unterm Strich raus, dass wir durch eine etwas maisbetontere Ration etwa zehn Prozent an Methanausstoß verringern können, pro Kuh und Tag.

Auch der Umgang mit der Gülle wirkt sich auf die Emissionen aus. Viele Landwirte rühren die Brühe bereits in den Gülletanks unter dem Stall kräftig durch, um sie homogen zu machen. Mit deutlich messbaren Folgen:

"Ganz sprunghaft gingen dann die Methanemissionen und die Amoniakemissionen nach oben. Und deswegen macht es aus Sicht der Klimarelevanz keinen Sinn, irgendwie in der Gülle rumzuhantieren in der Zeit, wo es nicht unbedingt notwendig ist.

Kühe erzeugen Methan, Ammoniak und Lachgas

Der Forscher plädiert also dafür, die Gülle erst kurz vor dem Ausbringen aufs Feld zu homogenisieren. Und er rät, möglichst viele Kuhställe mit einer Biogasanlage zu verbinden.

"Denn dann wird das Methan ja wieder energetisch verwertet, geht nicht in die Umwelt, sondern ist ein Treibstoff, den man für die Elektrizitätserzeugung verwenden kann".

Letztlich, sagt Wolfgang Büscher, ließe sich an der Tatsache, dass Wiederkäuer neben Milch und Fleisch auch Methan, Ammoniak und Lachgas erzeugen, nur begrenzt etwas ändern.

"Wenn wir es schaffen, da 10, 15 oder 20 Prozent in der Gesamtbilanz eines Stalles zu optimieren, dann ist das schon ein großer Schritt in die gewünschte Richtung."

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