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StartseiteEuropa heuteDer Opernwettstreit auf Gozo13.12.2013

KulturDer Opernwettstreit auf Gozo

Die 400.000 Einwohnerinsel Malta verfügt über das weltweit dichteste Netz an Opernhäusern. Einmal im Jahr gibt es dort die ganz große Oper. Dann bricht ein Opernwettstreit aus, der für Außenstehende bisweilen bizarr anmutet.

Von Jan-Christoph Kitzler

Blick auf einen geschlossenen schweren Vorhang. (Stock.XCHNG / Nihan Aydin)
Einmal im Jahr bricht auf Malta der Opernwettstreit aus. (Stock.XCHNG / Nihan Aydin)

So eine Operndichte gibt es nirgendwo auf der Welt: Gozo ist eine kleine Insel, die zu Malta gehört. Nur etwa 35.000 Menschen leben hier und im Hauptort Victoria nur etwas mehr als 6000. Aber in der Hauptstraße stehen gleich zwei große Opernhäuser. Das "Astra" mit 1200 Plätzen und das "Aurora" mit 1600. Und es ist nicht so, dass hier auf Gozo ständig vor vollem Haus gespielt würde.

Nur einmal im Jahr ist die große Opernsaison. Und dann liefern sich zwei Philharmonische Gesellschaften einen Wettstreit darum, wer die beste Oper auf die Bühne bringt. Beide Vereine sind sich spinnefeind. Christopher Muscat, der künstlerische Leiter des Malta Philharmonic Orchestra erklärt, wie es dazu kam:

"Das Dorf, also die Stadt Victoria, hat zwei Hauptkirchen: eine, die die Kathedrale der Diözese Gozo, die andere ist die Basilika St. Georg. Und jede der beiden Kirchen hat ihre eigene Musikkapelle mit ihrem Verein. Jeder dieser Vereine hat sein eigenes Theater gebaut. Die eine Hälfte von Gozo unterstützt den einen Verein, die andere Hälfte den anderen."

Und beide Seiten können einander nicht leiden, jeder will besser sein, als der andere. Und deshalb ist Gozo nicht nur der Ort mit der vermutlich größten Operndichte der Welt. Hier machen die Theater, im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern weltweit, sogar Gewinn. Das liegt am großen ehrenamtlichen Engagement, die Menschen sind durch den Wettstreit sehr motiviert. Im Astra zum Beispiel haben sie in diesem Jahr in diesem Jahr Verdis "Othello" gespielt. Und Chris Mizzi, der Vizepräsident der Philharmonischen Gesellschaft verrät, dass es dieses Mal einen besonderen Clou gibt.

"In diesem Jahr arbeiten wir eine Menge am Bühnenbild. Normalerweise bauen sie das Schiff von Othello im ersten Akt nicht. Normalerweise sieht man den Kai und die Seite eines Schiffs, das da in Zypern im Hafen liegt, wie es die Geschichte erzählt. Wir haben uns entschieden, einen Schritt weiter zu gehen – wir haben das Schiff gebaut, das Ganze. Das war sehr schwierig. Zuerst war das nur ein Traum – aber jetzt steht es da."

Und im "Othello" kann man das bewundern.

Das Bühnenbild, die Kostüme, die Maske – all das, was hier wie selbstverständlich auf der Bühne zu sehen ist, entsteht in stunden-, tagelanger Arbeit. In den Opernchören haben Laiensänger ihren großen Auftritt – dafür müssen sie lange proben. Nur die Orchestermusiker und die meisten Solisten sind Profis.

Normalerweise sind das zwei Welten, dass "Astra" und das "Aurora". Ein tiefer Graben trennt die beiden Häuser. Und nur ein maltesischer Star wie Miriam Cauchi, kann sich erlauben, auf beiden Bühnen aufzutreten. In diesem Jahr singt sie die Desdemona im "Astra" – und weil sie viele internationale Erfahrungen gesammelt hat, kann sie beurteilen, dass das, was sie hier in Gozo zustande bringen, sich sehen und hören lassen kann:

"Ich habe hier am Astra-Theater mit verschiedenen Regisseuren gearbeitet. Und alle sagen, dass die Arbeit, das Handwerk, das sie hier auf der Bühne vorfinden, von so großer Qualität ist, die sie noch nicht mal in Theatern haben, wo Menschen angestellt sind, um bestimmte Jobs zu machen. Die Gozitaner sind glücklicher und zufriedener mit dem, was sie hier produzieren können."

Große Namen sind hier schon aufgetreten, zum Beispiel der bekannte Tenor Joseph Calleja. Er hat hier auf Gozo seine erste Solorolle gesungen.

Michael Caruana, im Aurora, nur ein paar Hundert Meter die Straße runter, kann sich schon entspannen. Er ist der Präsident des anderen Vereins. In seinem Haus haben sie in diesem Jahr den Falstaff gegeben – natürlich ein Erfolg.

Aber die Konkurrenz treibt manchmal auch kuriose Blüten. Denn natürlich spricht man sich nicht ab und so gab es vor ein paar Jahren in beiden Häusern die gleiche Oper zu sehen:

"Wir hatten die Oper gebucht. Wir haben gesagt: Wir werden AIDA machen. Die anderen sagten, sie hätten im Sinn, das Gleiche zu tun. Und keiner wollte nachgeben. Also machte jeder seine eigene Oper weiter: die gleiche Oper in der gleichen Straße, im Abstand von zwei Wochen. Aber das war eine große Herausforderung, das war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wir haben beide dieselbe Oper gespielt, und jeder hat sein Bestes gegeben, um besser zu sein, als der Andere." 

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