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StartseiteKultur heuteDie andere Seite des Geldes10.04.2018

Kultur-Mäzene in New York Die andere Seite des Geldes

Ohne millionenschwere Spenden läuft nichts in der US-amerikanischen Museumslandschaft. Wenn aber Kunstförderer ihr Vermögen mit unlauteren Geschäften gemacht haben, etwa mit süchtig machenden Schmerzmitteln, dann ruft das Protestler auf den Plan. In den USA klagen Aktivisten an.

Von Kai Clement

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Die US-Fotografin Nan Goldin ist eine der Protestlerinnen (AFP / JOHN MACDOUGALL)
Die US-Fotografin Nan Goldin ist eine der Protestlerinnen (AFP / JOHN MACDOUGALL)
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"Shame on Sackler" - "Schande über die Sackler-Familie", so rufen sie in dieser für gewöhnlich so ruhigen Halle mit ihrer glitzernden Wasserfläche. In deren Zentrum steht der Jahrtausende alte ägyptische Tempel von Dendur. Es ist der nach der Familie benannte Sackler-Flügel des Metropolitan. Millionen hat die Familie dem weltberühmten Universal-Museum für den Ergänzungsbau gestiftet.

"Schadensbegrenzung und Behandlung", fordern die Aktivisten - allen voran die Fotografin Nan Goldin. Dutzende Pillendosen werfen sie bei dem Protest vor einem Monat in die Bassins. Es ist eine Anklage gegen die Sackler-Familie. Deren Pharma-Unternehmen stellt das Schmerzmittel Oxycontin her. Die Demonstranten machen die Suchtwirkung des Präparats mit für die Drogenkrise in den USA verantwortlich - und damit die Sackler-Familie. Nan Goldin klagt an:

"All die Lügen! Zu sagen, dass dieses Medikament nicht schädlich sei. Sie kannten doch die Zahlen. Sie kannten sie! Sie sind verantwortlich für die Epidemie, haben ihre Pillen verkauft, und die wurden für jeden Quatsch verschrieben, selbst Magen- oder Rückenschmerzen."

Metropolitan Museum schweigt zu den Anklagen

Nan Goldin - berühmt für ihre intimen Bilder der Aids-Krise oder auch von Drogen-Konsumenten - war selbst drogenabhängig. Jetzt führt sie eine Kampagne an gegen die Gefahren verschreibungspflichtiger Schmerzmittel. Das berühmte Met-Museum aber schweigt auffällig nach dem lautstarken Protest.

Die so großen wie kostspieligen Kultur-Institutionen steckten in einem Dilemma, sagt Robin Pogrebin, Kulturexpertin der Zeitung "New York Times".

"Sie können gerade einfach nicht gewinnen. Sie können natürlich versuchen, Spender zu finden, die weniger Widerspruch hervorrufen, weniger kontrovers sind. Aber man muss das Geld schon daher nehmen, wo man es bekommen kann."

Beispiele gibt es viele. Den neu gestalteten Vorplatz des Metropolitan hat der Großindustrielle David H. Koch finanziert. 65 Millionen Dollar. Wer kann dazu schon nein sagen? Gleichzeitig rechnet Greenpeace vor, die schwerreichen Brüder hätten in den vergangenen 20 Jahren mehr als 100 Millionen Dollar für Gruppen ausgegeben, die den Klimawandel leugneten.

Möglicher Vertrauensverlust

Oder New Yorks Naturkundemuseum: Im Vorstand sitzt ausgerechnet die Milliardärin Rebekah Mercer. 200 Wissenschaftler haben sie im Januar als Fehlbesetzung kritisiert - es drohe ein Vertrauensverlust für ein Museum mit einer solchen Vertreterin, die mit Bannon und Trump Fehlinformationen über den Klimawandel unterstütze.

Erzkonservative, Geldgeber und Berater - ausgerechnet im linksliberalen New York. Das ist nicht neu, sagt die Kulturjournalistin, das gab es immer schon.

"Auch die Sacklers haben den Anbau des Metropolitan bereits in den 70er-Jahren finanziert." Mit der Wahl Trumps aber, sagt Robin Pogrebin, sei auch die Kulturwelt in Aufruhr. "Auf einmal bestimmt Ideologie so viel unserer Diskurse. Menschen entscheiden sich so viel klarer für eine Seite. So fällt es schwer, politische Ansichten von anderen Aktivitäten zu trennen."

Wirkungsvolle Kulisse für Protest

Für Aktivisten wie Nan Goldin wird ein Museum wie das Met damit zur wirkungsvollen Kulisse ihres Protests.

Allein binnen der vergangenen Stunde seien schon wieder zehn Menschen an ihrer Drogensucht verstorben, rufen die Demonstranten der gigantischen Glasfassade der Sackler-Halle entgegen.

Das Museum hat gerade mit einem 150 Millionen Dollar schweren Renovierungsprojekt begonnen. Und laut Finanzplan erhält das Haus ein Drittel seiner Gelder allein von Stiftungen. Da sei es manchmal ratsam, sagt Robin Pogrebin, sich ganz rauszuhalten, wenn eine Sache so heiß diskutiert werde.

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