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StartseiteCampus & KarriereMehr Antigone statt Algebra16.06.2015

Kulturelle BildungMehr Antigone statt Algebra

Mathematik und Chemie sind nicht alles: Um auch die kulturelle Bildung zu fördern, ist in Baden-Württemberg das Projekt "Kulturschule" gestartet. Zehn Modellschulen bauen dabei ihren Unterricht in Fächern wie Theater oder Musik aus.

Von Michael Brandt

Jugendliche proben gemeinsam ein Musikstück. (dpa/Christoph Schmidt)
Kultur und Kunst sollen auch die Fächer befruchten (dpa/Christoph Schmidt)
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit, und so ist das hier, dass also so eine Anstrengungsbereitschaft entsteht und das trotzdem Spaß macht, das ist der Unterschied zum Colatrinken oder Frittenessen", sagt Max Fuchs, Professor am Institut für Pädagogik der Uni Duisburg Essen und wissenschaftlicher Berater des Projekts Kulturschule. Zehn Schulen in Baden-Württemberg dürfen sich seit gestern Kulturschulen nennen - eine von ihnen ist das Schillergymnasium in Ludwigsburg. Die Schule arbeitet schon jetzt mit einer Reihe externer Kulturpartner zusammen, etwa einer Kunstschule, so der stellvertretende Rektor Rainer Schlagenhauf:

"Unsere Ganztagesklassen in Klasse 5 und 6 erhalten da regelmäßig Theaterunterricht, also zwei Stunden pro Woche. Dann arbeiten wir zusammen mit der Filmakademie in Ludwigsburg."

Und natürlich mit dem Literaturarchiv in Marbach, denn der Name verpflichtet. Immerhin ist Friedrich Schiller selbst in diese Schule gegangen, die im 18. Jahrhundert noch schlicht Lateinschule hieß.

Jährlich 10.000 Euro Förderung

Das Ludwigsburger Gymnasium wird wie auch die anderen Kulturschulen von nun an fünf Jahre lang mit jährlich 10.000 Euro gefördert werden. Das Geld kommt von der Stiftung des Stuttgarter Unternehmers Karl Schlecht. Das Ziel: ganzheitliche Bildung

"Die Kulturschule möchte die kulturelle Bildung noch stärken, sodass auch die künstlerischen Fächer aufbrechen und es zum Lernen durch die Künste wird", meint Frank Henssler von der Stiftung.

Eine bessere Persönlichkeitsbildung durch viel Kultur in der Schule ist also das eine. Das zweite Ziel der Kulturschulen ist weiter gesteckt: Kultur und Kunst sollen auch die anderen, die Butter-und-Brot-Fächer befruchten. Zwar kann Mathematik nicht getanzt werden, aber Ideen gibt es schon, wie auch hier Kultur Einzug halten kann. Zum Beispiel im Schiller Gymnasium in Ludwigsburg, wo es ein gemeinsames Projekt mit der Architektenkammer geben soll, so Rainer Fanta, der Kulturbeauftragte der Schule:

"Da lernen die Schüler durch künstlerische CAD-Programme den Umgang mit Geometrien, das heißt, die haben einen künstlerischen Zugang zu diesen schwierigen Themen. Und das ist ein ganz neuer Zugang, weil die Leute das vor Ort erfahren und von diesen erfahrenen Architekten."

Kopf, Herz und Hand

Was Kultur in der Schule kann, zeigt sich auch an der Fritz Boehle Grund- und Werkrealschule in Emmendingen, auch sie seit gestern offiziell Kulturschule. Dort gibt es seit ein paar Jahren ein Projekt "Abenteuer Künste", das erstaunliche Ergebnisse zeitigt, so Informatiklehrer Sebastian Lorenz:

"Hatten wir vorher zwei, drei Schüler, die vielleicht an der ganzen Schule als musiktalentiert aufgefallen sind, können wir jetzt sagen, dass ein Viertel Schüler haben, die Musik machen, ein weiteres Viertel, die Tanz, Theater und Kunst jeweils machen und der Bereich Kopf, Herz und Hand hat jetzt eine ganz andere Bedeutung, als das vielleicht vorher der Fall war."

Die Werkrealschüler interessieren sich für Musik oder Tanz, sie lernen, sagt Sebastian Lorenz weiter, pünktlich zu sein, auf die Mitschüler zu schauen, diszipliniert zu sein, und das wiederum wirkt sich positiv auf den normalen Unterricht in Deutsch, Mathe, Biologie aus.

An den zehn Kulturschulen sollen in den kommenden Jahren Ideen entwickelt werden, wie Kultur Schule und Unterricht besser machen kann. Gestartet wird mit einer Lehrerfortbildung. Das Kultusministerium begleitet und beobachtet das Projekt, so Matthias Wolf vom Ministerium:

"Wir hoffen, dass wir viele Methoden und gute Beispiele generieren können, die in allen 4.700 Schulen des Landes Nachahmer finden. Wir werden eine wissenschaftliche Begleitung starten, wir werden aber auch ganz praktisch 100 gute Beispiel der ästhetischen Unterrichtspraxis publizieren, das wird in etwa zwei Jahren sein."

Zehn solche Beispiel gab es schon gestern zu sehen, vom Filmprojekt über den gemeinsamen Tanz, Theater in der Grundschule oder ganz klassisch, wie am Albert Einstein Gymnasium in Böblingen, ab heute auch eine Kulturschule, die Schulband.

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