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StartseiteCorsoKunst am Baum22.06.2012

Kunst am Baum

Aktion "Verkehrte Wald" im Rechener Park in Bochum

Vom 23. bis 24. Juni soll der Rechener Park im Zentrum von Bochum umgestaltet werden. "Verkehrte Wald" heißt die Aktion der Gruppe "Stadtverwalter", deren Absicht es nach eigenem Verständnis ist, Zwischennutzungskultur zu schaffen und öffentliche Räume kreativ zu beackern.

Von Dieter Jandt

In Bochum wird ein Wald künstlerisch umgestaltet. (Deutschlandradio - Daniela Kurz)
In Bochum wird ein Wald künstlerisch umgestaltet. (Deutschlandradio - Daniela Kurz)

Gregor Betz: "Der Besucher von Verkehrte Wald wird auf jeden Fall auf ganz viele Überraschungen und spannende Begegnungen stoßen, einem Baum wird eine neue Krone aufgesetzt werden im wörtlichen Sinne, aus einem weiteren Baum wird Baumwolle herunterhängen, die dann von den Besuchern von Verkehrte Wald gestrickt werden kann zu Schals und Mützen und so weiter. "

Ein Mann steht im Walde, während der Regen von den Baumwipfeln auf ihn herabtropft. Bochum kann manchmal ganz schön nass sein.

Gregor Betz: "Dann kann es sein, dass eine Wurzel plötzlich anfängt, lebendig zu werden und aufzustehen und mit den Besuchern in Interaktion zu kommen, also es wird hier ganz viele spannende Begegnungen und Projekte und Aktionen geben."

Gregor Betz von den selbst ernannten Stadtverwaltern, die den Wald im Zentrum von Bochum kreativ umkrempeln wollen. Ein leicht welliges Gelände, das nicht wie früher als Erholungsort genutzt, sondern nur noch von Durchläufern wie Joggern, Hunden und Herrchen frequentiert wird. Damals, vor circa 100 Jahren, war der Rechener Park ein beliebtes Ausflugsgziel mit Lokal und einem Parkwächter in Uniform. Ein nicht mal ein Quadratkilometer großes Kleinod, das in der heutigen Erscheinung nicht zum Verweilen einlädt, findet auch Nicole Henning, Stadtverwalterin:

"Damit wollen wir auf diesen ja eigentlich von der Stadt selber und auch von den Bürgern eher etwas vergesseneren Ort aufmerksam machen, der halt ja auch sehr schön ist, und sehr verschlungen ist, aber eben wenig genutzt wird. Da wollen wir durch Kunst- und Kulturaktionen, durch die Belebung von Räumen, die vielleicht vorher nicht so beachtet werden, das Augenmerk darauf wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung holen und auch der Anwohner und auch dadurch zu erreichen, dass die auch darüber in Kontakt kommen."

Mit Kunst in die Tiefe des Raumes. Mal in den Tunnel, mal unter ein Stadttor. Und jetzt also in einen verwunschenen Wald mit 600 Jahre alten Buchen, allein schon das! Hinterm Rhododendron und unter Eichen, vorm nächsten Ahornbaum und tief im Farn werden sich Schauspieler, Musiker, Bildhauer und Fotografen präsentieren. Der Wald wird schick gemacht.

Angelika Nickel-Horn: "So das Wetter schön ist, ist das Seidenpapier, dieses hier. - Ich schlag schon mal die Nägel rein, ja?"

Angelika Nickel Horn hält einen Streifen aus Seidenpapier in der Hand. Sie möchte Damenmode in den Wald hängen. Ihr Mann schlägt derweil Nägel in eine tote Eiche. Auch ihr werden neue Kleider übergestreift.

Alle möglichen Künstler waren aufgerufen, sich zu beteiligen. 80 werden es schließlich sein, mit 30 Projekten. Man will so öffentliche Räume gemeinschaftlich gestalten und sie ins Bewusstsein zurückholen, anstatt sie links liegen zu lassen.

In der Parkmitte wird ein Band laufen mit Originaltönen der Erinnerung an diesen Wald, in dem sogar schon einmal eine Leiche gefunden worden sein soll. Genaues weiß man nicht. Ein Künstler will Spuren der Gewalt ins Unterholz legen, einen abgeknickten Regenschirm, einen verlorenen Stöckelschuh. Und über den Köpfen der Besucher werden Lebewesen baumeln, die da nicht hingehören.

Ralf Werner: "Cello Chill Sounds ist ein Projekt mit groovigen Musikstücken, Eigenkompositionen im Bereich zwischen Fusion Jazz und Ethno angesiedelt, wir werden in Bochum im Trio antreten, der Computer spielt O-Töne, Naturgeräusche, die Zikaden, die unserem Programm den Titel geben, und dazu viele rythmische Loops und vorproduzierte Sounds."

Ralf Werner, Musiker der Gruppe Cello Chill Sounds, die eine kleine Bühne ins Gebüsch bauen wird. Ralf Werner legt am Laptop letzte Hand an die Stücke, die den Wald beschallen sollen:

"Wir erwarten uns natürlich eine kleine Magie des Augenblicks. Wir kommen also sozusagen mit Geräuschen aus der Natur, die auch Lebewesen beinhalten. Also Vögel und Insekten und andere Sounds von Wasser und Wind und Wellen, zum Teil auch urbane Geräusche, kommen wir in diesen Stadtwald hinein. Und wir erhoffen uns magische Momente durch Mischung dieser Sounds."

Infos:
jeweils Samstag, 14 Uhr bis 22 Uhr, und Sonntag von 10 Uhr – 16 Uhr im Rechener Park im Zentrum von Bochum
Der Stadtverwalter e.V. - Verein für Zwischennutzungskulturen (Homepage)

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