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StartseiteEuropa heuteKunst und Politik auf Zypern03.09.2008

Kunst und Politik auf Zypern

In Zypern werden Friedensaktivisten aus der Kulturszene ihre Grenzen aufgezeigt

Heute beginnen die Verhandlungen zur Wiedervereinigung Zyperns zwischen Präsident Dimitris Christofias und seinem türkischen-zyprischen Amtskollegen Mehmet Ali Talat. Trotzdem haben es Friedensaktivisten beider Seiten nach wie vor schwer, sich gegen die nationalistischen Kräfte auf Zypern zu behaupten. Christiane Sternberg berichtet.

Präsident Dimitris Christofias (rechts) schüttelt UN-Chefunterhändler Alexander Downer zu Beginn der Verhandlungen in Nicosia die Hand. (AP)
Präsident Dimitris Christofias (rechts) schüttelt UN-Chefunterhändler Alexander Downer zu Beginn der Verhandlungen in Nicosia die Hand. (AP)

Der Fußgängerboulevard Ledrastraße in Zyperns Hauptstadt Nikosia ist in heißes Sonnenlicht getaucht. Touristen flanieren, Mädchen gehen shoppen und die Straßencafés sind proppenvoll. Heute, nach knapp 50 Jahren, ist die Straße wieder von ihrem griechischen bis zum türkischen Ende passierbar. Alles wirkt friedlich.

Aber noch als im März 2007 Friedensaktivisten mit einem Konzert die Öffnung des Übergangs forderten, störten nationalistische Kräfte die Aktion. Sie grölten Parolen wie "Zypern ist griechisch" und "Nur ein toter Türke ist ein guter Türke". Die Polizei stand tatenlos herum.

"Plötzlich sahen wir eine Gruppe schwarzgekleideter Leute mit Nazisymbolen. Sie beschimpften uns: Dass sie uns aufhängen werden, uns schlagen, uns umbringen und so weiter."

Valentina Sofokleou ist in Zypern eine bekannte Schauspielerin - und Präsidentin der "Initiative zur Öffnung der Grenzübergänge". Rechte Provokationen, auch gegen sie persönlich, sind ihr zur Gewohnheit geworden. Aber sie ließ sich nie einschüchtern. Selbst dann nicht, als sie ihren Job durch das Eingreifen einflussreicher politischer Kreise verlor.

"Ich bekam SMS-Nachrichten: Wenn du nicht aufhörst, bist du deine Arbeit los. Die gleiche Drohung bekam mein Regisseur: Wirf sie raus, oder deine Fernsehserie wird abgesetzt. Er behielt mich - das war das Ende der Serie."

Auch der Sänger und Komponist Adamos Katsantonis spürt die Macht seiner Gegner. Er tritt mit dem türkisch-zyprischen Musiker Yiltan Tasci auf. Sie sind das einzige gemischte Duo in Zypern, und ihre musikalische Friedensmission ist ein harter Kampf. Avantgarde ist nicht gefragt in der Republik Zypern. Und so sind Konzerte und Kompositionsaufträge für den Profimusiker rar.

"Wenn du keiner Partei angehörst, unterstützt dich niemand. Du kommst aufs Abstellgleis, niemand gibt dir auch nur die geringste Chance. Sie fördern nur diejenigen, die sagen, was sie hören wollen. Alle Parteien haben ihre eigenen Künstler. Naja, für mich sind das keine. Künstler müssen freie Geister sein."

Wer in Zypern feiert, singt gern. Dass diese Tradition zu beiden Volksgruppen gehört, machen Adamos und Yiltan mit ihren zweisprachigen Fassungen der Volkslieder deutlich. Die sind ebenso wichtig wie ihre Friedens-Songs. Ein Land, ein Volk, eine gemeinsame Kultur. Doch die Botschaft kommt nicht unbedingt an. Im Radio sind ihre Lieder jedenfalls selten zu hören. Kein Wunder, sagt Adamos, weil nämlich die von den Parteien kontrollierten Medien dafür sorgen, dass unerwünschte Töne nicht die Ohren ihrer Hörer erreichen.

Dass Medien nicht nur mit ihrem Schweigen sondern auch mit scharfen Attacken ihren Einfluss ausspielen, hat Neshe Yashin erfahren müssen. Die beliebte Schriftstellerin hat mit ihrem Gedicht "Geteilte Heimat" vor 30 Jahren einer ganzen Nation aus dem Herzen gesprochen. Seit damals tritt sie für die Einheit Zyperns ein. Immer wieder versucht die türkisch-zyprische Rechte, den Menschen Neshe Yashin in Misskredit zu bringen. So schoss sich die Zeitung "Volkan" auf ihren Roman über eine zyprisch-zyprische Liebesgeschichte ein. Der Text sei "pornographisch", hieß es, und erzähle über den Sex, den Neshe mit griechisch-zyprischen Männern gehabt habe.

"Die Kampagne im letzten September grenzte an Rufmord. Mein Bild erschien mehrmals auf Seite 1 der Zeitung und sie bezeichneten mich als Verräterin, als Prostituierte, mit der man alles machen kann."

Mit dem Beginn der Verhandlungen zur Wiedervereinigung zwischen Präsident Dimitris Christofias und seinem türkischen-zyprischen Amtskollegen Mehmet Ali Talat am 3. September ändern sich vielleicht endlich auch die Bedingungen für die Friedensaktivisten aus der Kunstszene. Dem Chauvinismus wird Stück für Stück der Boden entzogen. Es wird auch Zeit, sagt Valentina, dass dieses "verdammte Zypernproblem" endlich gelöst wird.

"Zypern hat Wasserprobleme, Umweltprobleme - haufenweise Probleme. Wir aber verbringen unser gesamtes Leben damit, für die Wiedervereinigung zu kämpfen."

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