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StartseiteKultur heuteAusstellung über die französische Moderne27.09.2014

Kunsthalle MannheimAusstellung über die französische Moderne

Die Kunsthalle Mannheim hat für die Ausstellung "Manet, Cézanne, Van Gogh - aus aller Welt zu Gast" insgesamt 31 Werke aus eigener Sammlung sowie aus internationalen Beständen zusammengestellt. Im Mittelpunkt stehen Werke der französischen Moderne des späten 19. Jahrhunderts.

Von Christian Gampert

Als der junge Gründungsdirektor der Mannheimer Kunsthalle, Fritz Wichert, um 1910 begann, für sein Institut die wichtigsten französischen Maler anzukaufen, wurde er natürlich angefeindet: Franzosen waren am Vorabend des Ersten Weltkriegs nicht erwünscht, die anbrechende Moderne schon gar nicht. Wichert kaufte unter anderem ein monumentales, dunkles, brutales Gemälde von Édouard Manet, „Die Erschießung des Kaisers Maximilian"; und dieses zur Ikone gewordene Bild eines politischen Mords steht nun im Zentrum einer Ausstellung, die sich aber nicht als Geschichtsunterricht, sondern als „Schule des Sehens" versteht – sagt Kuratorin Marie-Amélie zu Salm-Salm.

"Ausgehend von der Sammlung der Sammlung der Kunsthalle, den Franzosen, haben wir dann Pendants in europäischen und amerikanischen Museen zusammengeholt, um hier einen Dialog der Stile und Motive entstehen zu lassen. Unsere Idee war, die revolutionären Maler der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts zu zeigen."

Nebenbei dienen die hochkarätigen Leihgaben natürlich auch dazu, die hauseigene Sammlung aufwerten. Aber die Ausstellung will mehr.

"Wir machen einen Brückenschlag ins abstrakte 20.Jahrhundert und wollen eben ganz bewusst mögliche Folgeerscheinungen des Impressionismus und Postimpressionismus auffächern. Und hoffen aber zugleich auch, dass die Abstrakten uns die Möglichkeit geben, mit neuen Augen auf die Maler um 1900 zu schauen."

Dieses ehrgeizige Programm wird allerdings erst am Ende der Ausstellung eingelöst. Der erste Saal ist noch Vorspiel und den Vaterfiguren der Moderne gewidmet: Auf wunderbar dunkelblau grundierten Wänden hängen bewegte Kampfszenen des Farbenrevolutionärs Delacroix mit seinen Rotgrün-Kontrasten. Von dem Plein-Air-Atmosphäriker Corot gibt es eine großartige stille Flussszene aus dem Metropolitan Museum, die einer fahlen Dünenlandschaft aus der Mannheimer Sammlung antwortet. Warum allerdings ausgerechnet ein virtuos unscharf gemalter „Hängender Rehbock" von Courbet (aus Den Haag) ein Signum der anbrechenden Moderne sein soll, bleibt ziemlich unklar.

Dann aber kommt Manets Monumentalgemälde, das die Tötung Maximilians vor Publikum zeigt; das Referenzbild, der aus Washington geliehene "Tote Torero", wirkt wie eine flächige, dunkle, perspektivisch angeschrägte, aktualisierte Variante von Holbeins "Der tote Christus im Grabe". Das Bild war ursprünglich ein Großformat und zeigte eine Kampfszene. Erst als das von der Kritik verrissen wurde, trennte Manet den toten Torero als Einzelfigur heraus.

Aber nicht um solche Details geht es der Ausstellung, sondern um die „Geburt der Abstraktion aus dem Geist des Impressionismus", wie der Katalog das nennt. Wenn man nämlich den dritten Saal betritt, fällt man sozusagen in eine scheinbar monochrome gelbe Farbfläche der Amerikaners Joseph Marioni hinein, und erst auf den zweiten Blick sieht man minimal unterschiedliche, verschiedene Gelbtöne. Dass dies nur eine Radikalisierung der (hier dazugehängten) Sonnenblumen des Vincent van Gogh ist, das ist eine kühne, aber originelle Behauptung. Immerhin bewegte sich auch der Dynamiker van Gogh nah an der Auflösung des Gegenstands und mitten in der Autonomie der Farben.

Überzeugender die Kombinationen, die die nächsten Säle bestimmen: Die flirrenden, in Einzelstriche aufgelösten Straßen und Flüsse des Alfred Sisley werden von dem frühen Ellsworth Kelly in einem verpixelten, abstrakten Schwarz-Weiß-Bild aufgenommen, das die Lichtreflexionen der Seine quasi digitalisiert. Bestechend auch die Idee, das geheime geometrische Gerüst von Cézannes „Kartenspieler"-Szene durch einen Mondrian sichtbar zu machen. Die Ausstellung hat also immerhin ein kuratorisches Konzept. Die Mannheimer Franzosen-Sammlung aber, die hier eigentlich leuchten soll, ist, ehrlich gesagt, eher klein.

 

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