• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 21:05 Uhr Musik-Panorama
StartseiteWirtschaft und GesellschaftWarum die Banken unter Druck stehen09.02.2016

Kurssturz an der BörseWarum die Banken unter Druck stehen

Die letzte Bankenkrise noch in Erinnerung reagieren private Anleger sensibel auf fallende Aktienkurse und veräußern möglichst früh ihre Werte. Die Deutsche Bank hingegen hält Rücklagen in Höhe von einer Milliarde bereit, um Verluste im Hochrisiko-Bereich abzudecken.

Von Michael Braun

Eine Frau sitzt an ihrem Schreibtisch in der Frankfurter Börse und stützt den Kopf mit der Hand ab. (dpa/picture alliance/Frank Rumpenhorst)
Die Anleger werden nervös: Seit Beginn des Jahres fällt der Dax. Sind deutsche und internationale Banken für Turbulenzen auf dem Börsenparkett gerüstet? (dpa/picture alliance/Frank Rumpenhorst)
Mehr zum Thema

Dax auf Talfahrt Kein Grund die Nerven zu verlieren

Dax-Absturz "Die Angst ist greifbar"

Anpassung der Geldpolitik EZB rechnet mit "niedrigen oder gar negativen Inflationsraten"

Deutsche Bank und Commerzbank sind nicht allein. Nicht nur ihre Kurse fallen, auch die der europäischen Konkurrenten von Unicredit bis Banco Santander, Société Générale und ING Groep.

"Ich kann mir das eigentlich nur so erklären, dass Investoren halt Angst haben, dass wir eine Finanzkrise ähnlichen Ausmaßes wie 2007 / 2008 sehen. Die Investoren erinnern sich: Damals war die richtige Strategie, alle Bankaktien zu verkaufen. Und ich denke, dass deswegen momentan die Kurse so massiv unter Druck sind und jeder Investor versucht, sein Exposure gegenüber Banken zu reduzieren", sagt Philip Häßler, Bankanalyst der Equinet Bank. 

Verluste aus Hochrisiko-Anleihen werden per Rücklagenabsicherung der Banken aufgefangen  

Erste beruhigende Töne kommen schon aus der Politik: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wurde heute von der Finanzagentur Bloomberg mit der Bemerkung zitiert, er habe "keine Ängste um die Deutsche Bank." 

Die hatte sich gestern Abend auch zu Wort gemeldet und eine zentrale Botschaft an den Kapitalmarkt geschickt, eine sogenannte Ad hoc-Mitteilung. In der stand grob übersetzt: "Wir können unsere Schulden bezahlen." Analysten fanden das schon ungewöhnlich und schlossen daraus, die Investoren müssten "extrem nervös sein."

Es geht um Investoren, die spezielle Papiere der Deutschen Bank gekauft haben. Es sind Anleihen, die aber im Krisenfall zum Eigenkapital gezählt werden dürfen, also haften müssen wie Aktien. Sie verfallen sogar, wenn bestimmte Eigenkapitalschwellen unterschritten werden. Was das für den Investor bedeutet, sagt Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance and Management:

"Hier geht der Investor das Risiko ein, dass, wenn die Kernkapitalquote unter bestimmte Grenzen fällt, er einen vollständigen Verlust seines Kapitals erleidet. Deswegen sind das Hochrisiko-Anleihen. Da dürfen auch keine Privatanleger reingehen."

Die Deutsche Bank teilte mit, um diese Papiere zu bedienen, stünden in diesem Jahr eine Milliarde Euro bereit. Das reiche aus, um die fälligen Raten rund 350 Millionen Euro am 30. April zu bedienen. Nächstes Jahr rechne die Bank mit höheren Zinszahlungen für diese Anleihen. Aber auch dafür sei Geld genug da, unter anderem aus dem dann vollzogenen Verkauf einer Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank.

Eine Solidität der Banken ist zukünftig unumgänglich

Der Markt brauchte wohl solch ein Signal. Denn die in Frage stehenden Anleihen der Deutschen Bank notierten gestern bei etwa 75 Prozent ihres Nominalwertes: Investoren rechnen also damit, ein Viertel verlieren zu können. Binnen einer Woche sind die Prämien, um eine Forderung an die Deutsche Bank über 100.000 Euro zu versichern, von 1.360 auf 2.200 Euro hochgeschnellt. Der Finanzvorstand der Bank, Marcus Schenck, hatte vor zwei Wochen bei der Bilanzvorlage zwar versichert, die Bank habe genügend Reserven für diese Anleihen. Aber wie von selbst bilden sich diese Reserven offenbar nicht:

"Wir müssen natürlich sicherstellen, dass die, ich sag mal: die Kapitalposition der Bank hinreichend solide bleibt. Also, dass wir dort nicht unter irgendwelche thresholds (Schwellen, d. Red.) fallen, die wir erfüllen müssen."

Sie muss freilich auch aus einem weiteren Grund um ihre finanzielle Solidität kämpfen: Sie will in den nächsten Jahren weitere eigenkapitalähnliche Anleihen ausgeben, um ihre Kapitalausstattung zu verbessern. Zu heutigen Kursen müsste sie dafür zehn, zwölf Prozent Zinsen zahlen, ungefähr so viel wie Griechenland für zehnjährige Anleihen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk