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StartseiteCampus & KarriereLernen will geplant sein06.06.2017

Labor: Vorbereitungsstrategien für PrüfungenLernen will geplant sein

Mit welcher Strategie können Schüler und Studenten sich am besten auf eine Prüfung vorbereiten und Fachwissen am besten lernen? Diesen Fragen geht derzeit eine Gruppe von Psychologen an der US-Universität Stanford nach. Sie erforschen Vorbereitungsstrategien für Prüfungen, wie sie in Schulen und Hochschulen immer wieder vorkommen.

Von Armin Himmelrath

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Die Schüler sitzen an einzeln aufgestellten Tischen und arbeiten an ihren Aufgaben. (dpa/Julian Stratenschulte)
Schülern und Studenten fällt es nicht immer leicht, sich frühzeitig mit den anstehenden Aufgaben zu beschäftigen. (dpa/Julian Stratenschulte)
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Tom hatte in den letzten Wochen ziemlich viel zu tun. Der 19-Jährige aus Remscheid macht gerade sein Abitur, drei schriftliche Klausuren und eine mündliche Prüfung standen seit den Osterferien an. Und für jede einzelne dieser Prüfungen musste er mehrere Themenbereiche vorbereiten. Ein großes Bündel an Fachwissen also, mit dem er umgehen musste.

"Also, für mich war der erste und ich denke auch wichtigste Schritt: Prioritäten zu setzen. Und dann muss man auch gucken, wie der Lernstand vorher war. Wenn man nicht so gut war, zum Beispiel in Pädagogik, muss man natürlich mehr in Pädagogik investieren. Und wenn man sich dieses ganze Konzept am Anfang klar macht, dann fällt einem das Lernen auch deutlich einfacher."

Frühzeitige Beschäftigung mit den Aufgaben 

Was Tom als seine Strategie beschreibt, ist das Forschungsfeld von Patricia Chen. Die Psychologin arbeitet an der Universität im amerikanischen Stanford und beschäftigt sich in einer aktuellen Untersuchung mit genau solchen Lernstrategien. Dafür haben die Wissenschaftler ein Lernprogramm entwickelt, an dem ihre Versuchspersonen über das Internet teilnehmen.
 
"Wir haben herausgefunden, dass Studenten, die sich mit unserem Vorbereitungsprogramm beschäftigen, ihre Lernleistungen wirklich verbessern können. Durch strategisches Denken wurden sie in die Lage versetzt, ihre Ressourcen viel produktiver für ihr Studium zu nutzen als vorher." 

Strategisches Denken, das heißt vor allem: Sich frühzeitig mit den anstehenden Aufgaben zu beschäftigen, sagt Patricia Chen. Und das fällt den Schülern und Studenten nicht immer leicht.

"Es ist eine Art metakognitives Programm. Metakognitiv bedeutet: Man macht sich klar, auf welche Art man lernt, und auf welche Art man seine Lernziele erreichen will. Sie sollten also in diesem Programm über die bevorstehende Prüfung nachdenken, ihr persönliches Ziel definieren, über ihre Ressourcen nachzudenken und zu sagen, wie sie diese Ressourcen nutzen wollen. Es ging also darum zu sagen, wann, wo und wie sie lernen wollten."

Eine Strategie für die Planung des Lernens

Tom hat sich für sein Abitur diese Fragen auch gestellt – wenn auch nicht so strukturiert wie die Bildungsforscher in Stanford.

"Man kann googeln 'Lernen fürs Abi', und dann werden einem 1.000 verschiedene Möglichkeiten gegeben, am besten zu lernen. Aber am Ende des Tages kann man es ja eigentlich nur für sich selbst ausprobieren in den zwei Jahren davor und dann die am besten funktionierende Taktik mit ins Abi nehmen. Auch wenn das mehr Arbeit bedeutet für manche Menschen." 

Mit den aktuellen Ergebnissen aus Stanford lässt sich diese individuelle Suche nach einer guten Strategie jetzt abkürzen, sagt Patricia Chen. Und diese Strategie bezieht sich weniger auf das eigentliche Lernen als auf die Planung des Lernens. Schon damit, sagt die Psychologin, verbessern sich die Noten der Studenten signifikant.

"Es geht darum, strategisch vorzugehen: Was nutze ich? Welche Menschen frage ich, die mir helfen könnten? Man muss sich einfach klar machen: Wie und warum nutze ich bestimmte Dinge?" 

Die Psychologin empfiehlt eine Art Vertrag mit sich selbst

Sabine Köster ist ebenfalls Psychologin. Sie arbeitet bei der psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studierendenwerks Karlsruhe. Rund 1.500 Studentinnen und Studenten kommen hier pro Jahr hin, um sich beraten zu lassen - viele mit genau dieser Frage: Wie lerne ich richtig für die anstehenden Prüfungen? Welche Strategie ist erfolgversprechend? Die Ergebnisse aus Stanford überraschen Sabine Köster nicht.

"Um Prüfungen erfolgreich zu schaffen, ist es zum einen wichtig, das Feld schon möglichst frühzeitig von hinten aufzurollen und sich damit auseinanderzusetzen: Was wird denn in der Prüfungssituation am Ende tatsächlich verlangt? Und wie genau sehen die Prüfungsbedingungen aus?" 

Sabine Köster empfiehlt, mit sich selbst eine Art Vertrag zu machen. "Es ist hilfreich, die Prüfungsvorbereitung wie einen Job zu betrachten und mit sich selber Arbeitszeiten, aber auch freie Zeiten zu vereinbaren. Das erinnert vielleicht erstmal an den guten, alten Stundenplan der Schulzeit, wenn man das mit den konkreten Uhrzeiten auch festlegt, kann aber dazu helfen, tatsächlich auch Arbeitszeit und Erholungszeit abzugrenzen und motivierend sein, um so einen Plan dann auch einzuhalten."

Und dabei, sagt Sabine Köster, sollte man auf jeden Fall auch an das Leben abseits von Schule oder Hochschule denken. 

"Gerade in Prüfungszeiten vergessen viele, dass die lernfreien Zeiten zur Erholung genauso wichtig sind, um effektiv Prüfungen schaffen zu können – also: Sich mit Freunden zu treffen, Sport zu machen, oder seinen Hobbys nachzugehen ist gerade in Prüfungsphasen etwas sehr Wichtiges." 

Dann steht einer erfolgreichen Prüfung eigentlich nichts mehr im Weg.

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