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StartseiteForschung aktuell"Lahme Ente" per Knopfdruck19.07.2004

"Lahme Ente" per Knopfdruck

Mikrowellenstrahlen legen Auto-Elektronik lahm

<strong>Technik. - Kein ein Actionfilm kommt heute ohne Verfolgungsjagden aus. Allerdings droht Regisseuren eine trübe Zukunft, denn bald erübrigt eine neue Technik gefährliche Rennen zwischen Verbrechern und Polizisten. Denn dank Mikrowellen können Gesetzeshüter den Davoneilenden quasi einfach "den Saft abdrehen". Wenig begeistert sind davon aber auch Militärs, deren sensible Sensoren in Mitleidenschaft gezogen werden können.</strong>

Dem Mikrowellen-Stopper fährt niemand davon. (AP)
Dem Mikrowellen-Stopper fährt niemand davon. (AP)

"Mad Max" würde vermutlich resignieren und den Job aufgeben, und "Bullit" - Quasi-Erfinder moderner Verfolgungsjagden - lakonisch auf ein Knöpfchen drücken, statt mit seinem legendären Ford Mustang durch enge Straßen zu rasen. Denn wenn David Giri mit seiner Idee Erfolg hat, bringen Sheriffs Flüchtige bald mit einer kleinen Antenne zu stehen. Der Trick dabei heißt: Mikrowellen. "Es ist nicht schwierig, ein Auto anzuhalten, weil moderne Autos Computer und Mikroprozessoren enthalten. Wenn man die Chips stört, können sie Zündung und Benzineinspritzung nicht mehr steuern. Dann hält das Auto an", erläutert der Ingenieur der kalifornischen Firma Pro-Tech. Die Methode ist indes nicht brandneu - schließlich werden ja auch Fluggäste aus diesem Grund seit langem aufgefordert, ihre hochfrequent arbeitenden Handys tunlichst auszuschalten, um abrupte Landungen zu vermeiden. Allerdings gehen die herkömmlichen Mikrowellen-Notbremsen im Vergleich zu Giris Apparat eher grobschlächtig zu Werke, denn sie schießen gleich mit vielen Frequenzen auf Ziel ein.

David Giri, ehemaliger Professor der Universität von Kalifornien in Berkeley, setzt lieber auf passende Nadelstiche für jeden Autotyp. Dazu unterzog er zunächst verschiedene Automarken einer Bestrahlung und ermittelte, welche Signaltypen die Elektronik am wirksamsten schachmatt setzen. Mit dem richtigen Frequenzmuster können die Cops Fluchtautos dann aus sicherer Distanz von bis zu 70 Metern lahm legen. "Unser Ziel ist ein kompaktes System, das in ein Polizeiauto passt und mit Strom aus der Autobatterie auskommt", so Giri. Doch es galt, noch ein anderes Problem zu lösen: denn um den Verkehr nicht unnötig zu gefährden oder gar Kollegen per Mikrowelle zum Halt zu zwingen, muss die Antenne sehr gerichtet abstrahlen. "Wenn man so starke Signale hat, kann auch das eigene Auto betroffen sein. Das müssen wir natürlich verhindern."

Für solchen Selbstschutz wiederum ist Daniel Nitsch in Münster Experte. Der Wissenschaftler vom Wehrwissenschaftlichen Institut für Schutztechnologien sieht ein Problem vor allem in den neuen, sehr kurzen und leistungsstarken Mikrowellen-Impulsen. Sie durchdringen mitunter selbst die Metallgehäuse von Autos: "Fahrzeuge besitzen überall Öffnungen und die enorme Bandbreite dieser Impulse ermöglicht eben der elektromagnetischen Energie, sich anzupassen und jene Frequenz zur Verfügung zu stellen, die gebraucht wird, um durch genau eine solche Öffnung hindurch zu tunneln." Herkömmliche Computer sind die Versuchskaninchen, die der Bundeswehr-Forschers aus einigen Metern mit Störsignalen attackiert, um dabei Störungen und Schäden zu begutachten. Besonders empfindlich, so Nitsch, reagierten die winzigen Strukturen moderner Mikrochips auf Mikrowellenbeschuss. "Zum Schutz elektronischer Geräte können die Zuleitungen zu den Mikroprozessoren mit Halbleiterbauelementen und Filtern gegen die Strahlung gesichert werden. Sie müssen alle elektromagnetische Energie ableiten, die nicht zum Funktionieren gebraucht wird." Allerdings ist wenig wahrscheinlich, dass ein solcher Schutzschild auch in rasante Straßenkreuzer montiert wird.

[Quelle: Michael Fuhs]

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