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StartseiteSport am WochenendeLance lässt lancieren05.01.2013

Lance lässt lancieren

Überführter Dopingsünder Armstrong vor einem Geständnis?

Das Gerücht, das der Ex-Radprofi Armstrong darüber nachdenkt, ein Dopinggeständnis abzulegen, produziert viele Spekulationen. Vor allem die nach dem Motiv.

Von Jürgen Kalwa

Derzeit kuriseren Gerüchte um ein Dopinggeständnis von Lance Armstrong (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)
Derzeit kuriseren Gerüchte um ein Dopinggeständnis von Lance Armstrong (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)

Was macht ein Mann, der jahrelang gelogen und dabei einen Meineid begangen hat? Es kommt darauf an, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen möchte. Will er sich in der Rolle des ewigen Aussätzigen aalen, ungebeugt und stolz? Oder gibt er seine Verfehlungen zu und hofft auf Vergeben und Vergessen?

Wenn man Lance Armstrong heißt und jahrelang wie kein anderer das Klavier im internationalen Medienorchester gespielt hat, dann beantwortet man diese Frage nicht im stillen Kämmerlein, sondern verbindet sie mit einem publizistischen Schachzug. Lance lanciert. Oder besser: Er lässt lancieren.

Nichts anderes lässt sich aus den Informationen vom späten Freitag ableiten, die von der New York Times und dem Wall Street Journal aufgetischt wurden. Beide Zeitungen waren im Umfeld des Texaners auf das gleiche Gerücht gestoßen: Armstrong, der vor wenigen Tagen seine letzte Chance auf einen sportgerichtlichen Einspruch gegen seine lebenslange Sperre hatte verstreichen lassen, denke darüber nach, ein Dopinggeständnis abzugeben.

Käme es dazu, wäre dies selbstverständlich eine Sensation. Aber ernsthafte Anzeichen gibt es nicht. Nicht wenn man Armstrongs Anwalt glaubt, der standhaft erklärt: "Ich denke, alles ist möglich. Aber im Moment steht das wirklich nicht zur Debatte.”

Mehr noch: Er bestritt ausdrücklich die Meldung, sein Mandant habe bereits Kontakt zum Chef der amerikanischen Anti-Dopingagentur aufgenommen, um die Modalitäten eines solchen Schritts auszuloten.

Die Spekulationen um die Motive gingen am Samstag in alle Richtungen. Angeblich üben wohlhabende Gönner der von Armstrong gegründeten Livestrong-Stiftung Druck aus, weil sie sich Sorgen um den Fortbestand der Einrichtung machen, die einen schweren Imageschaden erlitten hat. Und auch das wurde als Triebfeder serviert: dass der Texaner gerne schon bald wieder zum Sport zurückkehren würde. Mit nunmehr 41 Jahren?

Möglich ist alles. Obwohl eigentlich eines ganz deutlich dagegen spricht: Mit einem Geständnis würde Armstrong allen Schadenersatzforderungen Tür und Tor öffnen und dabei sein gesamtes Vermögen aufs Spiel setzen.

Weshalb eine andere Spekulation viel wahrscheinlicher ist. Sie betrifft das Verhältnis zum ehemaligen Sportlichen Direktor des US Postal Teams. Zum Belgier Johan Bruyneel, der sich trotz der überwältigenden Beweislage in seinem von der USADA angestrengten Verfahren verteidigen will, anstatt die lebenslange Sperre zu akzeptieren.

Hinter dieser Marschroute schien schon immer eine besondere Taktik zu stecken. Auf diese Weise konnte Bruyneel Armstrong signalisieren, dass er durchaus zu schweigen bereit wäre. Für einen gewissen Lohn womöglich? Was die beiden ausgemacht haben, weiß niemand. Nur dass das Schiedsgericht, das ursprünglich schon vor Weihnachten den Fall Bruyneel hätte abhandeln sollen, noch immer nicht zusammengetreten ist.

Vor diesem Hintergrund wirkt das Gerücht von gestern sehr viel verständlicher. Als Teil eines Tauziehens hinter den Kulissen. Als Wink an den Belgier, sich nicht allzu viel auszurechnen. Denn auch Armstrong könnte auspacken. Und dann fiele die Grundlage für eine Apanage an den ehemaligen Weggefährten weg.

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