Montag, 21.05.2018
 
Seit 13:05 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteDeutschland heute"Acker unter" in Mecklenburg-Vorpommern21.02.2018

Landwirtschaft"Acker unter" in Mecklenburg-Vorpommern

Im Dezember und Januar hat man die Sonne kaum gesehen. Der Dauerregen der vergangenen Monate macht den Bauern erheblich zu schaffen. Die Böden sind derart gesättigt, dass sie keine Flüssigkeit mehr aufnehmen können, obwohl jetzt eigentlich gedüngt werden müsste.

Von Silke Hasselmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein vereister Acker bei Sukow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) (Silke Hasselmann)
Ein vereister Acker bei Sukow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) (Silke Hasselmann)
Mehr zum Thema

Probleme in der Landwirtschaft Gülle-Notstand in Schleswig-HolsteinLandwirtschaft Beste Böden entstehen, wenn Tiere grasen

Landwirtschaft Beste Böden entstehen, wenn Tiere grasen

Deutscher Bauernverband "Landwirte werden gezwungen, bedarfsgerecht zu düngen"

Wasserschutz Der lange Weg zum neuen Düngegesetz

Sechsbeinige Landwirte Ameisen säen, düngen und ernten

So klingt es seit Monaten fast ununterbrochen auf vielen Äckern in Mecklenburg-Vorpommern, jedenfalls wenn die Landwirte eine Flurbegehung versuchten: Wer nicht gerade leichte Sandböden oder frostgehärteten Erde unter den Stiefeln hat, versinkt tief im Matsch.

Detlef Kurreck kann ein Lied davon singen. Der 58-jährige leitet die "Körchower Land Agrargesellschaft mbH" mit 1.200 Hektar Acker südlich von Kühlungsborn. Auch dort folgte einem bereits sehr nassen Sommer 2017 ein schierer Endlosregen bis hinein in den Februar. Die Jahresbilanz hier wie an vielen anderen Standorten: um die 1.000 Liter Wasser pro Quadratmeter; ein Drittel über dem üblichen Jahresdurchschnitt. 

"Das ist gewaltig. Wir haben 160 Hektar Winterkultur nicht bestellen können. Das Saatgut liegt in Big Bags in der Halle und wird dort überwintern. Es ist schon dramatisch auch landauf, landab." 

Am Rerigker Salzhaff bewirtschaftet die Nordring-Kartoffelzucht- und Vermehrungs-GmbH Groß Lüsewitz reichlich Fläche. Doch auch hier erwies sich ein Teil der Herbsternte als ein Schlag - nun ja - ins Wasser, erzählt Geschäftsführer Wolfgang Walter. 

Mais- oder Getreidefelder bleiben liegen

"Wir haben hier an diesem Standort jetzt noch etwa 80 Hektar Kartoffeln, in erster Linie Verarbeitungskartoffeln. Sie müssen so einen Hektar Kartoffeln mit dreieinhalb bis viertausend Euro Wert ansehen, sodass sie irgendwo 300.000 Euro, 350.000 Euro noch in der Erde sitzen haben."

Anderenorts blieben Mais- oder Getreidefelder liegen. An Wintersaat war nicht zu denken.   

"Wer mit offenem Auge über die Feldmark gefahren ist, der hat Mähdrescher gesehen, die versackt sind, die versackt sind. Der hat Feldhäcksler gesehen, die versackt sind. Der hat Trecker gesehen, die einfach nur in Löcher gefallen sind, die vorher nie da waren. Ja, und das setzte sich eigentlich über drei Monate fort. Das haben wir noch nie gehabt."

Derzeit erbarmt sich der Wettergott: Die letzten Tage waren zumeist trocken, sogar sonnig. Die Nächte bringen Frost, der stellenweise bis zu 20 cm tief in den Boden dringt. Aus Matsch wird knüppelharte Erde.

Düngen mit Gülle problematisch 

Doch auch das problematisch. Zwar erlaubt die Düngeverordnung den deutschen Bauern grundsätzlich, ab dem 1. Februar "natürlichen Wirtschaftsdünger" auszubringen, darunter Gülle. Doch der Schweriner Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus warnt: 

"Wenn die Böden nicht frostfrei sind und wenn sie wassergesättigt sind, kann und darf kein Nährstoff ausgebracht werden und darf auch keine Gülle ausgebracht werden."

Denn Gülle - das ist eine höchst stickstoff- und phosphorreiche Mixtur aus Kot und Urin von Nutztieren. Im Agrarland Mecklenburg-Vorpommern werden derzeit allein 844.000 Schweine, 535.000 Rinder und über 300.000 Schafe gehalten. Da fallen pro Jahr 7,5 Millionen Tonnen Gülle an – und die müssen irgendwo hin.

Biogasanlagen sind Abnehmer, vor allem aber konventionell wirtschaftende Ackerbauern. Doch viele Böden werden von immer schwererer Technik befahren und sind mittlerweile so stark verdichtet, dass große Mengen an Flüssigkeit nur noch sehr langsam versickern. Sind die Böden jedoch einmal wassergesättigt oder gefroren, würde vor allem die mit wenig Stroh versetzte Gülle gleich mit dem Oberflächenwasser abgewaschen und in Senken, Seen und Flüsse gespült. Dort aber sorgen Stickstoff, Phosphor und Co. unter anderem für übermäßigen Algenwuchs und Verkrautung, sagt Landwirtschaftsminister Till Backhaus:

"Insofern appelliere ich an das Verantwortungsbewusstsein der Bauern, unserer Landwirte, die klug sind und auch sehr, sehr gut ausgebildet sind, mit diesen Nährstoffen vernünftig umzugehen. Aber ich bin mir sicher, dass unsere das machen werden."

"Nur für den Fall, dass nicht ..."

"... dann gibt´s Ärger. Wir kontrollieren das scharf. Außerdem ist die Bevölkerung mittlerweile in unserem Land so sensibilisiert. Dass, wenn man so was sieht, dann gibt's sofort 'nen Anruf bei uns im Ministerium oder auch in den Staatlichen Ämtern für Landwirtschaft und Umwelt. Da wird das überprüft, und sollte sich herausstellen, dass man hier nicht ordnungsgemäß gehandelt hat, dann ist das strafbewehrt."

Nun ist erst einmal weiterhin Frost angesagt. Immerhin: Damit die Güllelager in Mecklenburg-Vorpommern nicht überlaufen, genehmigte das Land nun den zeitweiligen Betrieb von sechs Notbecken.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk