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StartseiteForschung aktuellLanger Törn für Elektronik-Skipper13.07.2012

Langer Törn für Elektronik-Skipper

Forscher versuchen Weltrekord im Robotersegeln

Technik. - Roboterflugzeuge, Drohnen genannt, fliegen bereits rund um die Welt, entsprechende Autos gibt es bereits. Segelboote, die ohne Skipper über die Meere schippern, stecken dagegen noch in den Kinderschuhen. Am Wochenende wagt ein österreichisches Team einen einen Versuch mit einem solchen Boot: 150 Seemeilen – rund 280 Kilometer – soll ihr Segelroboter autonom auf der Ostsee schaffen. Das wäre neuer Weltrekord.

Von Frank Grotelüschen

Der Robotersegler Roboat in der Eckernförder Bucht, Juli 2012. (Innoc)
Der Robotersegler Roboat in der Eckernförder Bucht, Juli 2012. (Innoc)

Keine vier Meter lang, ein kurzer Mast und gerade mal zwei Segel. Neben den anderen Segelyachten im Hafen von Eckernförde nimmt sich das Bötchen von Roland Stelzer und seinen Leuten eher bescheiden aus. Und: Man kann sich nicht einmal reinsetzen.

"Weil alles mit Technik voll ist und mit Solarzellen abgedeckt."

Denn Roboat, so der Name des Gefährts, ist ein Segelroboter – im Moment der wohl beste der Welt, gebaut von einem Team der INNOC, der Österreichischen Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften in Wien. Die Solarzellen versorgen Elektromotoren, die, um das Boot zu steuern, Ruder und Segel ausrichten. GPS-Empfänger erfassen die genaue Position. Windmesser registrieren die Windstärke. Und Lagesensoren messen, wie stark sich das Boot gerade neigt. Das Herz von Roboat aber ist der Bordcomputer. Ihm haben Stelzer und seine Kollegen per Software die Grundregeln des Segelns beigebracht.

"Die Route wird nicht programmiert. Es wird nur das Ziel programmiert. Die Route wird berechnet durch das Routing-System, das von der Uni Ulm entwickelt wurde. Da fließen Strömungs- und Windvorhersagen mit ein."

In jedem Moment muss der elektronische Skipper neu entscheiden, wie das Segel gestellt und das Ruder bedient werden muss. Stelzer:

"Wenn es notwendig ist, gegen den Wind zu kreuzen, wird das einfach gemacht. Es wird geschaut, dass man Untiefen meidet, dass man Schwerwetter meidet, dass man nicht in die Küstenlinie kracht. Inseln oder andere Hindernisse aus der Seekarte werden berücksichtigt und vom Boot automatisch umschifft."

Allerdings nur Hindernisse, die auf den Seekarten verzeichnet sind – Bojen, Untiefen, Inseln und natürlich die Küsten. Probleme könnten andere Boote machen, die den Weg von Roboat kreuzen. Denn Augen – z.B. Kameras oder Radarsensoren – hat der schwimmende Automat nicht.

"Dann müssen wir eingreifen. Das ist auch der Grund, warum wir mit einem Begleitboot immer in Sichtweite mit dabei sind. Die Wahrscheinlichkeit ist wohl sehr gering. Aber es ist natürlich möglich."

Samstag Nachmittag soll der Weltrekordversuch starten. Vier Tage lang wollen Stelzer und seine Leute auf einer normalen Segeljacht neben Roboat herfahren, um ihn stets im Blick zu behalten. Bis nach Dänemark soll es gehen, dann wieder zurück nach Eckernförde – 150 Seemeilen, fast doppelt soviel wie der bisherige Weltrekord, aufgestellt von einer französischen Universität.

"Es ist bei weitem nicht fix, dass das alles auch durchhält. Es ist noch nie gemacht worden. Aber wir sind vorsichtig optimistisch. Die ersten Tests in der Bucht sind ganz gut verlaufen."

Außerdem soll Roboat auf seinem Trip Schweinswale belauschen, und zwar mit einem am Kiel befestigten Unterwasser-Mikrofon. Damit wollen die Ingenieure zeigen, dass so ein Segelroboter nicht nur eine originelle Spielerei ist, sondern später durchaus für etwas taugen könnte.

"Überall dort, wo ich über lange Zeit größere Gebiete abdecken möchte und dort irgendetwas beobachten, messen oder aufspüren möchte – ob das jetzt Überwachung von Schmugglerrouten, Piraterie ist, bis hin zu Rettungseinsetzen, oder Tsunami-Frühwarnung, oder Wasserqualitätsmessungen, Ölpest-Früherkennung, Fischereizonen-Überwachungen. Da sind sehr viele Anwendungen denkbar. Richtig Sinn macht es dann, wenn man nicht nur ein Boot hat, sondern eine ganze Flotte ausbringt, die sich dann automatisch verteilt."

Doch bevor man solche Drohnen der Weltmeere bauen kann, müssen die Segelroboter noch deutlich zuverlässiger werden. Und sie müssen, um unerwartete Hindernisse zu erkennen, elektronische Augen erhalten. Der Weltrekord, wenn er gelingt, könnte einen kleinen, aber wichtigen Schritt in diese Richtung markieren.

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