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StartseiteSternzeitGullivers Marsmonde08.06.2016

Laputa und die Geschichte von Deimos und PhobosGullivers Marsmonde

Der irische Schriftsteller und Satiriker Jonathan Swift kannte sich offenbar gut aus am Himmel. Dem Mars, der jetzt jede Nacht am Südhimmel rötlich leuchtet, hat er zwei Monde angedichtet – und lag damit genau richtig.

Von Dirk Lorenzen

Der rote, unförmige Marsmond "Phobos" (NASA)
Fast wie bei Swift: Der Marsmond "Phobos" (NASA)

In seinem berühmten Werk "Gullivers Reisen" beschreibt Jonathan Swift die fliegende Insel Laputa, deren Bewohner sich sehr für Mathematik und Astronomie interessieren. Die Forscher dort haben bereits 93 Kometen entdeckt und deren Bahnperioden präzise bestimmt.

Das Buch ist 1726 erschienen – mehr als dreißig Jahre, bevor der Halleysche Komet erstmals wie vorhergesagt wieder am Himmel erschien. Offenbar hatte Jonathan Swift großes Vertrauen in die Prognose von Edmund Halley.

Die Astronomen auf Laputa kennen zwei Marsmonde, die in geringem Abstand um ihren Planeten ziehen. Für einen Umlauf brauchen sie zehn beziehungsweise gut einundzwanzig Stunden, also weniger als einen Marstag.

Jonathan Swift hat beim Mars und seinen Monden eine ganz gute Ahnung gehabt  (NASA/ESA)Jonathan Swift hat beim Mars und seinen Monden eine ganz gute Ahnung gehabt (NASA/ESA)

Erst anderthalb Jahrhunderte später hat der US-Astronom Asaph Hall tatsächlich zwei winzige Marsmonde entdeckt. Phobos und Deimos brauchen siebeneinhalb und dreißig Stunden für eine Runde um den Planeten – die Parallelen zu den Laputa-Monden sind erstaunlich.

Jonathan Swift hätten diese Volltreffer sicher erfreut. Dabei waren seine Phantasien scheinbar wohl begründet. Damals war bei der Erde ein Mond bekannt, bei Jupiter dagegen wusste man von vier Begleitern,

Da lag es nahe, Mars – dem Planeten dazwischen – zwei Monde anzudichten, die zudem sehr nah am Planeten sein mussten. Jonathan Swift hat falsch gedacht, lag aber trotzdem richtig.

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