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StartseiteForschung aktuellLaser zur Schmerzdiagnose24.06.2009

Laser zur Schmerzdiagnose

Expertentreffen in Mannheim

Nervenschmerzen plagen knapp fünf Millionen Menschen in Deutschland. Etwa jedem Fünften von ihnen könnte der Laser als diagnostisches Werkzeug zur optimalen Therapie verhelfen, hieß es auf den "Mannheim Laser Talks" am Universitätsklinikum Mannheim.

Von Carl-Josef Kutzbach

Beschädigte Nerven können Grund für Nervenschmerzen sein. (dradio.de/Andreas Lemke)
Beschädigte Nerven können Grund für Nervenschmerzen sein. (dradio.de/Andreas Lemke)
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Mannheim Laser Talks

Laser als Werkzeug zur Diagnose von Schmerz werden am Lehrstuhl für Neurophysiologie des Mannheimer Zentrums für Biomedizin und Medizintechnik der Universität Heidelberg schon seit einigen Jahren erforscht und eingesetzt. Deshalb treffen sich dort immer wieder europäische Schmerzforscher, um Neuigkeiten, Chancen und Grenzen dieses Verfahrens zu diskutieren.

Dabei bekommt ein Patient, dessen Schmerzleitungen beschädigt zu sein scheinen, ein Haarnetz voller Messfühler auf den Kopf gesetzt. Dann werden mit dem Laser Stellen seiner Haut kurz gereizt. Das tut nicht besonders weh, etwa so, wie wenn ein Fetttröpfchen aus der Bratpfanne auf die Hand spritzt. Die Haut wird also nicht dauerhaft geschädigt. Der Arzt Dr. Ulf Baumgärtner erklärt:

"Dabei geht es darum, dass ein kurzer Laserpuls einen leichten Schmerzreiz auslöst. Und das Signal, dass dieser Schmerzreiz in den Rezeptoren, also den Sensoren in der Haut erzeugt, kann man dann mit einer normalen EEG-Ableitung, also Hirnstromableitung, von der Kopfoberfläche messen.

Das heißt also: Jeder Laserpuls auf der Haut, gibt am Gehirn, sage ich mal, einen kleinen Ausschlag und den kann man messen. Und wenn also eine Störung dieser Bahn vorhanden ist, ist das Signal zum Beispiel gar nicht da, zu klein, oder es kommt zu spät an."

Es wird also geprüft, ob die Leitung zwischen diesem Stückchen Haut und dem Gehirn, wo der Schmerz wahrgenommen wird, funktioniert, oder gestört ist. Und zwar nur die Leitung für Schmerz. Andere Leitungsnetze, mit denen sich die Neurophysiologie auch befasst, etwa das für den Tastsinn, sollen die Messung nicht verfälschen:

"Und das ist das Besondere, dass diese Laserreize spezifisch den Schmerzsinn testen. Das ist also tatsächlich das einzige, objektive Kriterium um ein Defizit in der Schmerzverarbeitung nachweisen zu können."

Man kann mit diesem Verfahren zwar nur feststellen, ob die Leitung funktioniert, oder beschädigt, gar durchtrennt ist. Aber man weiß, dass es Verbindungen von der Körperoberfläche zu tiefer innen liegenden Bereichen gibt, ähnlich, wie bei Akupunktur oder Fußzonenreflexmassage. Deshalb kann etwa bei einem Herzinfarkt auch Schmerz am Arm auftreten.

Da man mittlerweile weiß, wo die Schmerznervenbahnen durch den Köper und das Rückenmark verlaufen, kann man eingrenzen, wo die Beschädigung liegen muss. So kann man zum Beispiel auch messen, wie sehr im Verlauf einer Krankheit die feinen Nerven, die den Schmerz erfassen, beschädigt werden oder verkümmern. Ulf Baumgärtner:

"Besonders gut eignet sich das Verfahren, um zum Beispiel eine diabetische Polyneuropathie festzustellen, wo also aufgrund der Zuckerkrankheit die Nervenfasern geschädigt werden. Und man braucht dann nicht zum Beispiel eine Nervenbiopsie zu machen, oder eine Hautbiopsie und dann die Nervenfasern zu zählen. Dazu sind die laserevozierten Potenziale sehr gut geeignet, um ein Defizit dieser Fasern aufzuzeigen. Das heißt also, wenn diese Fasern weg sind, gibt es kein Signal mehr."

Der Schmerz und seine Verarbeitung sind allerdings noch längst nicht abschließend erforscht. Neue Untersuchungen aus Norddeutschland deuten an, dass es mit dem diagnostischen Werkzeug Laser sogar möglich scheint, vorherzusagen, bei welchen Patienten mit einem Bandscheibenvorfall eine Operation hilfreich ist, und bei welchen nicht. Bestätigt sich das, könnte die Schmerzforschung helfen, unnötige Operationen zu ersparen.

Obwohl das Verfahren seit zwei Jahren in den medizinischen Leitlinien als Standarddiagnose empfohlen wird, gibt es in ganz Europa erst 15 Einrichtungen, die es anbieten. In Deutschland hängt das mit der Abrechnung zusammen. Die deckt die Kosten der etwa einstündigen Untersuchung nicht. Also werden damit bisher nur wenige der eine Million Schmerzpatienten, bei denen sie zu einer besseren Therapie führen könnte, untersucht.

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