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StartseiteCampus & KarriereLast-Minute in die Ausbildung20.08.2012

Last-Minute in die Ausbildung

Speed-Dating für Azubis soll Lehrstellen vermitteln

In Thüringen suchen noch etwa 3200 Jugendliche eine Lehrstelle. Demgegenüber stehen 5200 freie Plätze. Ein Speed-Dating soll helfen, Jugendliche und Firmen zusammenzuführen.

Von Blanka Weber

Ein Auszubildender zum Heizungsbauer schweißt an einem Werkstück (AP)
Ein Auszubildender zum Heizungsbauer schweißt an einem Werkstück (AP)

Jeannette hat gut lachen. Die hübsche junge Frau kam mit ihrer Mutter zum Speed-Dating - organisiert von der Agentur für Arbeit. Sie strahlt. Es hat geklappt. Am nächsten Tag kann sie probearbeiten in einem Schuh-Fachgeschäft. Die erste Hürde ist also genommen und nicht nur ihre Mutter jubelt.

Benjamin Knupp, 17 Jahre alt, kommt ebenfalls den Flur entlang gelaufen. Ihn begleitet sein Vater:

"Ich hab's gestern von einer Kollegin aus der Zeitung erfahren, hab gesagt, 'los komm', da fahren wir gleich hierher und gucken, ob wir etwas finden. Ich denke, da wird schon etwas dabei sein'."

Die Azubi-Börse ist ein großer Raum mit etwa zehn Tischen. Dahinter sitzen Männer und Frauen aus verschiedenen Branchen – vom Ofensetzer bis zum Arbeitersamariterbund – der dringend Altenpflegekräfte sucht.

Mittendrin Mario Leifer, der eine Liste mit fünf Namen vor sich liegen hat. Die Bilanz nach drei Stunden Azubi-Börse, geladen waren 100 Jugendliche:

"Wir haben gesagt, wir machen Nägel mit Köpfen. Wir haben gesagt, wenn jemand dabei ist, wo wir sagen: ja, derjenigen würden wir eine Chance geben, dann laden wir die gleich ein."

Zwei Kandidatinnen sind es am Ende des Tages. Wenn es klappt, hat sich der Aufwand für Mario Leifer gelohnt. Dennoch, er blickt kritisch auf die Situation seiner Bewerber und das, was sie mitbringen:

"Also vor vier bis fünf Jahren habe ich keine Bewerbung bekommen, wo unentschuldigte Fehltage auf dem Zeugnis standen, was heute öfters vorkommt, wo ich mit den Augen drehe. Einfach auch die Noten, mit denen sich beworben wird, waren früher andere, als das, was man heute mitkriegt."

Benjamin Knupp hat seine Runde im Raum gedreht. Vor Wochen wusste er noch nicht, was er machen wollte. Jetzt also Gastronomie – es sieht gut aus, lacht er:

"Vier Stellen, vier neue Stellen noch mal gefunden in der Gastronomie, direkt im Ort, in der Umgebung, hoffen wir, dass es funktioniert."

Weniger glücklich sehen die beiden Mitarbeiter eines Unternehmens für Kunststofftechnik aus. Zwei bis drei Azubis suchen sie. Immerhin – ihre Firma gehört zu Marktführern und stellt Tuben-Kappen und Verschlüsse für Kosmetik und Lebensmittel her. Die Kundschaft wird weltweit beliefert. Die künftigen Mitarbeiter müssen top sein, sagt Volker Spittel, der Betriebsleiter. Schulnoten, Auftreten, Pünktlichkeit – all' das lasse oft zu wünschen übrig. Hinzu käme, dass viele eben nicht wissen, was es heißt – für ein Unternehmen zu arbeiten, sich damit auch zu identifizieren:

"Das ist nicht nur acht Stunden an die Arbeit gehen, in die Firma, sondern, dass man sich damit identifiziert, man muss Leistung für das Unternehmen bringen, dass es das Unternehmen auch noch in ein, zwei, drei Jahren gibt. Das ist ganz, ganz wichtig."

Viele wollen nicht den Lehrling um jeden Preis. Wer mit der Colaflasche in der Hosentasche käme, habe schon verloren, sagt Volker Spittel – auch sein Unternehmen hat spezielle Erfahrung gemacht mit Bewerbern:

"Kommen zum Teil zu spät oder kommen gar nicht, das ganze Auftreten und wie gesagt Schulnoten in den naturwissenschaftlichen Fächern lassen zum Teil stark zu wünschen übrig."

Er will sich nächstes Jahr verstärkt in den Schulen umsehen, denn der Beruf des Verfahrensmechanikers sei fast unbekannt. Dabei braucht gerade sein Unternehmen Menschen, die mitdenken, den globalen Markt verstehen und sich engagieren.

Eine Mitarbeiterin des Arbeiter-Samariterbundes hat ihren Platz nach vier Stunden geräumt, skeptisch blickt sie auf zwei Namen, die sie notiert hat. Vermutlich komme nur eine Person in Frage, denn der Beruf Altenpfleger sei Berufung – sagt die die Frau und bedauert, dass diese Branche noch immer für viele unattraktiv sei:

"Der hatte mehr Glück, der Schuhverkäufer nebenan, ja, ich denke, dass die Einzelhandelsleute mehr Interessenten hatten."

5200 Stellen gilt es allein in Thüringen jetzt noch zu besetzen – Aktionstage und Speed-Dating laufen auf Hochtouren.

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