Campus & Karriere / Archiv /

 

Laufen statt fahren

Walking Bus ersetzt das Auto

Von Stephanie Kowalewski

Schlülerinnen und Schüler auf ihrem Schulweg in Frankfurt am Main
Schlülerinnen und Schüler auf ihrem Schulweg in Frankfurt am Main (AP)

Sogenannte Taxi-Eltern kutschieren ihre Kleinen gerne auch mal zur Schule, selbst wenn die in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen wäre. Das führt vor den betreffenden Schulen zu oft chaotischen Verhältnisse. Der Walking-Bus, eine Idee aus Großbritannien, will eine Alternative sein.

Heute Morgen, halb acht an der Bebericher Straße in Viersen am Niederrhein. Ashley, Yvonne und Noah warten auf den Bus, der sie gleich zur Zweitor-Grundschule mitnehmen wird.

"Das ist gar kein richtiger Bus. Wir gehen nur zu Fuß. Ein Kinderbus, wo die Kinder alle mitgehen. Auch Erwachsene. Zwei Erwachsene, die vorne und hinten sind und auf die Kinder aufpassen. Und das nennt man Walking Bus."

Zu Fuß bringt der Walking Bus die Grundschüler sicher ans Ziel. Es gibt einen festen Fahrplan, verschiedene Busrouten und Haltestellen, wie diese hier.

"Der Bus kommt!"

Auf dem Bürgersteig biegen neun Kinder und zwei Mütter um die Ecke. Die begleitenden Eltern sind so etwas wie die Busfahrer, die Kinder sind die Passagiere.

"Halt. Stehen bleiben. Einsteigen."

Die Mitläufer reihen sich ein, begrüßen die anderen, und beginnen sofort miteinander zu reden und zu albern. Zusammen geht’s weiter zur nächsten Haltestelle.

"Los geht’s. Auf dem Weg zur Schule mit dem Walking Bus. Schön zusammen bleiben bitte. Wunderbar macht ihr das."

Alle haben Leuchtwesten an, damit sie die Autofahrer besser sehen. Aber so eine Gruppe von Kindern würde selbst ohne Leuchtwesten mehr auffallen, als einzelne Kinder. Auch dass ein Vorteil des Walking Bus, sagt Melanie Pastors, die den Bus seit zwei Jahren begleitet.

"Ich finde das eine tolle Sache, weil bei dieser befahrenen Straße, es ist sehr gefährlich für die Kinder. Normalerweise machen wir es auch so, dass einer vorne einer hinten geht. Aber die sind jetzt schon so weit, dass sie das schaffen, dass wir sie nur im Auge haben müssen."

Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn sich auch genügend Eltern finden, die die Buse Tag für Tag begleiten. In Viersen sorgen neun Eltern dafür, dass diese eine Buslinie täglich läuft, sagt Melanie Pastors.

"Wir sind immer zu zweit - Angelina geh mal bitte nicht zu dritt in der Reihe – da gibt’s einen Plan für ein halbes Jahr, den stellen wir auf. Und das klappt super. Und es macht Spaß auch, mit den Kindern."

Spaß macht es auch den zwölf Kindern, die heute an Bord des Busses sind. Sie finden es gut:

"Dass wir gehen und reden.

Laufen, das ist besser als fahren. Weil dafür kriegt man gesunde Beine und wenn an in den Autos fährt, wird man ein bisschen faul."

Und die lernen bei der etwas anderen Busfahrt fast nebenbei die notwendige Sicherheit und Selbständigkeit im Straßenverkehr. Die Idee ist übrigens aus England zu uns rübergeschwappt. Zum Glück, meint Dietmar Berner, der bei der Polizei im Kreis Viersen für die Verkehrsunfallprävention zusändig ist. Er ist überzeugt, dass der Walking Bus ein Erfolgsrezept für sichere Schulwege ist und appelliert an Eltern, das Auto stehen zu lassen.

"Mit jeder Fahrt im Auto nehme ich dem Kind die Möglichkeit, im Straßenverkehr als Fußgänger etwas zu lernen. Und das sollten Eltern beherzigen. Ich verstehe natürlich auch die Ängste der Eltern. Aber ich kanns nur im Straßenverkehr lernen. Anders geht es nicht. Aus dem Auto raus funktioniert es nicht."

Anders als in Mamas Taxi verschafft der Walking Bus den Kindern außerdem schon am Morgen eine ordentliche Portion frische Luft und etwas Bewegung. Und beides wirkt sich spürbar positiv auf den Unterricht aus, sagt Andrea Thees, Leiterin der Zweitorschule in Viersen.

"Kinder, die mit den Walking Bus kommen, haben morgens die wichtigsten Dinge ausgetauscht, auf dem Schulweg und eben nicht mehr morgens in der ersten Stunde in der Klasse, die Kinder sind fit und selbstverständlich bringt das fürs Lernen der Kinder eine ganze Menge. Das zeigt sich hier auch, das merken wir. Die Kinder sind anders in den ersten Stunden, als Kinder die wirklich vor der Schule - ich sag schon mal ganz gerne – ausgekippt werden und in den Klassenraum reinfallen."

Sie wünscht sich noch viel mehr solcher Walking-Bus-Linien, denn auch vor der Zweitor-Schule herrscht fast jeden Morgen Gedränge auf der Straße. Immer noch bringen etwa die Hälfte der Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis vor das Schultor. Und weil es für so viele Autos keine Parkplätze gibt, halten manche mal eben auf der Straße und lassen ihre Kinder dort aussteigen. Die Argumente sind eigentlich immer die gleichen:

"Weil es schon ein bisschen spät war.

Weil wir wohnen ein bisschen weiter weg.

Weil wir waren zu spät dran (lacht) Sonst kommen wir immer zu Fuß.

Mit dem Auto, weil ich Berliner Höhe wohne. Und das ist ein bisschen weit."

Dabei gibt es genau dort auch ein Haltestelle des Walking Bus, der jetzt, nach knapp 20 Minuten die Grundschule erreicht hat.

"Alle aussteigen und ab in die Schule. Viel Spaß. Tschö."

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Campus & Karriere

Freiwilliges Digitales JahrAuf der Suche nach Pilotprojekten

Eine Hand auf einer Computertastatur

Das Freiwillige Soziale Jahr soll es künftig in einer Digital-Variante geben. Junge Menschen sollen dabei ihre technischen Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) Manuela Schwesig sucht dafür noch Pilotprojekte - zum Beispiel in medienpädagogischen Einrichtungen.

Wirtschaftswissenschaften Jungökonomen fordern mehr Ethik im Studium

Studenten in einem Hörsaal - fotografiert aus der Vogelperspektive

In ganz Europa haben Studierende der Wirtschaftswissenschaften ein Manifest zur Reform der Ökonomenausbildung unterzeichnet. Ihre Kritik: Bisher seien die ökonomischen Studiengänge überwiegend von der neoliberalen Modelltheorie geprägt.

TM-WiSoKostenpflichtiger Studierfähigkeitstest nach dem Bachelor