• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 08:50 Uhr Presseschau
StartseiteKultur heuteLeben im Auto29.11.2012

Leben im Auto

Darragh Byrnes Spielfilm "Parked - gestrandet"

Dass dieser international mehr als einmal ausgezeichnete Film seinen Weg in die deutschen Kinos gefunden hat, lässt hoffen, dass die deutsche Verleihlandschaft sich doch noch nicht völlig im Dschungel der Kino-Blockbuster verirrt hat. Die Liebe überwindet alle Grenzen in der Geschichte über die Rückkehr eines Verlierers in ein normales Leben.

Von Josef Schnelle

Szene aus "Parked - gestrandet" (picture alliance / dpa / Dualfilm-Verleih)
Szene aus "Parked - gestrandet" (picture alliance / dpa / Dualfilm-Verleih)

"Ich komme wegen meinem Antrag."

"Sie sind der aus dem Auto."

"Ja, sehr richtig erkannt."

"Ich glaube, das ist bearbeitet. Einen Moment. Der Antrag wurde abgelehnt. Sie können Einspruch einlegen."

"Aber die ganze Zeit in England hab ich weiter Beiträge bezahlt."

"Das mag ja alles sein. Aber ohne festen Wohnsitz keine Sozialhilfe."

Fred Daly lebt in seinem Auto, das er ganz nah am Meer geparkt hat - dort wo sich nur Liebespaare hin verirren in der irischen Kälte mit dem Blick auf die Hauptstadt Dublin am anderen Ende der Bucht. Er hat kein Heim und keine Perspektive. Aus dem so festgeknüpften sozialen Netz in Irland ist der Rückkehrer aus einem großbritannischen Lebensabenteuer heraus gefallen. Weil er keinen festen Wohnsitz hat, kriegt er keine Sozialunterstützung, und weil er die nicht hat, kriegt er keine Wohnung. Fred hat die Hoffnung längst aufgegeben, aus diesem Teufelskreis noch einmal herauszukommen - bis ausgerechnet der drogenabhängige Junkie Cathal auf den Parkplatz gerät und ihm vom Nachbarauto aus neue Perspektiven eröffnet.

Vor seinen Dealern, denen er 600 Euro schuldet, muss Cathal sich allerdings in acht neben. Sie beschmieren sein und auch Freds Auto mit Schimpfparolen und drohen, dass sie beim nächsten Mal die Obdachlosenidylle ganz zerstören könnten. Damit gehen sie Nachbar Fred entschieden zu weit. Die Geschichte einer unerwarteten, ungewöhnlichen Männerfreundschaft treibt auf einen dramatischen Höhepunkt zu. Dabei war sie anfangs durchaus schwierig. Fred wollte auf seinem Wohnparkplatz mit Selbstmitleid eigentlich lieber alleine bleiben.

"Du lebst hier oder? He, Mann! Ich hab ja auch nur noch mein Auto. Besser als gar nichts."

" Ich bin Fred."

"Schön Dich kennenzulernen, Fred."

Zwar ist der Junkie Cathal nicht in der Lage, in seinem eigenen Leben aufzuräumen, doch er erkennt, was Fred tun muss, um voranzukommen.

Vor allem, als Fred Jules kennen gelernt hat, eine gleichaltrige einsame Musiklehrerin, die bei dem Mann ohne Hoffnung unerwartete Schmetterlinge im Bauch auslöst. Raumschiff-Enterprise-Star Colm Meaney, der auch in mehreren Stephen-Frears-Filmen mitgespielt hat, hat sich dieses erfrischende Projekt eines Newcomers als Auszeit zwischen den großen Filmen gegönnt und glänzt als pochendes Herz der Geschichte.

Wer würde es wagen, diesem Mann keine Wohnung zu geben und vor allem kein neues Glück zu wünschen. Der Blick aus dem Auto des Außenseiters wider willen ist schön und romantisch. Seine Lebensaussichten sind es keineswegs. Doch um den nächsten Schritt im Leben zu gehen und aus dem Elend heraus zu kommen, braucht es vor allem neuen Mut und sicheres Selbstvertrauen. Soeben hat Fred Jules kennengelernt im Schwimmbad, wo die Übungsleiterin beim Wassertreten ihre Seniorinnen noch ermahnt hat, bloß nicht auf die Männer im Schwimmbecken zu achten, die ihre schöne Trainingsroutine doch nur durcheinanderbringen. Cathal merkt gleich, was los ist, und bugsiert seinen neuen Freund schnell wieder ins Becken so nah wie möglich an die so deutlich erkennbare neue Romanze heran.

"Willst Du sie nicht fragen, ob sie mit dir ausgeht."

"Tolle Idee: Ich bin Fred. Ich wohne im Auto, möchten Sie zum Essen kommen?"

"Nschuldigung."

Der Regisseur, Kinoneuling Darragh Byrne, verbindet seine Kumpel- und Liebesgeschichte mit einem kritischen Seitenblick auf die sozialen Verhältnisse, die besser als in jedem statistischen Armutsbericht in dieser Story nachvollziehbar sind. Eine Komödie ist es trotzdem. Ganz von Ferne grüßt Billy Wilder und dass dieser international mehr als einmal ausgezeichnete Film seinen Weg in die deutschen Kinos gefunden hat, lässt hoffen, dass die deutsche Verleihlandschaft sich doch noch nicht völlig im Dschungel der Kino-Blockbuster verirrt hat. Die Liebe überwindet schließlich alle Grenzen zwischen Arm und Reich, Jung und Alt, schön und hässlich, traurig und ernst mit heiterer Leichtigkeit in diesem Film über die Rückkehr eines Verlierers in ein normales Leben. Im europäischen Kino vermag nur der Finne Aki Kaurismäki diesen Spagat zwischen Traum und Wirklichkeit in seinen Filmen sonst noch so locker zu bewältigen. Es gibt keine Chance. Aber wir nutzen sie.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk