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StartseiteCampus & KarriereWissenschaftliche Karriere soll attraktiver werden23.09.2016

Leben nach der PromotionWissenschaftliche Karriere soll attraktiver werden

Eine Promotion eröffnet nicht selten das Tor zu einer akademischen Laufbahn - im Idealfall endet diese mit einer Professur. Laut einer Befragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung entscheiden sich allerdings immer weniger junge Akademiker für diesen Weg. Viele bevorzugen die attraktiven Angebote aus der Wirtschaft.

Von Bastian Brandau

Ein Wissenschaftler arbeitet in einem Labor. (picture alliance/dpa/Jens Büttner)
Ein Großteil der Promovierten kann nicht an der Uni bleiben. Viele streben deswegen Karrieren in der Wirtschaft an. (picture alliance/dpa/Jens Büttner)

Enrico Schleiff hat sich für die akademische Karriere entschieden. Professor der Biologie ist er, dazu Vizepräsident der Universität Frankfurt am Main. Als stellvertretender Vorsitzender des Netzwerks UniWind kümmert er sich um die Orientierung des wissenschaftlichen Nachwuchs. Und der müsse nicht zwangsläufig Karriere in der Wissenschaft machen, sagt Schleiff:

"Wir versuchen, um die besten Köpfe zu ringen, wir versuchen auch Beratung im Rahmen der Promovierendenweiterbildung anzubieten, um zu sehen, was sind Potenziale, was sind Möglichkeiten. Als Uniwind verstehen wir uns eher als eine Organisation, die die verschiedenen Karrierepfade aufzeigen möchte. Denn jeder soll für sich selbst entscheiden, was ist für ihn der richtige Pfad, weil wir als Universitäten auch eine Verantwortung haben, hochqualifizierte Leute in die verschiedensten Positionen zu bringen."

Viele Promovierte können nicht an der Uni bleiben

Universitäten wollen also auch für den Markt ausbilden. Denn ein Großteil der Promovierten kann nun einmal nicht an der Uni bleiben. Hier bedürfe es auch eines kulturellen Wandels bei der Annahme von Beratung, sagt Enrico Schleiff.

"Wir haben ja stellenweise Schranken im Kopf. Und die Schranke im Kopf ist, wenn ich dahingehe, dann sage ich ja automatisch ich bin nicht geeignet für eine Universitätskarriere, die ja immer noch in unserem System als das Heilige ausgesprochen wird. Wenn ich jetzt aber sage: Ich gehe dahin, um mich wirklich offen beraten zu lassen und das ist für mich eine einmalige Chance, auch mal mit jemandem als Spiegel mit mir zu arbeiten, dann werden wir das schrittweise aufbauen."

Nach neuesten Erkenntnissen strebt weniger als die Hälfte des wissenschaftlichen Nachwuchses eine Karriere in der Wissenschaft an, sagt Matthias Winde vom Stifterband für die Deutsche Wissenschaft. Er hat in einer Studie die Wünsche und Vorstellungen deutscher Nachwuchswissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht, vor und nach der Promotion.

Unsichere Verhältnisse in der Wissenschaft

Das Ergebnis: Rund 55 Prozent von ihnen möchten die Wissenschaft verlassen. Und nur 22 Prozent streben eine Professur an. Winde über die Gründe:

Unsichere Verhältnisse sind für die Nachwuchswissenschaftler ein großes Thema. Wir wissen, dass die Hochschulen daran arbeiten, mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse einzurichten, aber das ist in der Breite noch nicht angekommen. Und deswegen sind die sicheren Beschäftigungsverhältnisse in der Wirtschaft attraktiv für Nachwuchswissenschaftler, und auch sicher die höheren Gehälter.

Wer eine Professur als Ziel hat, weiß oft erst mit Anfang 40, ob er oder sie dieses Ziel erreicht. Dazwischen stehen Jahresverträge und häufige Ortswechsel. Und das in einer Lebensphase, in der oft auch eine Familiengründung ansteht. Um das Beschäftigungsverhältnis zu stabilisieren, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit den Ländern deshalb sogenannte Tenure-Track-Professuren. Wer eine solche Stelle antritt, dem oder der wird bei Erreichen bestimmter Leistungen eine Professur garantiert.

1000 Professuren sollen so ab 2017 entstehen. Aber was ist mit denen, die zwar an der Uni arbeiten wollen, nicht aber mit einer Professur? Je nach Umfragemethode zwischen 10 und 25 Prozent der Stellen an der Universität seien unbefristet, sagt Matthias Winde, der für seine Studie auch Universitäten befragt hat. Aber:

"Was glaube ich ganz schön ist, dass die Mehrzahl der Hochschulleitungen gesagt haben, sie streben an, mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse in Forschung, Lehre und auch im Wissenschaftsmanagment zu schaffen. Und dass sie ein Verhältnis von 40 zu 60 unbefristete zu befristete Verhältnissen eigentlich ein Idealzustand sind."

In dem, so die Hoffnung, die wissenschaftliche Karriere unterhalb der Professur dann vielleicht wieder attraktiver wird.

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