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StartseiteHintergrundLeben retten durch einheitliche Gesetze21.04.2008

Leben retten durch einheitliche Gesetze

Organspenden in Europa

Plötzlich fehlt ein Teil. Vielleicht ist das Herz nicht mehr in Ordnung, oder die Nieren funktionieren nicht mehr. Nicht nur alten Menschen, jedem kann das passieren. Aus einem gesunden Leben wird dann schlagartig ein Leben auf der Warteliste. Auf der Warteliste für eine Organspende. Christian Gohy hatte sich mit 25 bei einer harmlosen Bluttransfusion eine Hepatitis eingefangen, mit 50 war die Leber kaputt.

Von Alois Berger

In manchen Ländern dauert es ein bis zwei Jahre, in manchen drei, in manchen sieben Jahre, bis das rettende Organ gefunden ist. (Stock.XCHNG / N. S. Junior)
In manchen Ländern dauert es ein bis zwei Jahre, in manchen drei, in manchen sieben Jahre, bis das rettende Organ gefunden ist. (Stock.XCHNG / N. S. Junior)

"Das Leben vor der Transplantation war unerträglich geworden. Ich konnte nicht mehr, ich habe nur noch geschlafen, ich war praktisch die meiste Zeit ohne Bewusstsein. Ich habe zu meiner Frau gesagt, wenn das so ist, dann lass mich sterben. Nach der Lebertransplantation blieb das Leben eineinhalb Jahre lang schwierig, weil die Nieren darunter gelitten hatten. Aber nach der Nierentransplantation war ich plötzlich wieder gesund. Drei Monate nach der Operation habe ich meine Arbeit als Schuldirektor wieder aufgenommen, eine Arbeit, die viel Kraft erfordert."

Christian Gohy lebt seit acht Jahren wieder ein normales Leben. In seiner Freizeit kümmert er sich inzwischen um Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Wann es soweit ist, weiß man nie, erzählt er, es kommt schließlich darauf an, wann irgendwo ein Spender mit den passenden Organen stirbt.

40.000 Menschen warten derzeit in Europa allein auf eine Niere. Ähnlich lang sind die Listen für Herz-, Leber- oder Rückenmarkstransplantationen. In manchen Ländern dauert es ein bis zwei Jahre, in manchen drei, in manchen sieben Jahre, bis das rettende Organ gefunden ist. Etwa jeder vierte Patient stirbt, bevor es soweit ist.

Die Unterschiede sind von Land zu Land so groß, dass die Europäische Union nun nach einer einheitlichen Strategie sucht, um die Überlebenschancen der Betroffenen in der gesamten EU zu verbessern. Heute berät das Europaparlament, wie die Sicherheit und die Qualität von Transplantationen verbessert werden kann und was gegen illegalen Organhandel getan werden soll. Vor allem aber, wie die Zahl der Organspenden erhöht werden kann.

In Spanien hat ein Herzpatient derzeit dreimal so große Chancen wie in Deutschland, dass rechtzeitig ein Spenderherz gefunden wird. In Zypern dagegen gibt es überhaupt keine Herztransplantationen. Dafür umso mehr Nierenverpflanzungen, wie der Arzt und Europaabgeordnete Adamos Adamou bestätigt.

"Wir haben in Zypern den höchsten Anteil an Nierenspenden in Europa. Das hat mit den engen Familientraditionen zu tun. Die Mutter spendet für ihre Kinder und die Kinder für ihre Geschwister und sonstigen Verwandten. Deshalb sind wir die ersten bei den Lebendspenden. Aber wir sind die letzten bei Organen, die erst nach dem Tod weitergegeben werden können. Das ist ein Problem des öffentlichen Bewusstseins. Deshalb müssen wir die Leute überzeugen, Organspender zu werden."

Der zyprische Europa-Abgeordnete Adamou hat den Bericht über Organspenden ausgearbeitet. Einen Bericht über den Stand der Dinge in den Mitgliedsstaaten und darüber, was die Europäische Union tun sollte, damit mehr Menschen geholfen werden kann.

Vorbild ist vor allem Spanien, aber auch Österreich und Belgien. In Spanien kommen 32 Organspender auf eine Million Einwohner, in Belgien immerhin noch fast 30. In Deutschland sind es nicht einmal halb so viele.

Was machen diese Länder anders. Frank van Geldern ist Transplantationsbeauftragter an der Universitätsklinik im belgischen Löwen. Die entscheidenden Fehler werden in den Krankenhäusern gemacht, sagt er, und zwar auf den Intensivstationen.

"Das größte Problem ist, dass mögliche Organspender nicht rechtzeitig erkannt werden. Das heißt, dass das medizinische Personal im Moment des Gehirntodes nicht erfasst, dass es sich hier um einen potentiellen Spender handelt. Das bestätigen alle Studien weltweit und das ist auch in Belgien trotz aller Erfolge noch immer so. Potentielle Organspender werden nicht erkannt. Da ist es unerheblich, was die Familie sagt und was der Patient selbst verfügt hat."

Anders als vielfach angenommen, ist der ideale Organspender nicht der junge Mensch, der mit dem Spenderausweis in der Brusttasche bei einem Unfall stirbt. Das Alter spielt kaum eine Rolle, meint Frank van Geldern. Auch ein
80-Jähriger, der vernünftig gelebt hat, kann gesunde Organe haben. Das werde selbst von Ärzten oft falsch eingeschätzt. Wichtig sei vor allem, dass die Organe auch nach dem Tod am Leben gehalten werden. Bei einem Verkehrstoten sei das kaum möglich.

"Die potentiellen Spender liegen immer auf der Intensivstation. Potentielle Spender müssen schon vor dem Tod mit modernsten Apparaten der Intensivmedizin beobachtet und betreut werden. Das heißt, sie sind an ein Beatmungsgerät und an Herz-Lungen-Monitore angeschlossen. Als Spender kommen deshalb vor allem Patienten mit schweren Hirnschäden in Frage."

Frank von Geldern ist einer von vier Transplantationsbeauftragten an der Universitätsklinik in Löwen. Als der belgische Gesundheitsminister vor drei Jahren das Thema Organspende in den Mittelpunkt seines Arbeitsprogrammes stellte, da dachten alle erst mal an die üblichen Öffentlichkeitskampagnen, um die Menschen auf die Notwendigkeit der Organspenden hinzuweisen. Aber dann haben sich die belgischen Experten in anderen Ländern, vor allem in Spanien, umgeschaut und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass solche Kampagnen zwar nützlich, aber bei weitem nicht alles sind.

"Studien zeigen, dass etwa acht bis zehn Prozent der Patienten, die auf Intensivstationen sterben, als Organspender in Frage kommen. Das bedeutet, dass etwa 30 bis 40 Spender pro Million Einwohner jährlich möglich sind. Bisher werden aber weltweit höchstens 24 bis 27 Spender pro Million erreicht."

Van Geldern und seine Kollegen haben sich dann die Intensivstationen genauer angesehen. Das Ergebnis: Das medizinische Personal ist meist überlastet. Wenn jemand stirbt, dann gilt die ganze Aufmerksamkeit dem nächsten Intensivpatienten. Die meisten Stationsärzte kommen gar nicht erst auf die Idee, den Toten länger als nötig an den Maschinen zu halten, um Organe zu gewinnen.

Bis zu sieben Stunden muss ein möglicher Organspender nach dem Tod weiter versorgt werden, sagt Van Geldern, bis die Transplantation vorbereitet ist.

"Man muss vor allem das Bewusstsein auf den Intensivstationen schärfen. Jede Station braucht einen Verantwortlichen, dessen Aufgabe es ist, die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Er muss die Idee durchsetzen, dass Organspenden eine absolute Notwendigkeit sind. Organspenden sind keine Zusatzaufgabe für die Intensivstationen, sondern eine der zentralen Aufgaben. Das ist ein völlig anderes Verständnis."

Doch es reicht nicht, nur das Bewusstsein in den Intensivstationen zu schärfen. Wer die Organspendezahlen erhöhen will, muss auch die Mittel und das Personal dafür bereitstellen. Die belgische Regierung entschädigt die Krankenhäuser für die Zeit, die sie ihre Intensivstationen mit toten Organspendern blockieren. Und sie finanziert die nötigen Zusatzstellen, um den überlasteten Ärzten Arbeit abzunehmen.

Der Transplantationsbeauftragte Van Geldern und seine drei Kollegen sind in Löwen nicht nur dafür da, potentielle Organspender rechtzeitig zu erkennen und die nötigen Schritte einzuleiten. Sie übernehmen auch die Betreuung der Familien.

Anders als in Deutschland gilt in Belgien grundsätzlich jeder als möglicher Organspender, solange er nicht ausdrücklich widerspricht. Doch in der Praxis wird auch in Belgien kein Organ entnommen, ohne dass die Angehörigen zustimmen.

Nur etwa 15 Prozent der belgischen Familien lehnen die Organspende ihrer Angehörigen letztlich ab, erzählt Van Geldern. In den benachbarten Niederlanden sind es 70 Prozent. Ein Grund dafür sei neben einigen anderen Faktoren auch die rechtliche Lage. Wenn Organspenden vom Gesetzgeber als Normalfall angesehen werden, dann tendierten auch Familien eher zur Zustimmung.

Anders in Deutschland: Hier verlangt das Gesetz ausdrücklich die Zustimmung für jede einzelne Organspende. Dementsprechend zurückhaltend reagierten auch die Familien.

Doch die unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen in den Ländern der Europäischen Union lassen sich nicht so einfach vereinheitlichen. Sie basieren auf unterschiedlichen Traditionen und Wertevorstellungen. Der christdemokratische Europaabgeordnete Peter Liese will deshalb eine europäische Regelung, die sich auf gemeinsame Standards für Qualität und Sicherheit der Organe beschränkt.

"Über die eigentliche Organspende gibt es keine europäische Zuständigkeit. Also beispielsweise, ob man wie in Deutschland eine Zustimmungsregelung hat, dass also nur nach Zustimmung der Angehörigen, oder wenn derjenige einen Spenderausweis hat, Organe entnommen werden dürfen, oder Widerspruchsregelung, dass es ausreicht, wenn jemand zu Lebzeiten nicht widersprochen hat. Darüber wollen wir nicht befinden und ich glaube, das ist gut so, dass wir das den Mitgliedsländern überlassen."

Die Parlamentarier wollen vor allem eine engere Zusammenarbeit der Mitgliedsländer bei Transplantationen erreichen. Schon heute gibt es Organisationen wie Eurotransplant, die den grenzüberschreitenden Austausch von Organen erleichtern. Das ist wichtig, weil immer nur einige Stunden zur Verfügung stehen, für jede Organspende den passenden Empfänger ausfindig zu machen und das Organ dort hinzubringen. Diese Zusammenarbeit soll ausgeweitet und verbessert werden.

Eine europäische Regelung könne dazu beitragen, so der Arzt und Abgeordnete Peter Liese, dass die Mitgliedsländer stärker als bisher voneinander lernen. So gilt die Einsetzung von Transplantationsbeauftragten im Europaparlament inzwischen als eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Zahl der Organspender zu erhöhen.

Denn dass mehr Organspender gebraucht werden, ist unumstritten. Bis zu sieben Organe werden von jedem Spender genommen. Sieben Organe, die in der Regel sieben Menschen helfen, in ein normales Leben.

Der medizinische Fortschritt hat Transplantationen in den letzten Jahren zu einer Routineoperation gemacht. Die Risiken sind gesunken, die Nachfrage nach Organen ständig gestiegen, weit stärker als die Zahl der Organspender. Die Wartelisten werden immer länger.

Der Mangel an Spenderorganen lässt auch dunkle Geschäfte blühen, meint der Arzt und Abgeordnete Adamou:

"Leider gibt es immer wieder EU-Bürger, die in Entwicklungsländer fahren, um dort Organe zu kaufen. Wir wissen von Indien, dass sich dort arme, hoffnungslose Menschen Nieren abkaufen lassen, um ihre Familien zu ernähren. In der Regel bekommen sie von den skrupellosen Händlern zudem nur einen Bruchteil des Geldes, das EU-Bürger dort zahlen, um sich die Nieren transplantieren zu lassen. Dieser Handel ist für uns inakzeptabel und deshalb fordern wir die EU-Kommission auf, dagegen vorzugehen."

Der Kampf gegen den menschenverachtenden Organhandel ist Teil des Maßnahmenpakets, mit dem das Europaparlament einen rechtlichen und moralischen Rahmen für das wachsende Geschäft mit Transplantationen setzen will.

Doch das Thema Organhandel ist heikel, nicht nur die EU-Kommission, auch die meisten Mitgliedsstaaten wollen lieber nicht so genau hinsehen. Denn es gibt längst nicht nur Hinweise auf einzelne EU-Bürger, die ihre gesundheitlichen Probleme auf Kosten verzweifelter Menschen in Entwicklungsländern lösen wollen. Ein Bericht des Europarates in Straßburg kommt zu alarmierenderen Ergebnissen. Konkrete Hinweise auf regelmäßigen illegalen Organhandel gibt es danach aus Estland, Bulgarien, Rumänien und Tschechien. Also aus Ländern der Europäischen Union. Unter den Nachbarstaaten sind vor allem Mazedonien, Bosnien und Moldawien aufgefallen.

In den meisten Fällen geht es dabei um Nierenspenden. Denn anders als Herz oder Leber werden Nieren auch von lebenden Spendern genommen. Im Normalfall sind das vor allem Verwandte, die eine ihrer beiden Nieren zur Verfügung stellen, um einen Familienangehörigen zu retten.

Doch die große Nachfrage hat einen Schwarzmarkt geschaffen, in dem kriminelle Banden dunkle Geschäfte machen. Der Bericht des Europarates zitiert eine Reihe junger Männer aus Moldavien, allesamt zwischen 18 und 28 Jahre alt, die für rund 2000 Euro eine Niere abgegeben haben. Die Männer kamen fast alle aus überaus ärmlichen Verhältnissen auf dem Land. Sie wurden von Schleppern angeworben, von gut ausgebildeten Ärzten untersucht und vorbereitet und dann zur Transplantation in die Türkei gebracht.

Nach diesem Bericht werden die meisten dieser Organtransplantationen in türkischen Krankenhäusern vorgenommen. Die Türkei gilt als die Drehscheibe des Organhandels. Die Krankenhäuser sind in der Regel gut ausgestattet und gut vernetzt. Westliche Patienten zahlen dort bis zu 150.000 Euro für eine Niere. Die jungen Spender bekommen davon gerade mal ein bis zwei Prozent. Den Großteil dagegen stecken die so genannten Vermittler ein.

Der Christdemokratische Europaabgeordnete Peter Liese hat zwar Verständnis für die Patienten, fordert aber trotzdem eine entschlossenere Strafverfolgung:

"Natürlich ist die Not der Menschen, die auf ein Organ warten, zu respektieren. Aber auch eine medizinische Notlage rechtfertigt natürlich nicht einen Gesetzesbruch. Und diejenigen, die sich normal in der Organspende den Regeln unterwerfen, also Menschen, die auf der Warteliste stehen, die würden das nicht verstehen, wenn wir Menschen, die das alles missachten, wenn wir die ungeschoren davonkommen lassen."

Das Problem berührt nicht nur ethische Fragen, etwa, wieweit man ärmere Menschen gegen Geld als Ersatzteillager benutzen darf. Ein beträchtlicher Teil der jungen Nierenspender bekommt später selbst Probleme mit der verbliebenen Niere, heißt es in dem Bericht des Europarates. Denn weder die Vermittler noch die Krankenhäuser kümmerten sich in der Regel um die Nachsorge der kommerziellen Spender.

Berichte über illegalen Handel mit Organen von Verstorbenen sind äußerst selten und selten zuverlässig. Die frühere Chefanklägerin am Haager Kriegsverbrechertribunal Carla del Ponte schreibt in ihrem jüngsten Buch, die kosovarische Befreiungsarmee habe serbische Kriegsgefangene ermordet und ihre Organe via Tirana an Krankenhäuser ins Ausland verkauft. Doch es fehlen Beweise für diese Behauptungen. Umso heftiger sind die Dementis aus allen Richtungen.

Das Gelände ist unübersichtlich, wie fast alles, was mit dem Organhandel in Europa zu tun hat. Es gibt Hinweise, Einzelfälle, viele Gerüchte. Was fehlt, ist eine systematische Untersuchung. Europaabgeordnete wie der Grüne Adamos Adamou und der Christdemokrat Peter Liese fordern die Europäische Kommission auf, endlich eine solche Untersuchung in Auftrag zu geben - und zwar diesmal eine richtige.

Zuständig wäre die Europäische Polizeidienststelle Europol. Die Bekämpfung von Organhandel gehört laut Satzung zu ihren vordringlichen Aufgaben. Vor einiger Zeit hat die EU-Kommission deshalb Europol schon einmal gebeten, einen Bericht zum Organhandel vorzulegen. Doch das Ganze war offensichtlich nicht wirklich ernst gemeint, glaubt der Abgeordnete Peter Liese:

"Europol kriegt den Auftrag, eine Studie zum Organhandel zu machen, so ist es gewesen. Die Europäische Kommission hat Europol beauftragt. Europol hat dann eine Abfrage gemacht bei den Mitgliedsländern. Und die haben zurückgeschrieben, bei uns gibt es das nicht. Also das ist schon merkwürdig, dass Europol außer einer Abfrage bei den Mitgliedsstaaten nichts gemacht hat. Und die Mitgliedsstaaten geben das einfach nicht zu. Denen ist das natürlich auch peinlich und die sind zögerlich, das weiterzuleiten an europäische Institutionen."

Doch ohne verlässliche Informationen über das Ausmaß des Organhandels ist es schwer, dagegen vorzugehen. Das Europaparlament will deshalb morgen beschließen, dass alle Fakten auf den Tisch müssen. Außerdem wollen die Abgeordneten vorschreiben, dass künftig alle Spenderorgane rückverfolgbar sein müssen. Das sei auch wichtig für die Gesundheit der Empfänger, meint der Abgeordnete und Arzt Peter Liese:

"Das heißt, innerhalb der Transplantationsmedizin müssen wir wissen, woher kommt das Organ, wer hat es gespendet, natürlich anonymisiert. Aber, dass man weiß, aus welchem Land und unter welchen Umständen es transplantiert wurde. Das ist wichtig für den Patienten: wenn mal etwas ist, dass man das nach verfolgen kann, vielleicht hat das was mit dem Spender zu tun. Und es ist auch wichtig, um den Organhandel zu bekämpfen."

Rückverfolgbarkeit, das heißt nicht, dass der Organempfänger künftig Namen und Daten des Spenders erfahren soll. Die Anonymität des Spenders soll gewahrt bleiben, daran will niemand im Europaparlament rütteln. Aber die Krankenhäuser sollen Buch führen müssen, wo die Organe herkommen, wer sie geliefert hat und unter welchen Umständen.

Für die Europarlamentarier ist die Rückverfolgbarkeit vor allem eine Frage der Sicherheit und Zuverlässigkeit. Für die Empfänger von Organen aber ist es oft auch psychologisch wichtig, sagt Christian Gohy, dass für die Organe in ihren Körpern niemand unter Druck gesetzt wurde.

"Ich habe mir immer gesagt, dass ich die Organe von jemandem bekommen habe, der sie nach seinem Tod als Geschenk gegeben hat. Das war sein ausdrücklicher Wille. Ich habe ihm nichts von seinem Leben genommen, nicht eine Minute. Ganz anders wäre es, wenn ich die Niere gekauft hätte. Damit hätte ich enorme Probleme. Ich könnte nicht mit dem Wissen leben, dass ich eine Niere habe, die ich jemandem abgekauft habe. Das wäre unmöglich für mich."

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