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StartseiteVerbrauchertippEigendiagnose kann zu Mangelernährung führen14.03.2018

LebensmittelintoleranzenEigendiagnose kann zu Mangelernährung führen

Nur wenige Menschen haben tatsächlich eine Lebensmittelintoleranz. Trotzdem verzichten viele Menschen auf Gluten und andere vermeintlich gefährliche Stoffe wie Laktose - was im schlimmsten Fall zu Mangelernährung führt. Wer einen Verdacht auf eine Unverträglichkeit hat, sollte zum Arzt gehen.

Von Christiane Enkeler

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Glutenfreie Produkte in einem REWE-Supermarkt in Berlin Mitte.  (imago / Thomas Köhler)
Viele Produkte werden mittlerweile mit der Eigenschaft "glutenfrei" beworben (imago / Thomas Köhler)
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"Die Bandbreite ist groß, wenn jemand sagt: Ich vertrage dieses oder jenes Essen nicht", sagt Brigitte Mettenbörger, Allgemeinärztin in Köln mit Spezialisierung auf Ernährungsmedizin.

Es gibt einerseits Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel, andererseits Unverträglichkeiten, gegenüber Kohlehydraten, Lactose und Fructose, und außerdem "die echte Zöliakie oder Sprue, die man sehr ernst nehmen muss, weil die auch zu Folgeerkrankungen führen kann. Es ist eine Entzündung des Darmes aufgrund von Antikörperbildungen des Körpers gegen das Klebereiweiß."

Zöliakie ist keine Allergie

Klebereiweiß ist ein anderes Wort für Gluten. Zu den Folgeerkrankungen gehört vor allem Krebs. Konsequent auf Gluten zu verzichten, ist daher für Menschen wie Christoph wichtig.

"Ich lege darauf Wert, dass ich eine klassisch diagnostizierte Zöliakie habe. Das ist eine Autoimmunerkrankung und ist keine Allergie, es gibt inzwischen auch das Krankheitsbild einer Glutenunverträglichkeit oder Glutensensitivität sagt man manchmal auch, das ist aber etwas anderes als eine Zöliakie. Eine Zöliakie ist vor allen Dingen dadurch gekennzeichnet, dass die Darmzotten kaputt sind." 

Gemerkt hat das Christoph an monatlich, zweimonatlich wiederkehrenden, ein bis zwei Tage anhaltenden, Kraft raubenden Durchfällen.

Nicht jeder Anfall von Blähungen deutet auf Intoleranz hin

Die Symptome einer Lactoseintoleranz sind ähnlich: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle, Verstopfungen, auch schon mal Kopfschmerzen. Das sind sehr allgemeine Symptome, sagt auch die Ärztin Brigitte Mettenbörger.

"Ganz häufig ist das einfach ein mistiges Essen. Die Leute schlingen, sie essen zu viel, sie essen zu fett, unter Stress - und das kann alles auf den Bauch schlagen. Und da muss ich vielleicht einfach nur gucken, dass ich mich vernünftig ernähre, mir Zeit nehme zum Essen, gut kaue - Verdauung beginnt im Mund -, und eine gute Zusammensetzung der Ernährung habe."

Nicht jeder Anfall von Blähungen ist also gleich ein Hinweis auf eine körperliche Ursache. Vielleicht genügen ein bisschen Ruhe und Konzentration. Das schont auch den Geldbeutel.

Zahlreiche Alternativen für glutenhaltige Lebensmittel

Entscheidend für die Zöliakie-Diagnose ist eine Darmbiopsie, die auch Christoph über sich hat ergehen lassen. Die Diagnose hat er nicht so schwer genommen.

"Brot, Pasta usw. kriegt man jetzt ja alles eben dann mit glutenfreien Zutaten, ganz viel auf Maisbasis, aber Buchweizen geht auch, Hirse geht auch, Amaranth geht... Ach, man ist dann eigentlich auch erstaunt, was man alles zu Mehl verarbeiten kann: Kastanienmehl, der Mercedes unter den Mehlen, Teff-Mehl, also da gibt's ne ganze Menge, was man alternativ nehmen kann." 

Bei Verdacht zum Hausarzt gehen

Dabei muss er darauf achten, dass er genug Ballaststoffe zu sich nimmt. Generell empfiehlt Brigitte Mettenbörger, die Allgemeinärztin, beim Verdacht erst mal zum Hausarzt zu gehen, um nicht in eine Mangelernährung zu kommen.

Vielleicht hat man schon gemerkt, dass Beschwerden immer nach dem Genuss von bestimmten Nahrungsmitteln auftreten. Das gibt Hinweise. Für einen Test auf Lactose- oder Fructoseintoleranz kommt man dann nüchtern in die Praxis und darf am Vorabend nicht rauchen. Der Patient wird mit einer bestimmten Menge Lactose oder Fructose belastet.

Drei Stunden lang wird beobachtet, ob er Symptome entwickelt und ob die Wasserstoffkonzentration in seiner Atemluft steigt. Für einen Test in Bezug auf Gluten kann man auch Untersuchungskits kaufen. Davon rät Ärztin Brigitte Mettenbörger aber eindeutig ab.

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