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StartseiteUmwelt und VerbraucherHaltbarkeitsdatum für bestimmte Produkte auf dem Prüfstand19.05.2014

LebensmittelverschwendungHaltbarkeitsdatum für bestimmte Produkte auf dem Prüfstand

Auf EU-Ebene will man langfristig die Lebensmittelverschwendung halbieren. Eine Abschaffung des Haltbarkeitsdatums für Reis und Nudeln, wie von der EU derzeit überlegt wird, werde daran aber wenig ändern, meint Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale NRW. Weggeworfen werde vor allem Frischware wie Brot, Obst und Gemüse.

Bernhard Burdick im Gespräch mit Georg Ehring

ebensmittel, Obst, Einkauf. (dpa / pa / Uli Deck)
Verbraucher schmeißen vor allem Obst, Brot und Gemüse weg. (dpa / pa / Uli Deck)
Weiterführende Information

Krumme Gurken im Supermarkt (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 12.11.2013)

Lebensmittelgenuss auch nach dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums (Deutschlandfunk, DLF-Magazin, 04.04.2013)

Georg Ehring: Fast alle Lebensmittel tragen ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Nur bei wenigen Produkten wie Wein, Schnaps oder Salz, oder auch bei manchen Frischwaren fehlt es. Doch diese Liste könnte demnächst etwas länger werden; die Landwirtschaftsminister der Europäischen Union reden heute über eine Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums für Produkte wie Nudeln oder Reis. Diese Waren seien meist sehr viel länger haltbar als angegeben, und der Aufdruck einer Mindesthaltbarkeit führe dazu, dass Waren weggeworfen werden, obwohl sie noch gut seien.

Bernhard Burdick kümmert sich bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen um Lebensmittel. Guten Tag, Herr Burdick!

Bernhard Burdick: Guten Tag, Herr Ehring.

Ehring: Herr Burdick, wie lange halten denn Reis und Nudeln, wenn ich sie bei mir im Lebensmittelschrank aufbewahre?

Burdick: Durchaus Jahre. Man erinnert sich bei dem Thema an irgendwelche antiken Funde von Reis oder Getreide oder so was, was noch keimfähig war. Das hält sich durchaus sehr lange. Man muss aber genau darauf schauen. Wenn man jetzt zum Beispiel Vollkornprodukte nimmt, nicht geschälten Reis, dann sind da natürlich auch noch Fett- und Eiweißbestandteile drin. Die Fettbestandteile können durchaus natürlich dann auch ranzig werden. Grundsätzlich ist das nicht ganz so einfach, wie die EU sich das an der Stelle wohl gedacht hat.

Ehring: Die italienischen Hartweizen-Nudeln halten ewig, die Eiernudeln nicht?

Grenzenlose Abschaffung des Haltbarkeitsdatum fragwürdig

Burdick: Genau das. Wir haben jetzt keine konkrete Zahl. Ich will mich da jetzt nicht festlegen, wie lang Eiernudeln haltbar sind. Aber wenn wie gesagt Bestandteile von Fett mit im Produkt verarbeitet sind, bei Vollkornprodukten oder auch bei den Eiernudeln, dann würde ich bei der grenzenlosen Haltbarkeit auf jeden Fall ein Fragezeichen machen.

Ehring: Das heißt, Sie sehen die Idee zur Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums eher kritisch, zumindest für einige Produkte?

Burdick: Für einige Produkte. Spontan, als ich davon jetzt am Wochenende gelesen habe, fand ich die Idee sympathisch. Die Politik hat ja auch auf EU-Ebene und nationaler Ebene beschlossen, der Lebensmittelverschwendung den Garaus zu machen oder sie deutlich zu reduzieren. Ich glaube, da gibt es Ziele, bis 2025 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren auf EU-Ebene, bis 2020 sogar auf deutscher Ebene. Nur gemacht hat die Politik bisher herzlich wenig. Das heißt, jetzt kommt da mal was. Das fand ich grundsätzlich gut.

Nur ob das der richtige Ansatz ist, daran würde ich ein Fragezeichen machen. Zum einen tauchen in dieser Liste Produkte auf, wo es noch viel fragwürdiger ist als bei Vollkornprodukten. Da sind Fischkonserven, Salami ist da genannt, Feinkostsalate. Wie man bei Feinkostsalaten auf das MHD verzichten kann, da würde ich ein ganz großes Fragezeichen machen.

Ein anderer wesentlicher Punkt ist der: Am meisten weggeschmissen werden Produkte ohne MHD, Obst, Gemüse, Brot, Backwaren, Speisereste, zubereitete Speisen. Das heißt, ob überhaupt das MHD ein ganz zentraler Punkt ist, hier politisch aktiv zu werden, weiß ich nicht.

Ehring: Aber Produkte, die ganz viele Jahre alt sind, die würde ja auch niemand mehr gerne kaufen wollen. Müsste man vielleicht das Produktionsdatum als Alternative nehmen?

Burdick: Produktionsdatum für frische Produkte wünschenswert

Burdick: Ja, haben wir spontan auch gedacht. Nur können Verbraucher aus dem Stand beurteilen, wenn da jetzt auf den Nudeln ein Produktionsdatum von vor drei, fünf, sieben Jahren steht, ob die Nudeln noch gut sind, oder ob sie die noch mit Genuss verzehren können, ob da nicht das eine mit dem anderen ausgetauscht wird, ob da nicht das MHD genauso gut oder schlecht wie ein Produktionsdatum ist.

Wir würden uns ein Produktionsdatum vor allem wünschen mit Blick auf frische Produkte. Es gibt nämlich einen Trend, so ähnlich wie bei der ESL-Milch vor ein paar Jahren, Frische durch Verpackung hinauszuzögern, Produkte länger frisch zu halten. Nur möchte ich die Nudeln, die eingeschweißt sind, im Supermarkt nicht nach vier Wochen als frische Nudeln zu mir nehmen. Da würde ich gerne wissen, wann die tatsächlich produziert wurden zum Beispiel.

Ehring: Herzlichen Dank! – Das war Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zum Thema Mindesthaltbarkeit bei Lebensmitteln.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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