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StartseiteVerbrauchertippDas ausgezahlte Geld klug nutzen06.06.2018

LebensversicherungDas ausgezahlte Geld klug nutzen

Wenn die Lebensversicherung ausgezahlt wird, stehen viele Menschen vor der Frage, was sie mit der großen Geldsumme anstellen sollen. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, sich den Betrag in eine lebenslange Rente umwandeln zu lassen. Oder ihn in Aktien-Indexfonds zu investieren. Was lohnt sich mehr?

Von Brigitte Scholtes

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Der Schriftzug "Lebensversicherung" ist am 04.12.2014 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) unter einer Lupe auf Unterlagen für Versicherungen zum Teil zu lesen.  (dpa / picture alliance / Jens Büttner/)
Viele Menschen gehen erst mal reisen, wenn die Lebensversicherung ausgezahlt wird (dpa / picture alliance / Jens Büttner/)
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Plötzlich ist der Tag da, und ein fünfstelliger, manchmal sogar sechsstelliger Betrag wird aus der Lebensversicherung fällig. Über eine mögliche Besteuerung brauchen sich diejenigen, deren Lebensversicherung jetzt ausgezahlt wird, in der Regel keine Gedanken zu machen. Denn die Lebensversicherungsverträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind steuerfrei.

Die meisten Versicherten können also über die gesamte Summe verfügen. Wie man die verwenden kann, das ist jedoch individuell unterschiedlich. Wer ohnehin schon eine auskömmliche Rente hat, der möchte das Geld vielleicht nutzen, um zu reisen. Das ist eine Möglichkeit, meint Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg:

"Bei anderen Verbrauchern ist es so, dass sie das Geld vielleicht längerfristig überhaupt nicht brauchen. Und dann kann man das auch am Aktienmarkt, etwa in Indexfonds, breit gestreut, noch anlegen. Auch denkbar: Wiederum andere, die wollen damit vielleicht die Restschulden von ihrem Häuschen abzahlen. Der Nächste braucht ein Zubrot, was lebenslang gezahlt werden muss, und der wird das dann vielleicht tatsächlich auch in Form einer lebenslangen Rente auch umwandeln."

Rentenmodelle überprüfen

Doch gerade bei solchen Rentenmodellen sollte man prüfen, welche Art der Lebensversicherung man damals abgeschlossen hat, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip:

"Wenn ich einen Vertrag habe, einen Rentenversicherungsvertrag, bei dem eine ordentliche Rentengarantie drin steht, und vielleicht auch die Verzinsung sogar weitergeht mit 3,25 oder gar 4 %, dann ist das erst mal ein gutes Angebot."

Der Abschluss eines neuen Rentenauszahlplans ist dagegen nicht unbedingt zu empfehlen, weil darin die aktuell niedrigen Zinsen fortgeschrieben werden. Es sei denn, man benötigt das monatliche Zubrot. Einen solchen Auszahlplan kann man sich jedoch auch selbst zusammenstellen. Zuvor sollte man jedoch überlegen, welche Lebenserwartung man noch hat – je nach aktuellem Gesundheitszustand und genetischer Veranlagung. Wie man sein Geld dann einteilen kann, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg:

"Vielleicht will man einen Teilbetrag jederzeit flüssig haben, wenn die dritten Zähne kommen, und das ist sehr teuer zuweilen auch, oder wenn man irgendwo sonstige Kosten hat oder auf Reisen damit bezahlen will, dass man sagt, ich nehme einen Teil, den habe ich jederzeit flüssig auf dem Tagesgeldkonto, kassiere dafür praktisch keine Zinsen. Und ich nehme vielleicht einen zweiten Teil, den lege ich jetzt mal drei Jahre fest an und habe dann noch ein bisschen Zinsen, und einen weiteren Teil, den lege ich vielleicht fünf, sechs Jahre fest an. Das kann man ja machen, wenn es genug Geld ist, das man so stückeln kann."

Investition in Aktien-Indexfonds kann sich lohnen

Aber auch festverzinslichte Anlagen bringen aktuell kaum Rendite. Deshalb kann es sich lohnen, die gesamte Summe oder einen Teil davon in Aktien-Indexfonds zu investieren mit Chance auf mehr Rendite und dann jährlich einen bestimmten Teil zu entnehmen, erklärt Finanztip-Chefredakteur Tenhagen:

"Ich nehme jedes Jahr für die nächsten, sagen wir mal, wenn man 65 ist, 35 Jahre, ein Fünfunddreißigstel raus. Und weil an den Aktienmärkten das rauf und runter geht, kann ich im nächsten Jahr ein Vierunddreißigstel von dem, was noch übrig ist rausnehmen. Und im dritten Jahr ein Dreiunddreißigstel von dem was noch übrig ist, und dann das immer so weiter fortsetzen, und dann ist irgendwann zu meinem 100. Geburtstag das Geld alle."

Mit einer solchen Vorgehensweise sind dann auch die Schwankungen am Aktienmarkt einkalkuliert. Das ist sinnvoller, als immer die gleiche Summe abzuheben, da in schlechten Börsenjahren das Fondsguthaben stärker schmilzt.

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