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StartseiteVerbrauchertippNachträglicher Widerspruch kann sich lohnen09.08.2017

LebensversicherungenNachträglicher Widerspruch kann sich lohnen

Immer wieder ärgern sich Versicherte über schlechte Policen ihrer Renten- oder Lebensversicherung. Diese zu kündigen, war meist ein schlechtes Geschäft. In bestimmten Fällen aber ist die Rückabwicklung möglich – und kann selbst nachträglich noch einiges Geld bringen.

Von Brigitte Scholtes

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Der Versicherungsschein einer Lebensversicherung.  (imago / Rainer Unkel)
Ob sich ein Widerspruch lohnt kann die Verbraucherzentrale prüfen. (imago / Rainer Unkel)
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Widerspruch kann bares Geld bringen: Das gilt für Lebens- und Rentenversicherungen, die in einem bestimmten Zeitraum, nämlich zwischen dem 29. Juli 1994 und Ende Dezember 2007 abgeschlossen wurden. In dieser Zeit nämlich haben die Versicherungsgesellschaften ihre Kunden häufig falsch belehrt oder ihnen die vollständigen Vertragsunterlagen erst zusammen mit dem Versicherungsschein ausgehändigt. In solchen Fällen gilt ein "ewiges Widerspruchsrecht", hat der Bundesgerichtshof im Jahr 2014 geurteilt. Für wen das sinnvoll sein könnte, erklärt Ariane Lauenburg, Redakteurin von "Finanztest":

"Alle Kunden, die niedrige Rückkaufswerte haben oder sich auch sonst über ihre Police geärgert haben, weil sie mehr eingezahlt haben als sie rausbekommen, können diese Verträge noch heute widerrufen, auch wenn sie schon längst ausgezahlt wurden."

Es kann um Zehntausende Euro gehen 

Ein Widerspruch kann sich lohnen, weiß Frank Mingers, Mitgründer und Geschäftsführer von Hasso 24, eines Rechtsdienstleisters, der sich auf solche Fälle spezialisiert hat:

"Es geht ums Geld und für den Verbraucher um einige tausend Euro, wenn nicht sogar Zehntausende Euro. Der größte Mehrwert, den wir identifiziert haben, beträgt 800.000 Euro."

So viel Geld dürfte wahrscheinlich nur selten drin sein. Aber ist der Widerspruch erfolgreich, sind die Auszahlungen höher als der reine Rückkaufwert, erklärt Ariane Lauenburg von "Finanztest":

"Das liegt daran, dass die Versicherer dann verpflichtet sind, alle Beiträge, die man eingezahlt hat, und zwar ohne die Abschluss- und Verwaltungskosten, die ja sonst immer abgezogen werden, zurückzahlen müssen plus die Zinsen, die sie darauf erwirtschaftet haben. Abziehen dürfen sie nur den genossenen Versicherungsschutz etwa für ein Todesfallrisiko."

Doch weil es für die Versicherungen um viel Geld geht, stellen sie sich zunächst häufig stur, sagt Frank Mingers von Hasso 24:

"Der Versicherer wird sich in der Regel wehren. Wer da mit einem Standardschreiben kommt, kann auch eine Standardablehnung erwarten. Das passiert oft in der Praxis. Da gilt es, die richtigen Kniffe und Tricks anzuwenden, um schnell zu seinem Geld zu kommen."

Einen Rechtsanwalt einzuschalten kann sich also lohnen, gut, wenn man da rechtsschutzversichert ist. Mit erfahrenen Anwälten arbeiten auch Rechtsdienstleister zusammen. Die sollten jedoch nicht auf einem Vorabhonorar bestehen oder mehr als 20 Prozent des späteren Gewinns verlangen, rät "Finanztest".

Widerspruch nicht für alle Versichtern sinnvoll

Der Widerspruch ist jedoch nicht für alle Versicherten zu empfehlen, sagt Verbraucherschützerin Lauenburg:

"Kunden, die zum Beispiel. eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit in ihrem Vertrag haben, sollten sich das sehr gut überlegen, ob sie das tun, weil sie vielleicht nicht wieder einen so günstigen Schutz kriegen, und auch Kunden, die noch einen hohen Garantiezins in ihrer Police haben, sollten zunächst nachrechnen lassen, ob sich das denn überhaupt für sie lohnt."

Das können sie über seriöse Rechtsdienstleister tun. Man kann sich aber auch an die Verbraucherzentrale Hamburg wenden, die gegen jeweils die Gebühr von 85 Euro prüft, ob man grundsätzlich Widerspruch einlegen kann und dann noch ein versicherungsmathematisches Gutachten erstellt. Weigert sich die Versicherung zu zahlen, steht auch der Weg zum Ombudsmann der Versicherungen offen. Der ist kostenlos. Lenkt die Versicherung auch dann noch nicht ein, ist der Gang vors Gericht wohl nicht mehr zu vermeiden. Und dabei sind Rechtsanwälte sicher hilfreich. Die Erfolgsquote der Verfahren bisher ist jedenfalls recht hoch.

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