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StartseiteSprechstundeRegelmäßig auf Veränderungen untersuchen03.02.2015

LeberfleckenRegelmäßig auf Veränderungen untersuchen

Radiolexikon Gesundheit

Sie gehören zur Gruppe der Pigmentstörungen der Haut, wie Sommersprossen oder Altersflecken: die Leberflecken. Sie sollten regelmäßig von einem Hausarzt untersucht werden, um Veränderungen frühzeitig festzustellen.

Von Ulrike Burgwinkel

Eine Frau fotografiert mit der App "Goderma" ein Muttermal. (dpa / Daniel Naupold)
Eine Frau fotografiert mit der App "Goderma" ein Muttermal. (dpa / Daniel Naupold)
Weiterführende Information

Radiolexikon Gesundheit: Muttermale und Pigmentflecken
(Deutschlandfunk, Sprechstunde, 04.09.2007)

Es gibt für fast jede Krankheit bereits eine ganze Palette von Medikamenten. Dennoch werden immer wieder neue Arzneien eingeführt, deren Zusatznutzen mitunter fraglich ist. Eine aktuelle Studie des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zeigt, dass viele tatsächlich überflüssig sind.
"Man war sich lange Zeit im Unklaren darüber, woher diese merkwürdigen Flecken kommen." Der Medizinhistoriker Hans-Georg Hofer

"Eine medizinische Auffassung war die, dass man in Analogie zur Leber dachte, dass diese Flecken dann auftreten würden, wenn die Leber ihre Arbeit nicht ordentlich machen würde, dass also die Entgiftung nicht ordentlich funktionieren würde. "

Diese Vorstellung war weit verbreitet, bis in die Neuzeit hinein. Im Volksmund wurden diese Leberflecken Muttermale genannt, weil sie oft unerklärlich sowohl bei der Mutter als auch bei deren Kindern auftraten.

"Man ging davon aus, dass während der Schwangerschaft zu starke Vorstellungen der Schwangeren einen Effekt, eine körperlichen, weitergebenden Effekt auf das Kind haben könnten, wenn beispielsweise die Schwangere eine zu starke Lust auf Birnen oder Äpfel entwickelt hatte und ein solches Muttermal in dieser Form dann auch auftrat bei dem Kind, so versuchte man auf diesem Weg der Analogie, auf dem Weg dieser letztlich magischen Vorstellung, sich das zu erklären."

"Medizinisch handelt es sich dabei aber um eine Vermehrung von pigmentbildenden Zellen, Melanozyten", sagt Professor Cord Sunderkötter, Dermatologe am Universitätsklinikum Münster. "Beginnen tut das Ganze oft mit einer verstärkten Aktivität dieser Melanozyten, das heißt, sie geben vermehrt Pigment ab, aber gleichzeitig fangen sie auch schon an, sich selbst zu vermehren an umschriebener Stelle."

Dieser Prozess wird zumeist angestoßen durch zu starke und zu häufige Bestrahlung der Haut mit UV-Licht, vor allem in der frühen Kindheit. Auch die veränderte Hormonlage in Pubertät oder Schwangerschaft können Auslöser sein. Zudem, so Sunderkötter, gebe es eine genetische Veranlagung zur Bildung von Leberflecken. Die "Geburt" eines solchen beginnt mit einzelnen Veränderungen im Erbgut der pigmentbildenen Zelle, des Melanozyten, der aktiv wird und sich teilt.

"Das passiert erst oben an der Oberhaut und ist eine harmlose Läsion, die Linsengröße gewinnt und deswegen heißt der lateinische Fachausdruck für diese Form der Pigmentzellnaevi auch lentigines, also linsenähnlich und mit der Zeit können, müssen sie aber nicht, sich weiter vermehren, die pigmentbildenden Zellen, so dass das Pigmentmal größer wird, auch tastbarer wird und sie können dann in die Tiefe der Haut wandern, wo sie die Fähigkeit verlieren, Pigment zu bilden, das heißt, es ist dann keine bräunliche Papel mehr, kein bräunliches Knötchen, bsondern ein hautfarbenes Knötchen."

Der normale Mitteleuropäer hat um die 20 Pigmentmale am Körper. Kaum jemand bleibt ganz ohne Leberflecken sein Leben lang.

"Leberflecken kommen extrem häufig vor bei meinen Kunden", sagt Roos Bartling, die in der Nähe von Aachen seit 30 Jahren eine Hautpflegepraxis führt und eng mit Hautärzten zusammenarbeitet.

"Wenn jemand zu mir kommt, mache ich immer ein Hautberatungsgespräch, und innerhalb dieser Anamnese wird zum Beispiel eine Hautkartierung gemacht, das heißt jeder einzelne Leberfleck, den man im Gesicht, Hals , Dekollete hat, wird durch mich auf einer Karte festgelegt und wenn die Leute einverstanden sind, mache ich da eine Digitalaufnahme von."

Das hält sie bei, weil die Kunden häufiger zu ihr als zu einem Hautarzt gehen.

Regelmäßig auf Veränderungen untersuchen

"Damit ich das beobachten kann, ob es in irgendeiner Weise eine Veränderung gibt und wenn ich der Meinung bin, dass es irgendwie eine Veränderung gibt, dann verweise ich immer zum Hautarzt, um eine cancerogene Entartung auszuschließen. Ich erkläre verschiedene Sachen, worauf man achten muss: ob die Größe sich ändert, ob der Rand sich ändert ob es dicker wird, also jegliche Veränderung soll man zum Hautarzt gehen und da abchecken lassen, ob das ok ist und sich nicht bösartig verändert."

"Was uns bei den Pigmentmalen sorgt, das ist nicht das Mal selber, das ist harmlos, das mag auch manchmal kosmetisch stören, aber das sind eben die Umstände, wo Pigmentzellen entarten. Dann bilden sie den gefürchteten schwarzen Hautkrebs, das Melanom, eines der gefährlichsten Tumoren der Menschen überhaupt."

Cord Sunderkötter plädiert für ein Hautscreening bei Menschen mit über 50 Pigmentmalen am Körper. Er betont, wie wichtig es ist, möglichst früh ein Melanom zu erkennen; denn die Melanozyten bildeten sehr schnell Tochtergeschwülste.

"Denn dann habe ich eine gute Chance, durch seine vollständige Exzision, also Herausschneiden, weiteren Schaden zu verhindern. Wenn es sehr früh erkannt ist, dass es entdeckt wird, also in der obersten Hautschicht, dann ist der Patient erst einmal geheilt, trägt aber gleichwohl immer noch ein erhöhtes Risiko, irgendwo am Körper ein zweites Melanom zu bilden, das heißt, diese Patienten müssen ganz besonders nachbeobachtet werden."

Nur durch das Herausschneiden und die anschließende histologische Untersuchung lässt sich feststellen, ob das Pigmentmal harmlos oder bösartig ist. Das Weglasern stellt keine Alternative dar, es sei denn, bei klinisch eindeutig Fällen aus kosmetischen Gründen. Auch Hautpflegerin Roos Bartling sieht das Lasern nicht als probates Mittel an: die Narben seien zwar farblich anders, aber ebenso sichtbar wie vorher die Leberflecken. Sie hilft den Leberfleck- Hassern auf andere Weise.

"In dem Fall könnte man es natürlich einfach mit Camouflage-Creme abdecken, das würde ich immer befürworten, wenn es überhaupt ein Problem ist. Aber aus meiner Sicht kommt es in erster Linie auf die Attraktivität eines Menschen an, wie soll ich sagen, das kommt von innen, es hat nichts mit seinem Leberfleck zu tun und wenn ich ein selbstbejahender Mensch bin, und mich selbst attraktiv finde, dann sehe ich einfach besser aus, als wenn ich immer Selbstzweifel habe."

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