Interview / Archiv /

 

Leder: UEFA tarnt Wirtschaftsinteressen unter Deckmantel des Gemeinwohls

Medienwissenschaftler über Vermarktungsstrategie und Monopolstellung des Fußballverbandes

Dietrich Leder im Gespräch mit Tobias Armbrüster

Fußball mit dem Logo der UEFA Euro 2012 - die UEFA hat durchgesetzt, dass ihre Rechtepartner jeweils den offiziellen Titel nennen.
Fußball mit dem Logo der UEFA Euro 2012 - die UEFA hat durchgesetzt, dass ihre Rechtepartner jeweils den offiziellen Titel nennen. (picture alliance / ZB/ Jens Kalaene)

Rechtlich seien die Fußballverbände FIFA und UEFA eingetragene Vereine, die dem allgemeinen Wohl und dem Sport im Besonderen dienen, sagt der Medienwissenschaftler Dietrich Leder. In Wirklichkeit handele es aber sich um hochprofitable, privat geführte Wirtschaftsunternehmen.

<p><strong>Tobias Armbrüster:</strong> Schönen guten Morgen, Professor Leder!<br /><br /><strong>Dietrich Leder:</strong> Guten Morgen!<br /><br /><strong>Armbrüster:</strong> Herr Leder, wenn ich vor dem Fernseher sitze und kostenlos Fußball gucken kann ohne jegliche Verpflichtung, dann können mir die Geschäftsinteressen der UEFA doch eigentlich egal sein, oder?<br /><br /><strong>Leder:</strong> Sie können einem egal sein, doch sie beschäftigen einen denn zwangsläufig, denn die Gebühr bezahlt jeder, ob er nun jetzt guckt oder nicht, diese Veranstaltung mit und die UEFA hat in den letzten Jahren, in den letzten Jahrzehnten enorm die Rechte verteuert. ARD und ZDF, die die Rechte exklusiv haben, zahlen 110 Millionen zusammengerechnet für diese ganze Veranstaltung und sie haben damit eine Menge von Rechte auf sich genommen, die man so im ersten Moment gar nicht so sehr merkt, aber dann letzten Endes die Übertragung mitbestimmen. <br /><br /><strong>Armbrüster:</strong> Wo bestimmt die UEFA denn mit?<br /><br /><strong>Leder:</strong> Also ein kleines Beispiel ist, wenn Sie mal auf eine Webseite gehen, zur ARD-Sportschau, dann steht dort: UEFA Euro 2012. Ein bisschen umständlicher Titel. Dieser Titel wird in den Printmedien und auf den Seiten, den entsprechenden Internetseiten, jeder sagt wie wir beide jetzt auch Europameisterschaft, EM, ja. Die UEFA hat durchgesetzt, dass ihre Rechtepartner jeweils den offiziellen Titel nennen. Und sie will natürlich, eitel wie solche Verbände sind, gleichzeitig den Claim, also die eigene Titelei mit erwähnt haben. Also muss man eigentlich jetzt auch immer sagen UEFA Euro 2012. Und das gehört mit in den sogenannten Pflichtkatalog, den die Rechtepartner neben dem vielen Geld das sie zahlen mit erfüllen müssen. <br /><br /><strong>Armbrüster:</strong> Aber ist es nicht normal für ein Unternehmen, dass es darauf achtet, dass die eigene Marke möglichst häufig erwähnt wird und auch in einem guten Licht dasteht?<br /><br /><strong>Leder:</strong> Ja, es ist da in der Situation, da haben sie vollkommen recht, wenn man sagt, es ist eine Marke, es ist ein Unternehmen. Aber gleichzeitig treten die beiden Verbände, UEFA und noch schlimmer die FIFA, immer auf als das, was sie rechtlich de facto sind, nämlich als eingetragene Vereine, die dem allgemeinen Wohl dienen und dem Sport im Besonderen. Das ist gleichsam die Tarnung. In Wirklichkeit sind es eben hochprofitable Wirtschaftsunternehmen, die allerdings eben privat hin und klandestin geführt werden und die tatsächlich mit diesen Veranstaltungen ein enormes Geld verdienen. <br /><br /><strong>Armbrüster:</strong> Und es sind, das muss man glaube ich auch sagen, reine Monopolgesellschaften.<br /><br /><strong>Leder:</strong> Ja, natürlich. Weil sie das Recht auf die jeweiligen Veranstaltungen haben. Jetzt ist, kann man sagen diese Titelei nebensächlich, aber damit ist beispielsweise auch verbunden die Übernahme von Sponsoren, die die UEFA ausgewählt hat, und die dann im Zusammenhang mit der Übertragung immer wieder erwähnt werden. Da wird im Grunde eigentlich auch die Rundfunkfreiheit eingeschränkt, die muss der Rechteerwerber übernehmen, ob er will oder nicht. Er kann sie nicht durch eigenen ersetzen. Und wir wissen, wie weit das geht. Die FIFA hatte ja bei der letzten Weltmeisterschaft dafür gesorgt, dass in einem bestimmten Gebiet nur ihre Sponsoren tätig waren. Das ging ja soweit, dass man dann einzelnen Zuschauergruppen, die in der Uniformierung, eines T-Shirts eines Konkurrenten einer der Sponsoren auftraten, verbot, mit diesen Hemden das Stadion zu betreten. Dass heißt, diese Einwirkung der Rechtebesitzer geht sehr weit und das wird auch der Zuschauer registrieren müssen, da kommt er gar nicht dran vorbei. <br /><br /><br /><em>Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.<br /><br />Das vollständige Gespräch mit Dietrich Leder können Sie mindestens bis zum 07.12.2012 als <papaya:link href="http:ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/06/07/dlf_20120607_0651_a93a0aa7.mp3" text="MP3-Audio" title="MP3-Audio" target="_self" /> in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.<br /><br /><strong>Mehr zum Thema:</em></strong><br /><papaya:addon addon="13ce92bc07c8e837729a6ac5022b9a1b" portal="88" text="Portal UEFA EM 2012" alternative_text="Portal UEFA EM 2012" /><br /><papaya:link href="http:www.sportschau.de/uefaeuro2012/spielplan/index.html" text="Spielplan der UEFA EURO 2012 (sportschau.de)" title="Spielplan der UEFA EURO 2012 (sportschau.de)" target="_blank" /></p>

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Interview

Ebola"Bundeswehr muss in Liberia helfen"

Rupert Neudeck, Gründer der Hilfsorganisation "Grünhelme"

Die Weltgesundheitsorganisation und NGOs seien in Sachen Ebola mit ihrer Weisheit am Ende, sagte Rupert Neudeck, Gründer der Hilfsorganisation "Grünhelme", im DLF. Deshalb steige die Bedeutung der Armeen. Die Bundeswehr müsse mit ihrem großen Ärztebestand jetzt Hilfe in Liberia leisten.

Referendum Schottland"Das hilft den Pro-Europäern in Großbritannien"

Roter Anstecker mit der Aufschrift "No thanks"

Großbritannien werde nun förderaler, sagte Simon McDonald, der britische Botschafter in Deutschland, im DLF. Heute habe eine neue Phase im Prozess der Dezentralisierung begonnen. Der Verbleib Schottlands nütze dabei den Pro-Europäern - auch mit Blick auf das geplante Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU.

Reaktion aus der EUEU-Parlamentspräsident Schulz: "Mich erleichtert das Ergebnis"

Martin Schulz gestikuliert, während er spricht.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz äußerte sich im Deutschlandfunk erfreut über die Ablehnung des Unabhängigkeitsreferendums in Schottland. Schulz sprach von einem anerkannten demokratischen Prozess innerhalb Großbritanniens. Allerdings müsse sich die EU Gedanken machen, wie sie künftig mit Regionen umgehe, die sich von EU-Ländern abspalten wollten.

 

Interview der Woche

McAllister über Schottland-Referendum"Das ist eine sehr emotionale Debatte"

David McAllister, CDU-Abgeordneter im Europäischen Parlament

Der CDU-Europaabgeordnete David McAllister ist Sohn eines schottischen Vaters. Das bevorstehende Unabhängigkeitsreferendum habe in der schottischen Gesellschaft zu tiefen Rissen geführt, sagte McAllister im DLF. Nach der Abstimmung sei es enorm wichtig, wieder Brücken zwischen den Lagern zu bauen.

EZB"Die niedrigen Zinsen sind gerechtfertigt"

Sabine Lautenschläger, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank.

Der Leitzins in der Eurozone ist auf einem neuen Rekordtief - und das zurecht, meint Sabine Lautenschläger im Interview der Woche im Deutschlandfunk. Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank verwies auf die langfristige Verantwortung der EZB. Die Bank wolle keine Sparer ärgern, sondern die Wirtschaft ankurbeln.

Verfassungsschutz"Größte Herausforderung ist der islamistische Terrorismus"

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen

400 Islamisten sind bisher nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz von Deutschland aus in den Irak und nach Syrien ausgereist. Umgekehrt drohe die Gefahr, dass Rückkehrer in Deutschland Anschläge begehen könnten, sagte der Präsident der Behörde, Hans-Georg Maaßen, im Interview der Woche im DLF.