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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Warnschuss für Verbesserungen im System05.09.2017

Lehren aus dem Fipronil-SkandalEin Warnschuss für Verbesserungen im System

Wer der EU und anderen Behörden im Zusammenhang mit dem Skandal um verseuchte Hühnereier Versagen vorwerfe, unterschlage, welchen hohen Standard wir in der Lebensmittelsicherheit bereits erreicht hätten, kommentiert Thomas Otto. Der Vorfall sei mehr ein Fingerzeig darauf, was verbessert werden müsse.

Von Thomas Otto

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In einem Supermarkt in Alkmaar wird vor belasteten Eiern gewarnt. (AFP/Thys)
In einem Supermarkt in Alkmaar wird vor belasteten Eiern gewarnt. (AFP/Thys)
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Ja, es ist ein Skandal, dass ein verbotenes, gesundheitsschädliches Insektizid in den Nahrungskreislauf gelangt ist. Und selbstverständlich müssen die EU-Staaten bei der Kommunikation ihrer Lebensmittelüberwachungsbehörden nachbessern. Das hat heute auch EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis gefordert. Nun aber pauschal der EU beziehungsweise den Behörden Versagen vorzuwerfen, wäre billig. Und es würde unterschlagen, welchen hohen Standard wir in der Lebensmittelsicherheit bereits erreicht haben.

Auch in dieser Woche haben EU-Staaten mehrmals Alarm schlagen müssen: Salmonellen in brasilianischem Geflügelfleisch, Salmonellen in Geflügel aus Litauen, sich aufblähende Salamipackungen aus Dänemark oder Blei in polnischem Tierfutter. All diese Verunreinigungen wurden von nationalen Lebensmittelbehörden entdeckt und dem EU-Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel gemeldet. Damit werden alle Mitgliedsstaaten automatisch informiert, sodass kontaminierte Produkte schnellstmöglich vom Markt genommen und die Verbraucher geschützt werden können. Man mag sich die gesundheitlichen Folgen gar nicht vorstellen, gäbe es diesen Austausch nicht.

Aber natürlich funktioniert auch dieses System nicht perfekt: Bereits im vergangenen Jahr war in den Niederlanden Fipronil in Eiern entdeckt worden. Spätestens Anfang Juni wusste dann auch die belgische Lebensmittelaufsichtsbehörde von belasteten Eiern. Ein Eierverarbeiter war bei eigenen Kontrollen auf das Insektizid gestoßen und hatte die Behörde informiert. Belgien hatte seine Erkenntnisse zwar in ein EU-System zum Austausch von Informationen über Lebensmittelbetrug eingetragen. Erst einen Monat später wurde diese Information aber im EU-Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel nachgereicht – angeblich, um Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu gefährden. Solche Informationen dürfen nicht für die Strafverfolgung und zulasten der Gesundheit der Bevölkerung zurückgehalten werden.

Nun liegt es nahe, Vergleiche zu anderen Lebensmittelskandalen zu ziehen: BSE, Dioxin, Gammelfleisch, Ehec. Der Unterschied ist allerdings: Wirkliche Gesundheitsgefahr hat niemals bestanden. Niemand hat – nach heutigem Wissen – Fipronil-Eier in extrem großer Menge über einen langen Zeitraum konsumiert. Von daher ist es eher ein Warnschuss, ein Fingerzeig darauf, was im System der Lebensmittelüberwachung verbessert werden muss. Anstelle sich nun gegenseitig Schwarze Peter zuzuschieben, tun die EU-Staaten gut daran, ihre Zusammenarbeit besser abzustimmen. Beim EU-Schnellwarnsystem darf es keine falsche Zurückhaltung geben, aus Angst, den Ruf der eigenen Lebensmittelindustrie zu gefährden.

Thomas Otto  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Thomas Otto (Deutschlandradio / Bettina Straub)Thomas Otto, geboren 1987 in Dresden, studierte in Leipzig Soziologie und Hörfunk. In dieser Zeit arbeitete er unter anderem für den MDR und die Nachrichtenagentur dapd. Nach dem Studium volontierte er beim Deutschlandradio. Seit 2014 berichtet er für die drei Programme von Deutschlandradio aus dem Studio Brüssel.

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