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StartseiteCampus & KarriereLeichter lesen mit Bildern08.04.2013

Leichter lesen mit Bildern

Buchprojekt des Büros für Leichte Sprache

In Deutschland leben rund 7,5 Millionen sogenannte funktionale Analphabeten. Sie können zusammenhängende Texte lesen, aber verstehen deren Inhalt nicht. Das Büro für Leichte Sprache in Bremen hat ein Buch veröffentlicht, das durch Einsatz von Bildern die Texte leichter verständlich macht.

Von Franziska Rattei

In dem neuen Buch können Alltagsbegriffe nachgeschlagen werden. (dapd / Sebastian Willnow)
In dem neuen Buch können Alltagsbegriffe nachgeschlagen werden. (dapd / Sebastian Willnow)
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Büro für leichte Sprache
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"Ich habe eine Lese- und Schreibschwäche und hab Spina bifida, das heißt, ich bin ab Hüfte querschnittsgelähmt."

So beschreibt Nicole Papendorf ihre Behinderung. Die 37-Jährige arbeitet im Büro für Leichte Sprache in Bremen als Test-Leserin. An dem Buch, das vor Kurzem herausgekommen ist, hat sie maßgeblich mitgewirkt.

"Was ich nicht verstanden habe, da habe ich dann so Textmarker, und das streich ich dann an."

Drei Jahre lang hat Nicole Papendorf hauptberuflich Texte gelesen und Abbildungen kontrolliert. Von außen erinnert das Ergebnis an ein Telefonbuch. Das Buch "Leichte Sprache – die Bilder" ist eineinhalb Kilo schwer, hat 320 Seiten und mehr als 500 Abbildungen. Außerdem: viele kurze Texte in leichter Sprache. Im Kapitel "Wohnen" findet sich ein Bild zum Begriff "Miete".

"Da ist ein Haus, und da gibt ne Hand eben dem Geld."

Das Bild ist gelungen, findet Nicole Papendorf. Es erklärt schnell und einfach, was "Miete" bedeutet. Geld gegen Wohnung. Im neuen Buch für leichte Sprache gibt es noch mehr Themen-Abschnitte; "Arbeit - Beruf", "Politik", "Sex" oder "Haushalt" zum Beispiel. Wer Schwierigkeiten hat, Alltagstexte zu verstehen, kann sich hier Bilder zu Begriffen heraussuchen. Die Illustrationen von Stefan Albers stellen die Realität vereinfacht dar; sie sind keine niedlichen Kinderbuch-Bilder. Petra Schneider, die im Büro für leichte Sprache als Übersetzerin arbeitet, sagt:

"Wenn man sich die Bilder so anguckt, haben Sie selten irgendwo einen Hintergrund. Also kein Bücherregal oder so was, auch wenn's ein Büro ist, weil wir sagen: Das Wesentliche soll erkennbar sein. Und jemand, der Schwierigkeiten hat, Details zu erkennen, der darf eben nicht so viele Details auf dem Bild sehen. Da mussten wir dann eben immer so ein bisschen abwägen."

Das Bild zum Begriff "Arbeitsgruppe" etwa zeigt einen runden Tisch, an dem zwei Menschen sitzen. Es gibt Aktenordner, ein paar Papiere und zwei Gläser Wasser. Keine detaillierten Schatten, keine Räumlichkeit. Klare Linien, frische Farben auf weißem Untergrund. Mit solchen Bildern können geistig behinderte Menschen gut umgehen, sagt Petra Schneider. Aber das Buch hat noch eine andere Zielgruppe:

"Wenn Leute Texte in leichter Sprache schreiben, brauchen sie eben Bilder, die den Text gut illustrieren und verständlicher machen dadurch."

"Leichte Sprache" bedeutet: leicht zu verstehen. In "leichter Sprache" zu formulieren dagegen ist gar nicht so leicht. Der Arbeitsaufwand für das neue Buch war enorm, sagt Andreas Hoops, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Bremen. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 300.000 Euro. Diese Summe hat größtenteils die Aktion Mensch finanziert, aber das Büro für leichte Sprache will das Abbildungslexikon erweitern. Auch das will finanziert sein, sagt Hoops. Den Preis von knapp 50 Euro hält er deshalb für fair.

"Sie haben mit diesem Werk sozusagen ein Fachbuch in den Händen. Und zwar nicht nur in Buchform, sondern auch mit einer DVD, die dem Buch beiliegt. Die DVD ist so programmiert, dass, wenn Sie Texte mit Bildern ergänzen wollen, dass Sie die direkt auf dem PC in Ihre Texte implementieren können."

Wer das Buch und die DVD kauft, erwirbt auch die Nutzungsrechte der Bilder. Solange die Quelle genannt wird, können die Illustrationen zeitlich unbegrenzt für Belange der leichten Sprache verwendet werden.

"Wir wollen, dass bundesweit hier ein Standard geschaffen wird, und dass viele Menschen und viele Multiplikatoren diese Abbildungen benutzen, um Menschen mit geistiger Behinderung am Leben in der Gesellschaft partizipieren zu lassen."

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