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StartseiteCorso"Nicht die Ikone, die viele in mir sehen"19.09.2014

Leonard Cohen "Nicht die Ikone, die viele in mir sehen"

Der kanadische Pop-Poet Leonard Cohen wird am Sonntag 80 Jahre alt. Dass ausgerechnet jetzt sein neues Album "Popular Problems" erscheine, sei Zufall, betont Cohen. Der Medienrummel ist dem Mann mit dem Bariton zwar sichtlich unangenehm, auf Tour gehen will er aber wieder. Das halte jung und fit.

Von Marcel Anders

Der Musiker Leonard Cohen im Jahr 2012. (AFP / JOEL SAGET)
Wird 80 Jahre alt: der kanadische Pop-Poet Leonard Cohen. (AFP / JOEL SAGET)
Weiterführende Information

Leonard Cohen - "Er schafft Schärfe mit dem Wort"
(Deutschlandradio Kultur, Tonart, 18.09.2014)

Leonard Cohen - Ein altmodischer feiner Herr
(Deutschlandradio Kultur, Tonart, 18.09.2014)

Ein Gebet in zartbitter
(Deutschlandfunk, Corso, 22.06.2013)

Pop: "Old Ideas"
(Deutschlandradio Kultur, Album der Woche, 30.01.2012)

"Es ist ziemlich überwältigend. Zumal ich ja kein öffentliches Leben führe und kaum mitkriege, was um mich herum passiert. Ganz abgesehen davon, dass ich so viele Fehler habe, dass ich mich längst nicht als die Ikone verstehe, die viele Leute in mir sehen. Ich denke auch nicht, dass ich besonders wichtig bin. Wenn ich morgens aufwache, ist das das Letzte, woran ich denke."

Eine Bescheidenheit, die nicht von ungefähr kommt: Cohen stammt aus einer streng religiösen Familie, die während des Ersten Weltkriegs von Osteuropa ins kanadische Montreal immigrierte, hat sämtliche Höhen wie Tiefen des Showbiz durchlaufen, nie die Frau fürs Leben gefunden, und versteht sich selbst als Gentleman alter Schule, der eine warme, herzliche Art und einen wunderbar trockenen Humor besitzt. Sprich: Ein Mann, der über den Dingen steht, der geballte Lebenserfahrung verkörpert und mehr als einmal betont: Die Tatsache, dass sein neues Werk genau jetzt erscheint, sei kein cleveres Marketing.

"Es ist purer Zufall, dass die Platte zu meinem 80. fertig geworden ist. Denn ich hatte nie vor, meinem Geburtstag mit einem solchen Brimborium zu begehen. Insofern war es nicht geplant, dass das zusammenfällt - auch, wenn jeder denkt, dass es da einen Zusammenhang gibt. In meinem Kopf ist er nicht vorhanden."

Kein Interesse für Verkaufszahlen

Für so etwas Profanes wie Verkaufszahlen hat sich der Sohn eines Schneiders nie interessiert. Dafür hat er zu viele lange Pausen eingelegt, in denen er gezielte Selbstfindung betrieben, sich mit Zen-Buddhismus befasst und seine Depressionen bekämpft hat. Ganz abgesehen davon, dass seine Musik nicht zu anspruchsvoll und sperrig klingt, und sich mit Themen wie Religion, Liebe und Schmerz befasst, die sich an ein eher intellektuelles Publikum richten und ihn zum Kultobjekt und Pop-Propheten machen. Eine Rolle, gegen die sich Cohen mit Händen und Füssen wehrt:

"Ich besitze nicht mal eine Lösung für mein eigenes Leben, geschweige denn für die Welt."

Überhaupt hat der mythologische Cohen nicht viel mit dem echten zu tun. Mehr noch: Der Altmeister distanziert sich ausdrücklich von dem, was andere über ihn sagen und schreiben. Wie die Mähr vom Frauenhelden, die er entschieden zurückweist. Oder die vom ewigen Trauerklos, dessen Songs vertonter Weltschmerz seien. Und auch die schicken Anzüge, die er immer trägt, seien schlichtweg Gewohnheit - wie Zigaretten rauchen oder Meditieren: 

"Ich wurde quasi darin geboren."

Und weil "Popular Problems" ein starkes Spätwerk ist, das ganz elegant zwischen Blues, Soul und Pop, Weltpolitik und amourösen Geschichten pendelt, denkt Cohen noch längst nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Der rüstige Veteran arbeitet bereits an einem Nachfolger und würde gerne noch einmal auf Tour gehen. Eben, weil das jung und fit halte:

"Ich bin gerne unterwegs, selbst wenn es viel Ausdauer verlangt. Denn ich gebe sehr lange Konzerte - oft zwischen drei bis vier Stunden. Von daher muss ich sehen, ob ich die Kraft dazu habe."

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