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StartseiteWissenschaft im BrennpunktLernen aus der Vergangenheit02.05.2010

Lernen aus der Vergangenheit

Die Ölkatastrophe von 1991 im Persischen Golf

Umwelt. - Die Havarie der "Exxon Valdez" ist für einen Vergleich mit dem Unglück im Golf von Mexiko weniger geeignet, weil die arktischen Ökosysteme besonders empfindlich sind. In dem kalten Klima arbeiten die Mikroorganismen, die Rohöl abbauen können, nur sehr langsam. Als Präzedenzfall kann allerdings die Ölpest dienen, die die Soldaten Saddam Husseins im ersten Golfkrieg vor der Küste Kuwaits anrichteten. Als sich die Armee aus dem besetzten Emirat zurückzog, sprengten die Soldaten Hunderte von Bohrplattformen in die Luft, zerstörten Tanklager, öffneten Ölterminal-Leitungen - und verursachten die bislang größte Ölkatastrophe in der Geschichte.

Von Dagmar Röhrlich

Für den Ölteppich vor Louisiana ist die Ölpest von 1991 im Persischen Golf ein guter Vergleichsmaßstab. (AP)
Für den Ölteppich vor Louisiana ist die Ölpest von 1991 im Persischen Golf ein guter Vergleichsmaßstab. (AP)

Eine Million Tonnen Rohöl flossen 1991 in den Persischen Golf. Wind und Meeresströmungen verteilten die schwarze Flut nach Süden, immer an der Küste entlang, bis Dämme, die eine vorgelagerte Insel mit dem Festland verbanden, sie schließlich aufhielt. Zurück blieben fast 700 Kilometer verseuchte Küste. Der gesamte Gezeitenbereich war schwarz von Öl: Bis zu einem Kilometer weit hatte die Flut das klebrige Zeug in Buchten gedrückt, in Salzmarschen und Mangrovenwälder. Wohin es kam, tötete es Pflanzen und Tiere. Kaum etwas überlebte. Draussen im Meer starb das Plankton ab und auch sonst alles Leben in Oberflächennähe. Allerdings sank das Öl entgegen der Prognosen nicht ab. Deshalb blieben die wertvollen Riffe und Seegraswiesen weitgehend verschont.

15 Jahre später stellten Meeresforscher fest, dass sich die Ökosysteme im Persischen Golf schnell erholt hatten: Zwar waren durch das Verschwinden des Planktons und damit der Nahrungsgrundlage die Fischpopulationen zusammengebrochen. Zwei oder drei Jahre lang gab es kaum Jungfische. Aber bei Wassertemperaturen um 30 Grad arbeiteten die Mikroorganismen auf Hochtouren und reinigten das Meer. Schon 1995 waren zum Erstaunen der Biologen im Wasser alle Spuren der Katastrophe getilgt. Organismen aus benachbarten Gebieten hatten die ehemaligen Todeszonen wieder besiedelt. Ähnliches passierte an Land. Fünf Jahre nach der Ölpest begannen sich die Mangrovenwälder zu erholen, und selbst die Salzmarschen, die sich nicht künstlich vom Öl befreien ließen ohne zerstört zu werden, sahen nach wenigen Jahren auf den ersten Blick normal aus.

Allerdings nur auf den ersten Blick, denn das Öl war bis zu einem halben Meter tief in den Boden eingedrungen. Dort ist es vom Sauerstoff abgeschnitten ist und Bakterien können es nicht weiter abbauen. Unter Luftabschluss bleibt es wie es ist. Nur Stürme oder Erdbeben könnten es wieder freigelegen und dann wohl eine kleine Ölpest auslösen.

Obwohl äußerlich in vielen Gebieten die Normalität zurück gekehrt ist, gibt es auch heute noch Zonen, in denen die Folgen der größten Ölkatastrophe aller Zeiten ins Auge fallen: dort, wo sich an den Stränden und in der Gezeitenzone Asphaltmatten gebildet haben. Weil die leichtflüchtigen Bestandteile des Öls in der Hitze schnell verdunsteten, hatte sich eine harte Kruste aus zähe Bakterien gebildet. Weder Tiere noch Pflanzen können diese Kruste durchdringen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Teermatten auch in 100 Jahren so aussehen werden wie heute, 20 Jahre nach dem ersten Golfkrieg.

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