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StartseiteKommentare und Themen der WocheHart, aber nachvollziehbar04.06.2018

Leroy Sané nicht im WM-KaderHart, aber nachvollziehbar

Mit Leroy Sané habe Fußball-Bundestrainer Joachim Löw ein riesiges und gefeiertes Talent aus dem WM-Kader gestrichen, kommentiert Matthias Friebe. Mit Blick auf seine Position und Spielweise sei der harte Entschluss allerdings nachvollziehbar. Damit passe er nicht zu 100 Prozent ins Team Löw.

Von Matthias Friebe

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Löw spricht unter dem Schriftzug "Mannschaft". Er ist von vorne unten fotografiert, man sieht nur seinen Kopf, der Rest seiner Körpers ist vom Tisch verdeckt. (Christian Charisius / dpa)
Vier gehören nicht zum WM-Kader - drei davon waren absehbar, doch die Streichung von Leroy Sané überraschte viele Beobachter (Christian Charisius / dpa)
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Löws Entscheidung Vorläufiger WM-Kader mit einigen Überraschungen

Seitdem die deutsche Nationalmannschaft sich in Südtirol auf die Fußball-WM vorbereitet, gibt es Tag für Tag eine Pressekonferenz. Ausgiebig Zeit, für Journalisten Fragen zu stellen: zur Stimmung im Team, zu Trainingseindrücken und allerlei sonstigen Petitessen. Schließlich lechzen Fans und Öffentlichkeit ja nach jeder noch so kleinen Kleinigkeit, die vom Weltmeister, der sich auf die Titelverteidigung vorbereitet, zu erfahren ist. Seit mindestens einer Woche drehte sich mehr als die Hälfte der Sportberichterstattung nur um die Frage: Wird Torwart Manuel Neuer nun fit? Kann er im Test gegen Österreich spielen?

Dementsprechend groß das Interesse heute, als es endlich Handfestes, wenn auch nicht WM-Entscheidendes zu vermelden gab. Die Bekanntgabe der Nationalspieler, die jetzt nach dem Trainingslager nach Hause statt nach Moskau fliegen müssen.

Audienz statt Pressekonferenz

Aber der Bundestrainer hatte wohl keine Lust auf Erklärungen. Nachfragen zu seiner Entscheidung waren den Journalisten jedenfalls nicht gestattet. Audienz statt Pressekonferenz - und so erfuhren die Kollegen vor Ort dann in Löws zehnminütigem Fast-Monolog die vier Namen Leroy Sané, Bernd Leno, Jonathan Tah und Nils Petersen. Garniert mit einem Potpourri der besten und vorhersehbarsten Floskeln. Künstlich die Spannung aufbauend legte Löw los: Es gebe schönere Tage im Leben eines Bundestrainers, die Entscheidung sei "wahnsinnig knapp" gewesen und auch die, die jetzt gehen müssten, hätten einen tollen Beitrag für das Team geleistet. Gipfelnd übrigens in dem skurril anmutenden und ganz andere Assoziationen hervorrufenden Satz, mit dem Löw den "Angehörigen, Familien, Freunden und Lebensgefährtinnen" dankte. Und zwar dafür, dass sie nun die schwer enttäuschten Heimkehrer auffangen müssten.

Verteidiger Jonathan Tah hatte sich nach eigener Aussage selbst schon damit auseinandergesetzt aus dem Kader zu fliegen. Der Verzicht auf Stürmer Nils Petersen und Torwart Bernd Leno ist auch keine große Sensation. Sie standen auf den Streichlisten der Experten an prominenten Positionen. Einzige große Überraschung bleibt das Aus für Leroy Sané. Zwei starke Jahre in der Premier League, gerade erst ausgezeichnet, einer der vom Marktwert her gesehen teuersten deutschen Spieler. Ein riesiges Talent. Der soll nicht mitfahren? Ein Spieler, der bei einem knappen Spielstand eingewechselt, für Belebung und Überraschungen gut sein könnte?

Der Bundestrainer hat keine Lust sich zu erklären

Und doch ist diese Entscheidung aus zwei Gründen nachvollziehbar. Mit seiner Spielweise passt er nicht zu 100 Prozent ins Löw-Team. Für seine schnellen Dribblings und überraschenden Einzelaktionen wird Sané im Nationalteam zu selten in Position gebracht. Das zeigt sich auch an bisher eher durchschnittliche Leistungen im Trikot mit dem Adler. Und, der zweite Grund: Auf Sanés Position, auf der offensiven Außenbahn ist der Kader bereits breit bestückt. Nicht zuletzt durch Thomas Müller und den endlich mal gesunden Marco Reus.

So könnten die Gedankengänge von Bundestrainer Löw sein. Wissen wir aber auch nicht, der Bundestrainer - ohne Lust zu erklären. Bis zum ersten WM-Spiel in knapp zwei Wochen wird es jetzt wieder um die ganzen langweiligen Kleinigkeiten und Pseudo-Wichtigkeiten der Vorbereitung gehen. Und dabei dürften dann auch wieder Rückfragen erlaubt sein.

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

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