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StartseiteKommentare und Themen der WocheEs kommt darauf an, alle zu fördern05.12.2017

LesestudieEs kommt darauf an, alle zu fördern

Die Ergebnisse der jüngsten Iglu-Studie zum Lesevermögen deutscher Grundschüler seien enttäuschen, kommentiert Michael Böddeker. Deutschland liegt inzwischen nur noch im EU-Mittelfeld. Einen größeren Anlass zur Sorge biete aber die soziale Schere. Die Bildungschancen hingen hierzulande immer noch viel zu sehr vom Elternhaus ab.

Von Michael Böddeker

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Ein Junge liest auf der Frankfurter Buchmesse 2013 ein Jugendbuch. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Ein Junge liest auf der Frankfurter Buchmesse 2013 ein Jugendbuch. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)

Stillstand ist Rückschritt. Das gilt für die Leseleistungen von deutschen Viertklässlern. Denn während die Leistungen in Deutschland stagnierten, sind andere Länder an uns vorbeigezogen. Deutschland liegt dadurch inzwischen nur noch im EU-Mittelfeld. Diese Durchschnittlichkeit allein wäre vielleicht noch zu verkraften, es gibt aber noch einen größeren Anlass zur Sorge: In Deutschland ist die Schere weiter auseinander gegangen. Es gibt zwar mehr starke, aber eben auch mehr schwache Leser. Und das hängt mit der sozialen Ungleichheit zusammen. Die Bildungschancen hängen hierzulande immer noch viel zu sehr vom Elternhaus ab. Zum Beispiel davon, ob zuhause viele Bücher in den Regalen stehen oder nicht.

Die gestiegene soziale Ungleichheit nennt Studienleiter Wilfried Bos "eine einzige Schande". Der Deutsche Kulturrat bezeichnet das Ergebnis als "peinlich". Sie haben Recht – die Ergebnisse sind enttäuschend. Aber was folgt daraus? Und wie könnte man die Probleme angehen? Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte vor zehn Jahren schon zu den damaligen Iglu-Ergebnissen, dass Reformen nötig seien, "um Chancengerechtigkeit über die gesamte Bildungslaufbahn hinweg zu ermöglichen". Seitdem gab es zwar viele Veränderungen an den Schulen, kleine und große Reformen, immer mehr Bildungsstudien - aber gebracht hat all das das bisher wenig. Im Gegenteil! Das Hin und Her ist anstrengend für alle Beteiligten und bindet Ressourcen, die man anders sinnvoller nutzen könnte.

Auch die Eltern können etwas tun: Den Kindern Bücher vorlesen zum Beispiel

Nötig wären zum Beispiel: gezielte Förderprogramme für leseschwache Schüler. In erster Linie an der Grundschule, aber auch in der Sekundarstufe I, damit schwache Leser ihren Rückstand aufholen können. Mehr Lehrkräfte an den Schulen, um Ganztagsunterricht möglich zu machen. Denn bloße Betreuung am Nachmittag allein kann die sozialen Unterschiede nicht ausgleichen. Eine bessere Bezahlung der Grundschul-Lehrkräfte wäre sinnvoll, um den Beruf attraktiver zu machen. Im Lehramtsstudium muss sprachliche Bildung eine größere Rolle spielen, und das nicht nur im Fach Deutsch. Und auch die Eltern können etwas tun: Den Kindern Bücher vorlesen zum Beispiel.

Veränderungen sind jedenfalls nötig. Und das ruhig auch mit Geld vom Bund, egal, ob Bildung eigentlich Ländersache ist. Und Veränderungen können etwas bringen – auch das zeigt ja die neue Studie: Verbesserung ist offenbar möglich. Die anderen Länder machen es uns vor, und auch die Gruppe der starken deutschen Schülerinnen und Schüler hat sich weiter verbessert. Es kommt aber darauf an, nicht nur die ohnehin schon guten zu fördern, sondern möglichst alle.

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