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StartseiteUmwelt und VerbraucherLetzte Hoffnung Bundestag12.05.2010

Letzte Hoffnung Bundestag

Petitionsausschuss soll umstrittene Moselbrücke stoppen

Mehr als 150 Meter hoch und anderthalb Kilometer lang ist der Hochmoselübergang geplant, eine gewaltige Betonbrücke über dem Moseltal zwischen Koblenz und Trier. Doch es regt sich Widerstand in den malerischen Weindörfern unter der Brücke, der immerhin prominente Unterstützer gefunden hat, darunter den Ex-Außenminster Joschka Fischer.

Von Ludger Fittkau

Joschka Fischer, Außenminister a.D. (Deutschlandradio - Bettina Straub)
Joschka Fischer, Außenminister a.D. (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Man sah Joschka Fischer vor wenigen Wochen in einem Berliner Restaurant mit einem "2008er Bernkasteler Lay Riesling" in der Hand. Auf den ersten Blick war das nicht als eine Protestaktion zu erkennen, es war aber eine. Gemeinsam mit dem britischen "Weinpapst" Hugh Johnson und Moselwinzern kämpfte Fischer in Berlin gegen eine neue Moselbrücke. Auch Winzer Markus Molitor befürchtet, dass die Brücke beim Mosel-Weinort Ürzig sich negativ auf seine Weinberge auswirkt:

"Wir sind gegen diese Straße, weil wir das in der einmaligen Kulturlandschaft die wir hier haben, in den besten Weinlagen zwischen Ürzig bis nach Bernkastel, ein ganz unglückliches Bauvorhaben finden. Zweitens ist es halt so, dass wir auch Angst haben, da diese Trasse oberhalb unserer absoluten Spitzenlagen verläuft, dass wir da mittelfristig Probleme mit dem Wasserhaushalt bekommen können."

Markus Molitor setzt seine Hoffnung nun auf die Petition beim Deutschen Bundestag, mit der ein Baustopp in letzter Minute für den Hochmoselübergang erreicht werden soll. Denn bislang sind lediglich die Zufahrten in den Weinberg geschlagen worden.

Kurz vor dem Ende der Petitionsfrist morgen haben bereits mehr als 4000 Menschen die Online-Petition unterzeichnet. Jetzt wird die Bundesregierung gebeten, zur Petition Stellung zu nehmen. Anschließend kann der Petitionsausschuss des Bundestages einen sogenannten "Berücksichtigungsbeschluss" herbeiführen und den Fall dem Bundestagsplenum vorlegen. In diesem Moment würde wahrscheinlich ein Baustopp für die Moselbrücke ausgesprochen, um das parlamentarische Verfahren in Berlin abwarten zu können. Bis dahin können noch einige Monate vergehen, in denen die Bauvorbereitungen weitergehen.

In Rheinland-Pfalz haben alle Fraktionen des Landtages jetzt bekräftigt, am Bau der Moselbrücke unbedingt festhalten zu wollen. Die Grünen, die als Einzige die Brücke ablehnen, sind bisher nicht im Mainzer Landtag vertreten.

In ihre Richtung zielt denn auch Weinbau- und Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD). Es sei immerhin die rot-grüne Bundesregierung in Berlin gewesen, die den Neubau einer Bundesstraße samt der Brücke beschlossen habe, so Hering.

"Uns hat auch gewundert, dass jetzt der Widerstand aufkommt. Vielleicht hat es damit zu tun, dass einige Prominente aus England und einigen anderen Ländern sich des Themas angenommen haben und sich auch interessante Locations in Berlin ausgesucht haben, ihren Widerstand bei erlesenem Wein und gutem Essen zu präsentieren. Wir haben eine Entscheidung getroffen, nach langer Vorplanung und es ist auch Aufgabe der Politik, zu solchen Entscheidungen auch zu stehen."

Also rollen bereits Bagger an der Mosel - direkt über den steilen Weinbergen, auf denen einer der besten Rieslinge der Welt wächst. Im Weinort Ürzig, der künftig beinahe direkt unter der Moselbrücke liegt, ist die Meinung zu dem Riesenbauprojekt geteilt. Die Befürworter wollen vor allem schneller zu den Arbeitsplätzen im Rhein-Main-Gebiet pendeln, Kritiker fürchten um die Qualität des Weines und das Landschaftsbild:

"Der Staub und was da alles runterkommt, ich halte nix davon. Wegen der Weintrauben. Ich weiß nicht, ob das noch so bleibt. Ob die Weintrauben noch so gesund sind und auch der Wein, der da nachher kommt. Ich glaube nicht dran."

"Also ich finde, der ist nötig der Hochmoselübergang, allein schon aus wirtschaftlichen Gründen, Arbeitsplätze und so. Allein schon der Anschluss an die Autobahn Richtung Frankfurt ist wichtig."

Der Preis, eine Beeinträchtigung des Weinanbaus bei Ürzig und mögliche Auswirkungen auf den Tourismus im unmittelbaren Umfeld der Brücke, wird von allen rheinland-pfälzischen Landtagsfraktionen in Kauf genommen.

Ob der Bundestag zu einer anderen Haltung kommt, wenn ihm die Petition in den nächsten Wochen vorgelegt wird, hängt sicher auch davon ab, wie engagiert Joschka Fischer und die internationalen Weinkritiker ihren Kampf gegen die Moselbrücke weitertreiben.

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