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StartseiteCorsoLetzte Zeitdokumente von Jimi Hendrix30.10.2012

Letzte Zeitdokumente von Jimi Hendrix

Eine Fotoausstellung über das Love-And-Peace Festival in der Berliner Galerie nhow

Es war sein letzter großer Auftritt, den Jimmy Hendrix 1970 auf der Ostseeinsel Fehmarn beim "Love & Peace Festival" hatte. In diesem Jahr wäre der Musiker 70 Jahre alt geworden. In Berlin sind Fotos zu sehen, die die Fotografin Frauke Bergemann beim Love-And-Peace Festival einfing.

Von Gesine Kühn

Fotografin Frauke Bergemann mit Fotos vom Love & Peace Festival" und Fotos von Jimmy Hendrix (Deutschlandradio - Gesine Kühn)
Fotografin Frauke Bergemann mit Fotos vom Love & Peace Festival" und Fotos von Jimmy Hendrix (Deutschlandradio - Gesine Kühn)

Unbehandelte Betonwände, ein Flügel mitten im Raum, auf dem halb abgebrannte Kerzen stehen, eine hohe Decke, die nicht verkleidet wurde. Was nach einem renovierungsbedürftigen Loft klingt, ist die Galerie im Nhow-Hotel, direkt an der Spree neben einer großen Plattenfirma. Die Fotografin Frauke Bergemann befestigt an den dafür vorgesehenen Schienen Schwarz-Weiß-Fotos mit kleinen, silberfarbenen Magneten.

"Die Arbeit beginnt wirklich an dem Freitag, die haben wir jetzt noch nicht aufgehängt, aber sie sehen, wie die Leute dort ankommen mit ihren Schlafsäcken. Mit ihren US-Schlafsäcken."

Bergemann ist eine hübsche, aufgeschlossene Frau in ihren Sechzigern. Blonde Locken umspielen ihr freundliches Gesicht. Sie erzählt wie sie als Fotografiestudentin den Auftrag erhielt, beim "Love-And-Peace-Festival" auf der Insel Fehmarn Bilder zu machen. Das war 1970. Dieses Festival sollte das deutsche Woodstock werden mit Auftritten von "Canned Heat", "Sly and the Family Stone" und eben Jimi Hendrix - und das wollten die Veranstalter festgehalten wissen.

"Und hier sieht man auch weiterhin wie die Situation war. Ich glaube was mich noch mehr interessiert hatte damals als Jimi Hendrix war wohl wirklich: Was passiert da auf diesem Festival, was machten die Leute."

Sie drehen sich Zigaretten, trinken Kaffee, liegen in dicke Sachen gewickelt im Gras, hängen ihre Schlafsäcke zum Trocknen auf. Bergemanns Fotos sind wie ein Blick in ein privates Fotoalbum - direkt und nicht hinter schützendem Glas.

Rund 50 Fotos hat Frauke Bergemann von den Besuchern, vom Gelände, vom Sicherheitspersonal geschossen. Sie hängen an zwei Wänden der Galerie, aufgereiht, hintereinander, alle in Schwarz-Weiß. Doch dann - auf einmal - vereinzelt bunte Bilder, Bilder von Musikern. Wer ganz starr der Chronologie dieser Fotodokumentation folgt, entdeckt erst auf Wand vier den Star der Ausstellung: Jimi Hendrix.

"Hier sind die ersten Fotos, wo er noch stimmt, der Aufbau ... hier kommen die Fotos, die später dann an die große Wand kommen."

Bergemann zieht ein gerahmtes Bild aus einer Plastiktüte. Auf diesem: Jimi Hendrix auf der Bühne mit erstauntem Gesichtsausdruck. Seine pinkfarbene Hose sticht sofort ins Auge.

"Ich glaube, er hat mich dann schon fasziniert. Ich habe sehr freundliche Fotos von ihm gemacht. Mir hat auch das Charmante, das er auch hatte, sehr gefallen."

Knapp 20 Fotos konnte die Fotografin von Hendrix machen. Nur auf der Bühne und nur während er zwei Lieder spielte. So sieht man Jimi Hendrix die ganze Zeit in Aktion, verschiedene Mimiken, mal mit, mal ohne Gitarre. Auch wenn man diese Art von Fotos schon überall gesehen hat, sind das Bilder von Hendrix' letztem Auftritt – er starb nur zwei Wochen nach dem Love-And-Peace-Festival in London.

"Also eigentlich hab ich die Bilder vergessen, ich wusste gar nicht mehr, dass ich die Bilder habe, aber in diesem Jahr gab es hier einen Film, den wir hier auch zeigen und dann machte mich auch ein Künstler darauf aufmerksam und sagte: 'Sag mal, irgendwann haste davon gesprochen, du hättest Fotos' – dann habe ich mir den Film angeguckt und dann fiel mir ein - ja klar, ich hab da ja was gemacht, bin in mein Archiv gegangen und habe festgestellt, dass ich so viel mehr hatte als dieser Film."

"Jimi und das Fehmarn Festival" so heißt der Film, er ist aus dem Jahr 2010 und wird zur Eröffnung der Ausstellung und zum 70. Geburtstag von Hendrix gezeigt. Wer diesen verpasst, hat nichts verpasst, denn es gibt ja die rund 100 Fotos von der Fotografin Bergemann.

"Es ist auch eine richtig klassische Reportage, die ein bisschen wie ein Film funktioniert, weil ich wirklich alles von vorne bis hinten durchfotografiert habe."

Frage: Warum war es Ihnen so wichtig, dass sie alles fotografiert haben?

"Das lag am Auftrag und ich arbeite so, ich hab immer den Film mit in Erinnerung, ich hätte es gern vollständig."

Inzwischen hängen alle Fotos an den grauen Betonwänden, auch Jimi Hendrix, gerahmt und in Farbe.

Musik wäre jetzt gut – welche von Jimi Hendrix natürlich, sodass gerade der Nicht-Fan das Phänomen Hendrix und die pinkfarbenen Hosen noch ein bisschen besser versteht.

Heute Abend ab 18 Uhr gibt es die Vernissage zu der Fotoausstellung "Jimi Hendrix und das Love-And-Peace-Festival". Sie können sich die Fotos dann bis zum 10. Januar in der nhow Galerie in Berlinanschauen. Jeden Tag, rund um die Uhr.

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