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StartseiteCorsoLiam Gallagher: "Noel kann machen, was er will"08.06.2013

Liam Gallagher: "Noel kann machen, was er will"

Das Corsogespräch mit Liam Gallagher und Andy Bell über ihre Oasis-Nachfolgeband Beady Eye

Liam Gallagher, einst Frontmann der 90er-Jahre Britpop-Titanen Oasis, konnte mit seiner Nachfolgeband Beady Eye bislang an frühere Größe nicht heranreichen. Wegen katastrophaler Umsätze könnte das zweite Album, "BE" auch das letzte gewesen sein. "Scheiß drauf", meint Gallagher.

Mit Marcel Anders

Das Posieren noch nicht verlernt: Liam Gallagher (v.) und Andy Bell (hinten Mitte) mit der Oasis-Nachfolgeband Beady Eye (picture alliance / dpa / Lp / Philippe De Poulpiquet)
Das Posieren noch nicht verlernt: Liam Gallagher (v.) und Andy Bell (hinten Mitte) mit der Oasis-Nachfolgeband Beady Eye (picture alliance / dpa / Lp / Philippe De Poulpiquet)
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Noel Gallaghers "High Flying Birds" vs. Liam Gallaghers "Beady Eye"

Marcel Anders: Meine Herren, das Cover ihres neuen Albums ziert eine barbusige Schönheit, festgehalten vom berühmten Pirelli-Kalender-Fotografen Harry Peccinotti.

Liam Gallagher: Korrekt.

Andy Bell: Es ist 70er-Jahre-Modefotografie – im Softpornostil.

Anders: Was sagt das über die Musik – hat die etwa auch eine erotische Komponente?

Gallagher: Ohne Zweifel. All unsere Alben haben etwas Erotisches. Es ist Musik zum Liebemachen, Musik zum Brechen von Herzen und Musik, um jemandem eine Bratpfanne über den Kopf zu ziehen. Das ganze Programm. Eben Musik, Mann.

Anders: Haben sie das auch an sich selbst getestet?

Gallagher: Noch nicht. Ich habe mich nur dazu selbst befriedigt.

Bell: Wie romantisch!

Gallagher: Und ob! Aber ich denke, da sind auch Momente, in denen man durchaus ein paar Schiffe versenken könnte – wenn sie wissen, was ich meine…

Anders: Wobei sie das Werk erst "Universal Gleam", also "Universales Leuchten", nennen wollten. Warum haben sie da einen Rückzieher gemacht?

Gallagher: Ich liebe den Begriff "Universal Gleam" – und die anderen ebenfalls. Aber es ist nicht dazu gekommen, weil plötzlich alle kalte Füße bekommen haben. Denn unser Management hielt es für hippiesk – und nicht besonders gut. Dabei macht es sich toll auf T-Shirts. Viel besser als "BE". Und deshalb will ich meinen Namen auch in "Universal Gleam" ändern.

Anders: Als Produzent fungiert David Sitek, der bereits die Yeah Yeah Yeahs, Scarlett Johansson und Jane´s Addiction betreut hat. Sprich: Der Mann ist sehr erfolgreich, sehr hip – und hat ihnen angeblich vorgeworfen, im Jahr 1969 stehen geblieben zu sein. Wie haben sie darauf reagiert?

Gallagher: Das hat er nie gesagt. Und wenn doch, würde uns das auch nichts ausmachen. Denn irgendwie stecken wir wirklich in diesem Jahr fest. Und 1969 war ja auch toll. Nur: Es ist Zeit, mal ein bisschen Abwechslung ins Spiel zu bringen und etwas anderes zu machen.

Anders: Was verstehen sie darunter – und welchen Beitrag hat Sitek konkret geleistet?

Gallagher: Er hat die Songs ein bisschen verändert. Keine Ahnung wie – aber er hat es.

Bell: Er hinterfragt einfach Sachen, die man als gegeben hinnimmt. Ich meine, wir sind eine ziemlich schnörkellose Rock´n´Roll-Band. Und was ich von David gelernt habe, ist: "Die erste Idee, wie ein Stück klingen könnte, ist nicht notwendigerweise die beste. Und sie ist auch nicht die einzige. Derselbe Song lässt sich auf mindestens zehn unterschiedliche Arten angehen. Und Nummer acht ist vielleicht die Beste.

Gallagher: Für mich ist Sitek völlig durchgeknallt. Er hört sich alles total laut an. Und ich habe schon mit einigen Produzenten gearbeitet, denen ihre Ohren wer weiß wie kostbar waren und all dieser Quatsch. Aber er dreht einfach bis zum Anschlag auf – und zwar immer. Weshalb er auch ständig neue Lautsprecher braucht. Eben, weil er sie permanent durchhaut. Was ich toll fand. Genau wie sein Talent, Sachen zu verändern. Er nimmt nicht immer denselben alten Weg.

Anders: Wie bei "Soul Love", das an den Soundtrack zu Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" erinnert, also sehr spacig anmutet?

Gallagher: Nicht, als wir es geschrieben haben. Doch als es an die Aufnahmen ging, lief der Film im Hintergrund. Und irgendwann meinte David, dass die Musik zu den Bildern passen würde. Das war die Stimmung, die im Studio herrschte – es ging alles in diese Richtung: Gefunden im Weltall.

Anders: Wobei das Ergebnis so etwas wie Retro-Future ist? Ein Fuß in den Sixties, der andere in der Zukunft?

Gallagher: Das könnte man so sagen. Auch, wenn wir gar nicht versuchen, etwas Bestimmtes zu sein. Wir lassen es einfach laufen – und machen, was in uns steckt. Sprich: Wir waren nicht im Studio, um ein futuristisches oder ein kosmisches Album aufzunehmen. Es ist einfach passiert.

Anders: Und was hat es mit "Don´t Brother Me" auf sich? Handelt es – wie gemeinhin vermutet - von ihrem Bruder, mit dem sie sich 2009 zerstritten haben?

Gallagher: Ja.

10. Ist das nun ein musikalisches Friedensangebot oder wie ist die Textzeile "Come on and give peace a chance" zu deuten?

Gallagher: Es ist einfach ein Song mit ein paar cleveren Worten. Und am Ende hat es ein bisschen was von einem Friedensangebot. Eben: Komm mal runter, Bruder und gib´ dem Frieden eine Chance. Aber mehr auch nicht.

11. Und: Haben sie wieder Kontakt?

Gallagher: Nein. Ich habe ihn zwar zwischendurch bei einem Fußballspiel getroffen, aber nicht mit ihm gesprochen.

Anders: Was halten sie davon, dass Noel inzwischen sogar Wohltätigkeitskonzerte mit Damon Albarn von Blur gibt - während des Britpop ja der erklärte Erzfeind schlechthin? Ist das ein Verrat an Oasis?

Gallagher: Nein. Noel Gallagher kann machen, was er will. Und er kann abhängen, mit wem er will. Ich selbst habe Damon immer für einen lustigen Kerl gehalten, und Graham Coxon für extrem cool. Ich habe gerne Zeit mit ihnen verbracht. Und was Noel betrifft: Er hat halt einiges wieder gutzumachen. Nur, dass er sich jetzt für Aidskranke einsetzt – damit hätte er mal früher anfangen sollen.

Anders: Trotzdem haben sie im britischen Q-Magazin erklärt, für 30 Millionen Pfund würden sie Oasis sofort reformieren. Ist das die Summe, die sie als Schmerzensgeld akzeptieren würden – die sie über alle Differenzen hinwegsehen ließe?

Gallagher: Na ja, das war eigentlich nur ein Witz. Ich würde es auch für 20 Cent machen. Nur: Dazu wird es nicht kommen.

Anders: Also müssen sie "Wonderwall" weiterhin alleine spielen?

Gallagher: Das spielen wir nicht.

Bell: Das haben wir nicht im Programm. Wir spielen "Morning Glory" und "Rock´n´Roll Star".

Gallagher: "Wonderwall" war nur für die Abschlussfeier der Olympischen Spiele, die umwerfend war. Mit einer Topbesetzung.

Bell: Wer so versessen darauf ist, Oasis-Stücke zu hören, sollte besser zu den Konzerten von Noel gehen. Denn wir versuchen, mit unserer neuen Band vorwärts zu kommen und auf unseren eigenen zwei Beinen zu stehen – oder besser: Auf unseren eigenen zehn.

Anders: Was erwartet uns demnach bei ihrer Tournee im Juli/August? Wie bringen sie diesen Space-Rock-Trip auf die Bühne?

Bell: Wir werden unser Bestes geben, um das sehr visuell umzusetzen. Mit Leinwänden und Kurzfilmen. Eben Material von der letzten Tour, aber auch Promovideos und Filme, die wir für die neuen Stücke drehen werden.

Anders: Wie psychedelisch wird das Ganze?

Gallagher: Es hat hoffentlich seine Momente. Was nicht heißt, dass es zu abgedreht wird. Ich meine, wir wollen ein paar Kameras an unseren Gitarren und am Mikro anbringen. Aber ansonsten soll es vor allem Biss haben. Im Sinne von: Hier wird ernsthafter Rock´n´Roll geboten.

Anders: Was, wenn sich "BE" als ähnlicher Flop erweist wie das Debüt von 2011? Wie würden sie darauf reagieren?

Gallagher: Dann werden wir trotzdem touren. Auch, wenn ich natürlich mächtig angefressen sein werde. Eben nach dem Motto: "Scheiß drauf!" Und wir haben genug Songs auf Halde, um noch ein weiteres Album zu machen. Vorher bräuchte ich allerdings eine kleine Pause.

Anders: Es wäre also nicht das Ende des Rockstars Liam Gallagher?

Gallagher: Nein, das wäre es nicht. Ich mache definitiv noch ein Album. Und was soll ich auch sonst tun? Ich würde mich ja zu Tode langweilen. Und deshalb wäre ich schnell wieder im Studio. Das ist schließlich mein Job.

Anders: Vielen Dank für das Gespräch.

Gallagher: Kein Problem.

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