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StartseiteInformationen am MorgenWeltfußballer an der Staatsspitze05.01.2018

LiberiaWeltfußballer an der Staatsspitze

Am 22. Januar soll der einstige Weltfußballer George Weah sein neues Amt antreten: Vergangene Woche hat er die Präsidentschaftswahl in Liberia gewonnen - es ist der erste friedliche Machtwechsel in mehr als 70 Jahren. In seiner ersten Ansprache sagte Weah der Korruption den Kampf an.

Von Stefan Ehlert

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George Weah spricht im April 2016 nach einer Wahlkampfveranstaltung der Partei Congress for Democratic Change (CDC) in Monrovia mit seinem Sitznachbarn  (dpa / epa / Ahmed Jallanzo)
Liberias Präsident und früherer Weltfußballer George Weah (dpa / epa / Ahmed Jallanzo)
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Aus dem Feiern kommen sie gar nicht mehr heraus, die Anhänger George Weahs auf den Straßen von Monrovia. An ihren Erwartungen wird er sich messen lassen müssen, der Weltfußballer, der es aus einem Armenviertel bis an die Staatsspitze gebracht hat.

Der Andrang beim ersten Auftritt nach der Wahl war so groß, dass Weah die Bühne vor dem Hauptquartier seiner Partei, der Koalition für demokratischen Wandel, aus Sicherheitsgründen verlassen musste, mit einem Stapel Zettel unterm Arm. Seine erste Rede als künftiger Präsident - er konnte sie an dem Tag nicht halten. Zuvor hatte ihm sein Widersacher gratuliert, Joseph Boakai, 73 Jahre alt, bisher Vizepräsident unter Afrikas erster gewählter Staatchefin Ellen-Johnson-Sirleaf. Er räumte seine Niederlage ein, machte den Weg frei für einen Generationswechsel.

Überwältigender Vorsprung

Das war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Liberias erstem friedlichen Machtwechsel in mehr als 70 Jahren - der Gegner gibt auf, auch wenn er dazu womöglich ein wenig gedrängt werden musste von Beratern aus dem mächtigen Nachbarland Nigeria.

Weahs Vorsprung bei der Stichwahl am zweiten Weihnachtstag war überwältigend, mit mehr als 61 Prozent der Stimmen hat er eine klare Legitimation für die Umsetzung seiner weit reichenden Versprechen - immer wieder hatte er betont, er wolle sein Land komplett umwandeln - aber demokratisch, ohne Gewalt.

Das Establishment entmachtet

Liberia selbst hat eine Geschichte der Gewalt, ihr fielen in zwei Bürgerkriegen bis 2003 rund 250.000 Menschen zum Opfer, während George Weah im Ausland Pokale sammelte. AS Monaco, Paris St. Germain oder AC Mailand, Weltfußballer und Afrikas Fußballer des Jahrhunderts - der heute 51 Jahre alte George Weah hat im Sport mehr erreicht als er je zu träumen gewagt hätte. Und nun das Establishment entmachtet.

Das hat in seinem von befreiten amerikanischen Sklaven gegründeten Staat noch immer den Ton angegeben. Zwei Mal verlor Weah bei Wahlen, er musste erst noch einen Schul- und einen Universitätsabschluss machen, bis sie ihn 2014 zum Senator wählten. Als Hinterbänkler hat er im Oberhaus kaum politisches Profil gewonnen, aber, sagt die liberianische Analystin Robtel Pailey.

Eine Säule von Weahs Sieg

Er gewann einflussreiche Verbündete, darunter die geschiedene Frau von Charles Taylor, dem zu 50 Jahren Haft verurteilten Ex-Machthaber.

"Jewel Howard-Taylor ist eine politische Waffe mit der zu rechnen ist, sie hat zwei Mal Senatorenwahlen gewonnen - sie ist die Exfrau des Ex-Präsidenten, aber sie hat sich ihre eigene politische Machtbasis geschaffen"

Ob sie nun der verlängerte Arm von Charles Taylor ist oder nicht - die designierte Vizepräsidentin ist in jedem Fall eine Säule von Weahs Sieg, denn sie hat ihm wichtige Wählerstimmen aus ihrem Lager zugeführt. Was macht er nun mit der Macht?

Schlechte Infrastruktur, schwaches Gesundheitssystem

Transforming the lives - er werde ihr Leben verbessern, kündigt er den rund 4,6 Millionen  Bürgern an, mit Investitionen in die Landwirtschaft und in die Infrastruktur. Liberia ist etwas größer als das deutsche Bundesland Bayern,  doch das Straßennetz ist so schlecht, dass viele Orte in der Regenzeit kaum erreichbar sind. Die große Mehrheit der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, obwohl Liberia reich ist an Bodenschätzen, Kautschuk, fruchtbaren Böden.

Von den Folgen der Ebolaepidemie mit mehr als 4000 Toten hat sich die Wirtschaft noch nicht erholt. Ebola hat dafür deutlich werden lassen, wie schwach etwa das Gesundheitssystem auch zehn Jahre nach dem Krieg noch aufgestellt war - für viele Wähler ein Grund mehr für den Machtwechsel.

Apell an Investoren

Als Weah seine Siegerrede dann doch noch hält, am nächsten Tag, diesmal im abgeschirmten Sitzungszimmer seiner Parteizentrale, da ist sie voll von Pathos und Gottesbezügen.

Jesus ist mit uns, sagt er wiederholt, lässt aber auch durchblicken, dass der Glaube allein nicht ausreichen werde, Liberia aus der Misere zu befreien.

An Investoren und die Landsleute im Ausland appellierte Weah, Liberia zu unterstützen. Auch an die Geber - sie finanzieren fast die Hälfte seines Staatshaushaltes. Ihnen versprach er, was werdende Staatschefs in Afrika oft sagen, effektive Maßnahmen gegen die Korruption.

Faulpelze und Leute, die das liberianische Volks betrügen wollen mit den Mitteln der Korruption, die haben bei uns keinen Platz. Am 22. Januar wird George Weah sein Amt antreten, dann muss er den Versprechungen Taten folgen lassen.

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