Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteOn StageHarmoniegesang mit gnadenloser Ironie23.06.2017

Liedermacher-Duo Simon & JanHarmoniegesang mit gnadenloser Ironie

Die beiden Liedermacher Simon & Jan sind unaufgeregt und räumen doch die einschlägigen Preise ab. Ihr aktuelles, drittes Programm heißt "Halleluja!", ist inhaltlich bissig und hochmusikalisch, aber weit entfernt von ernst gemeinter religiöser Lobpreisung.

Am Mikrofon: Thekla Jahn

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Die beiden Musiker des Duos Simon&Jan sitzen auf der Bühne mit ihren Gitarren und singen (Thekla Jahn)
"Jede Minderheit hat das Recht darauf, diskriminiert zu werden": Simon & Jan auf dem Theaterkahn Dresden (Thekla Jahn)

Diese Sendung können Sie nach Ausstrahlung sechs Monate nachhören.

"Ihr kennt doch sicher diesen Satz: Vergesst bitte nie, wo ihr herkommt. Ihr müsst immer an Eure Wurzeln denken. Und wir haben uns gedacht: Was soll denn das? Oldenburg?"

Jan Trajan schaut Simon Eickhoff an und die beiden Liedermacher müssen schmunzeln, denn sie leben immer noch in ihrer Heimatstadt Oldenburg, wo sie sich zu Beginn ihres Musiklehrerstudiums kennengelernt haben und erstmals mit ihren akustischen Gitarren und selbstgeschriebenen Texten auftraten. Die Chemie des Duos stimmt: Der sprachgewitzte Jan Trajan singt die erste Stimme. Simon Eickhoff konzentriert sich auf die musikalischen Arrangements und singt die zweite Stimme.

In den vergangenen Jahren haben Simon & Jan die einschlägigen Liedermacher- und Musikkabarett-Preise in Deutschland abgeräumt, vom Troubadour über den Prix Pantheon bis zum Deutschen Kleinkunstpreis. Das Erfolgsrezept der beiden Gitarristen: unverschämt böse und kluge Texte zu einem Harmoniegesang, der meist von zartem Vibrato und larmoyanten Tönen bestimmt wird.

Kein erhobener Zeigefinger

Simon und Jan sind nicht explizit politisch und hinterfragen doch den gesellschaftlichen Status Quo. Sie standen schon mit deutschen Liedermachern wie Konstantin Wecker auf der Bühne, die mit viel Herzblut, Engagement und unverblümten Texten unterwegs sind. Doch diese Form des Ausdrucks sei für sie persönlich nicht mehr angemessen.

"Es gab irgendwann so einen großen Bruch zwischen diesen alten Liedermachern – ja sie sind auch alt , man kann es so sagen  und es kam eine jüngere Generation mit Götz Widmann und den Monsters of Liedermaching, die gesagt haben: diesen erhobenen Zeigefingergestus, den wollen wir nicht auf die Bühne bringen und wir ersetzen ihn durch den Mittelfinger. Das finde ich sehr sympathisch, aber bei uns geht es in eine ganz andere Richtung, wir gehen nicht mit dem Mittelfinger auf die Bühne."

"Jede Minderheit hat das Recht darauf, diskriminiert zu werden"

Die offensichtliche, lärmende Geste ist nichts für sie. Auch wenn Simon und Jan ihre ersten Konzerte zum Teil als Support für Götz Widmann und Monsters of Liedermaching gespielt haben, fanden sie doch schnell ihren eigenen Weg der leisen Töne und Nuancen gefunden. Ihr Harmoniegesang zur akustischen Gitarren lässt an Simon und Garfunkel denken, aber nur solange man bei den Texten nicht genau hinhört: Darin wird gnadenlos ironisiert, Simon und Jan schonen keinen, weder andere noch sich selbst und von political correctness halten sie nicht viel.

"Also ich bin der festen Überzeugung jede Minderheit hat das Recht darauf diskriminiert zu werden. (Lachen) Es gibt ein schönes Stromberg-Zitat, sein Humor würde sich gegen alle richten, gegen alle gleichermaßen: gegen Frauen, gegen Schwarze, Sein Humor sei demokratisch und dagegen könne man ja wohl überhaupt nichts sagen."

In diesem Sinne spielten Simon und Jan bei ihrem Dresdner Konzert vor allem Ausschnitte aus ihrem dritten Programm Halleluja. Simon Eickhoff hatte seine Loopstation dabei und ergänzte die akustischen Arrangements ab und zu mit Loops live eingespielter rhythmischer oder melodischer Fragmente. Er setzt diese elektronischen Effekte sparsam ein ganz getreu dem Motto des Duos: "Weniger ist mehr".

Aufnahme vom 9.6.17 auf dem Theaterkahn, Dresden

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