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StartseiteVerbrauchertippStrampeln und gleichzeitig entspannen?08.08.2017

LiegefahrradStrampeln und gleichzeitig entspannen?

Liegefahrräder gelten als exotisch - etwas für Spezialisten, für Bastler. Außerdem sollen sie aufgrund der niedrigen Sitzhöhe im Straßenverkehr besonders gefährdet sein. Doch stimmt das überhaupt und was gilt es bei der Erstanschaffung zu beachten?

Von Maike Strietholt

Ein Messebesucher testet am 16.04.2016 auf der Fahrradmesse VELOBerlin in Berlin auf einem Indoorparcour ein Liegefahrrad.  (dpa / picture alliance / Gregor Fischer)
Die Preise für Liegeräder sind sportlich: Dreirädern kosten neu etwa 1.500 Euro aufwärts. (dpa / picture alliance / Gregor Fischer)
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"Du kannst halt mit gleicher Kraft schneller fahren, du hast eben auch diese ganzen Wehwechen, die du auf dem normalen Rad hast, nicht, wo nach hundert Kilometern Handgelenke weh tun, Schultern, der Nacken..." - "Der Popo! - "Ja, dass das alles taub wird. Das hast du halt auf dem Liegerad nicht. Das macht einfach Spaß!"

Morten und Andrea vom Hamburger Liegeradstammtisch machen deutlich: Liegeradeln ist etwas für Genießer. Die beiden fahren 10.000 bis 15.000 Kilometer jährlich und besitzen für die Nutzung im Stadtalltag, am Wochenende oder auf Reisen gleich mehrere Räder. Denn Liegerad ist nicht gleich Liegerad - das betont auch Bernd Bleckmann vom Liegeradstudio in Hamburg.

"Wenn ich richtig schnell fahren möchte, muss ich zusehen, dass ich die Stirnfläche klein kriege, und dazu ist es natürlich günstig, möglichst tief zu sitzen – und die Arme möglichst vor den Körper zu kriegen. Und sagen wir mal der Genussfahrer, der hat gerne den Untenlenker, lässt die Arme baumeln. Das kann durchaus ein Zweirad sein, oder auch ein Dreirad."

Auf zweirädrigen Liegerädern kann es gerade am Anfang auch etwas kipplig sein. Händler Bleckmann empfiehlt aber ohnehin ausführliche Testfahrten: Verschiedene Lenkerpositionen und Liegehöhen, Sitze mit oder ohne Kopfstütze, Modelle mit Gepäckträgersystemen, die sich dann auch als Reiserad eignen - es ist für jeden Bedarf etwas dabei. Und Reparaturspezialist braucht niemand zu sein: Liegeräder bestehen überwiegend aus Standardbauteilen, die in jedem Fachgeschäft erhältlich sind.

Position mit Vorteil

Eine wiederkehrende Frage ist die nach der Sicherheit von Liegerädern im Straßenverkehr. Alexander Kraft vom größten deutschen Hersteller, HP Velotechnik aus Hessen, hat dazu eine klare Haltung.

"Die Konstruktionsweise von einem Liegerad ist ziemlich gut geeignet, um Unfälle zu vermeiden. Der Fahrer hat einen sehr entspannten Panoramablick – im Verkehr ist das natürlich perfekt, um sehr vorausschauend zu fahren. Der Aufrechtradler dagegen hat seinen nach vorne, unten gerichtet – sein Sichtfeld ist elso eher eingeschränkt."

Zudem seien die Unfallfolgen oftmals weitaus geringer als beim Aufrechtradeln.

"Eine typische Unfallsituation: Wenn man so auf dem Radweg langfährt und plötzlich die Autotür aufgeht, rasselt man da rein. Der Aufrechtradler geht dann in der Regel über den Lenker ab - mit meist ziemlich üblen Folgen. Der Liegeradler hat quasi einen Meter Knautschzone. Er hat ja in Beinlänge vor sich das Tretlager – das ist es, was dann in die Autotür reinrauscht."

Und was die Sichtbarkeit hinter parkenden oder fahrenden Autos angeht: Dort seien angesichts der zunehmenden Zahl großer SUVs im Stadtverkehr auch Aufrechtradler oftmals schwer zu sehen, weswegen Alexander Kraft Wimpel an allen Rädern für eine gute Idee hält.

Ein Gebrauchtes tut es erst mal auch

Die Preise für Liegeräder beginnen bei sportlichen Trikes, also Dreirädern, bei 1.500 Euro aufwärts; reisetaugliche Liegeräder sind ab circa 2.500 Euro zu haben. Es muss beim Erstkauf aber ja auch nicht gleich ein neues Rad sein - findet Christoph Hipp vom Spezialradverband Human Powered Vehicles, kurz HPV.

"Meine Empfehlung ist, sich erst einmal gebraucht Liegeräder zu kaufen. Man kann nach ein oder zwei Jahren das Liegerad mit relativ wenig Wertverlust gebraucht wieder weiter verkaufen - und man tastet sich dann langsam an das Fahrzeug heran, mit dem man am besten zurechtkommt. Ein guter Preis für einen guten Kompromiss: 1.200 bis 1.500 Euro."

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