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StartseiteEuropa heuteDie älteste Buchhandlung der Welt24.12.2014

Livraria Bertrand Die älteste Buchhandlung der Welt

Die "Livraria Bertrand" wurde 1732 in Lissabon eröffnet und ist damit die älteste Buchhandlung der Welt. Sie hat bisher alle Krisen überlebt: das Erdbeben, den Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert, die Revolutionen des 20. Jahrhunderts und aktuell die Schuldenkrise Portugals. Zeitweise gehörte sie sogar zum Bertelsmann-Konzern.

Von Tilo Wagner

Ein Blick in die Livraria Bertrand in Lissabon - die älteste Buchhandlung der Welt. (imago/Paul Spranger/GlobalImagens)
Ein Blick in die Livraria Bertrand in Lissabon - die älteste Buchhandlung der Welt. (imago/Paul Spranger/GlobalImagens)

Lissabons mondäner Stadtteil Chiado ist weihnachtlich geschmückt. Der Geruch von gerösteten Kastanien liegt in der Luft. Touristen und Einheimische schlendern durch die Fußgängerzone. Einige von ihnen finden ihren Weg in eine ganz besondere Buchhandlung. Auf den Holzregalen in den alten Gemäuern, die sich wie ein langer Schlauch tief in den Altbau ziehen, sucht Jurastudentin Mariza Gomes ein passendes Weihnachtsgeschenk:

"Ich bin ein Bücherwurm. Ich komme hierher, weil die Buchhandlung sehr alt und sehr schön ist. Hier fühlt man noch etwas vom traditionellen Buchhandel. Das ist hier nicht irgendein Geschäft in irgendeinem Shoppingcenter, sondern es ist ein Wahrzeichen unserer Altstadt und die Eigentümer geben sich Mühe, das Alte zu bewahren. Heutzutage dreht sich ja alles nur noch um den Computer und elektronische Medien. Ich bin da anders. Ich mag es, das Papier zwischen den Fingern zu spüren."

Ganz so alt wirkt die älteste Buchhandlung der Welt auf den ersten Blick gar nicht. Das liegt auch daran, dass die alten Holzmöbel gerade frisch restauriert wurden.

Der Geruch der Jahrhunderte schwebt im Raum

Catarina de Novais zieht ein Regal zur Seite, dahinter tut sich ein Hohlraum auf. Hier habe man bei den Renovierungsarbeiten zufällig wertvolle erste Editionen von bekannten portugiesischen Autoren gefunden, erzählt die Verkaufsleiterin des Verlagshauses Bertrand, das neben der Buchhandlung im Chiado noch weitere 52 Läden in ganz Portugal betreibt.

"Diese Buchhandlung hat ihre Türen immer geöffnet gehabt. Erst war das Geschäft ein paar Meter weiter die Straße hinunter. Dann kam das schwere Erdbeben von 1755, aber auch das hat die Buchhandlung gut überlebt. Ein paar Jahre später sind die Eigentümer dann in dieses Haus gezogen und seitdem ist der Laden hier. In diesen Holzmöbeln steckt also der Geruch der Jahrhunderte. Die Buchhandlung war schon immer ein Treffpunkt für Intellektuelle, Literaten und Dichter, die seit langer Zeit den Chiado geprägt haben."

Weihnachtsgeschäft ist Gratmesser

Nicht nur Erdbeben, Revolutionen und Stadtbrände hat die Buchhandlung Bertrand unbeschadet überstanden. Auch so manche Wirtschaftskrise. So wie das ganze Land hat auch der Buchhandel in den vergangenen Jahren schwer gelitten. Seit 2004 musste fast jeder fünfte Buchladen in Portugal seine Türen schließen, allein im vergangenen Jahr sind die Einnahmen der Verlage noch einmal um knapp fünf Prozent zurückgegangen.

Seit ein paar Monaten hellt sich die Stimmung in der portugiesischen Wirtschaft jedoch wieder auf, und auch Catarina de Novais hofft, dass das Schlimmste nun überwunden ist:

"In jüngster Zeit laufen die Geschäfte wieder etwas besser. Aber wir müssen abwarten. Das Weihnachtsgeschäft ist ausschlaggebend dafür, ob es ein gutes oder weniger gutes Jahr wird. Und die Portugiesen sind dafür bekannt, dass sie ihre Einkäufe auf den letzten Drücker erledigen."

Die Buchhandlung Bertrand auf der Rua Garrett in Lissabon - die älteste Buchhandlung der Welt. (imago/Paul Spranger/GlobalImagens)Die Buchhandlung Bertrand auf der Rua Garrett in Lissabon - die älteste Buchhandlung der Welt. (imago/Paul Spranger/GlobalImagens)

Für gute Zahlen könnten in der Buchhandlung im Chiado auch die Touristen sorgen. Schließlich erlebt Lissabon ein Rekordjahr – so viele Besucher kamen noch nie in die portugiesische Hauptstadt.

Sunil ist mit seiner Tochter Natascha und seiner Enkelin aus Sri Lanka nach Lissabon gereist. Über das Geschäft im Chiado hatte Natascha im Internet gelesen. Jetzt schaut sie auf das nagelneue Paket und die bunten Bestsellerumschläge auf den Warentischen.

So modern hätte sie sich die älteste Buchhandlung der Welt nicht vorgestellt, sagt sie. Ein bisschen Enttäuschung schwingt mit.

Noch scheint nicht ganz klar, wie die Verlagsgruppe Bertrand mit dem Jahrhunderte alten Erbe ihrer Buchhandlung umgehen will. Doch Verkaufsleiterin Catarina de Novais hat schon eine Idee, wie sie das Lissabonner Publikum langfristig an den Laden binden will:

"Im nächsten Jahr wollen wir im hinteren Teil der Buchhandlung ein Café und einen Veranstaltungsraum eröffnen. Hier im Chiado ging es schon immer darum, zu diskutieren und Ideen auszutauschen. Und dazu soll auch unsere Buchhandlung in Kürze wieder aktiv beitragen."

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