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Big-Data-Projekte zwischen Transparenz und Datenschutz

Von Wolfgang Noelke

Häufig werden Benutzerprofile sozialer Netzwerke ausgewertet, ohne dass die Eigentümer der Daten etwas davon erfahren.
Häufig werden Benutzerprofile sozialer Netzwerke ausgewertet, ohne dass die Eigentümer der Daten etwas davon erfahren. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Unter den Begriffen "Datamining" und "Big Data" wird das Auswerten großer Datenmengen verstanden – meist mit dem Hintergedanken des Profits. Sobald aber persönliche Angaben in eine solche Analyse einfließen, könnte eine moralische und juristische Grenze überschritten sein. So sehen das zumindest viele Datenschützer.

Das Internet ist eine Goldgrube, deren Schätze – wenn sie frei verfügbar sind – nur gehoben werden müssen. Neue Analysemethoden verwerten alles, in diesem Beispiel neben meteorologischen und biologischen Daten sicher auch Textanalysen der Chat-Protokolle von Landwirten:

"In den USA, im Agrarministerium, werden größere Datenmengen zusammengeführt, um Pflanzenzüchtung zu optimieren. Das wird nicht nur in den USA gemacht, sondern zum Beispiel auch in Deutschland, wo diese Art von Züchtungsforschung mithilfe von Daten gemacht wird. Insbesondere geht es darum, Schädlingsresistenzen mit entsprechenden Mustern im Erbgut der Pflanzen miteinander zu kombinieren und dann die bestmögliche Pflanzenresistenz zu finden."

Algorithmen, die scheinbar belanglose Zufallsdaten ähnlich aufbereiten wie Daten, die für die Wettervorhersage wichtig sind, so Andreas Nold, vom Softwarehaus SAS, wären inzwischen in der Lage, am sozialen Verhalten größerer Bevölkerungsgruppen relativ genaue Wirtschaftstrends vorhersagen:

"Durch die Untersuchung von Social Media ist aufgefallen, dass Mobilität zurückgegangen ist, der Kauf von verschiedenen Produkten hat sich verändert, im Vorfeld zu einer dann folgenden Arbeitslosigkeit. Und interessant war dann, dass man diese Kriterien jetzt benutzen kann, um Prognosen zu machen, wie sich gegebenenfalls Arbeitssituationen entwickeln werden."

Wenn also viele Mitglieder sozialer Netzwerke plötzlich vormittags und außerhalb der Urlaubszeit chatten, sich gleichzeitig nicht mehr so oft in Lokalen oder Kinos "einchecken", weniger tanken oder sogar das Auto verkaufen, ist dies ein Warnsignal für regionale Arbeitslosigkeit. Am, im Text sozialer Netzwerke auftauchender Schlüsselworte, wie "Grippe" oder das Googlen nach bestimmten Medikamenten, alarmiert inzwischen die Pharmaindustrie. Die Produktion bestimmter Medikamente wird hochgefahren.

Ausgewertet werden immer mehr persönliche Daten, ohne dass zum Beispiel die Eigentümer der Daten etwas davon erfahren. Noch bedenklicher sei es, so der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, dass die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei, aus dem Berg anonymisierter Daten wieder ein genaues Profil einzelner Personen herzustellen, die zum Beispiel trotz Anonymisierung an ihrem Schreibstil oder Surfverhalten erkennbar seien:

"Es sind häufig nicht die offensichtlichen Identifikationsdaten, die die Identifikation ermöglichen, zum Beispiel der Name oder die Versicherungsnummer, sondern es sind ganz harmlose Informationen, wie Browsersettings, Spracheinstellungen, bestimmte Nutzungsgewohnheiten und Ortsangaben, die es dann ermöglichen, zu sagen, das ist diese oder jene Personen und die verschiedenen Daten gehören zusammen."

Hier bedarf es einer frühen Anonymisierung, möglichst beim ersten Datensammler. Diese Provider sollten ihren Webauftritt deutlich kennzeichnen fordert Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband:

"Niemand von uns hat Lust und Zeit, bei jedem Cookie, der im Internet gesetzt wird, seine Zustimmung zu erklären. Und deswegen fordern wir ja, dass statt ellenlanger allgemeiner Geschäftsbedingungen wenige aussagekräftige Symbole mehr helfen, - auch für mich herauszufinden, hat diese Nutzung, dieses soziale Netzwerk, dass meine Daten haben will, das Unternehmen, das meine Daten haben will - ist das mit einem hohen Risiko verbunden, aus Datenschutzgründen oder einem geringeren Risiko? Deswegen glaube ich, das sind lösbare Fragen."

Transparenz sei oberste Providerpflicht, zumal, so Gerd Billen die Provider inzwischen eine Auskunftspflicht hätten, welche persönliche Daten sie denn zu welchem Zweck gespeichert hätten:

"Wir haben ja lange gebraucht, bis wir uns erfolgreich durchgesetzt haben, dass ich das Recht habe, bei Kredit vergeben an, bei der Schufa herauszufinden, was weiß ein Kreditvergeber über mich? Auch um zu kontrollieren, ob die Angaben stimmen. Das heißt, das kann nur mit Zustimmung erfolgen und auch jede Art von Profilbildung kann nur mit Zustimmung erfolgen. Das kann nicht so sein, nach dem Motto, es geht um einen Goldrausch und die Daten sind die neuen Goldschätze. Ja, aber solange sie unter meiner Erde liegen, möchte ich entscheiden, was damit geschieht und deswegen brauchen wir hier vor allem auf europäischer Ebene eine gute Datenschutzverordnung, die dafür sorgt, dass die Leitplanken gesichert sind. Dann kann man über vieles reden."



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