• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteForschung aktuellLösungen für ein technikverliebtes Land02.12.2010

Lösungen für ein technikverliebtes Land

Japans Forschung im Deutschlandfunk

Dass Japan irgendwie besonders ist, muss man niemandem erklären. Aber ist auch die Forschung in Japan anders als in Deutschland und Europa? Gehen die Wissenschaftler anderen Fragestellungen nach oder beschreiten sie auf der Suche nach Antworten ungewöhnliche Wege? Für "Forschung aktuell" werfen Jenny von Sperber und Thomas Reintjes einen Blick in Institute und Labore in diesem vermeintlich technikverliebten Land.

Die Begeisterung für alles Technische ist in Japan weit verbreitet. (AP)
Die Begeisterung für alles Technische ist in Japan weit verbreitet. (AP)

Die Autorin Jenny von Sperber fühlte sich bei ihren Recherchen in Japan so, als werfe sie einen Blick in die Zukunft: "Ich schaute tauchenden Robotern zu, die selbst entscheiden wo sie hin schwimmen. Ich kletterte auf Beobachtungstürme mitten im Wald, wo Roboterkameras die Baumwipfel filmen." Von weiteren Eindrücken aus Japan berichten sie und ihr Kollege Thomas Reintjes in:

"Wissenschaft im Brennpunkt: Ein Automat zum Kuscheln. Mit Robotern gegen den Pflege-Notstand"


Die japanische Regierung hat seit 2002 verschiedene Maßnahmen zur Entwicklung einer von Robotern unterstützten Gesellschaft ergriffen. In Deutschland ist der Diskurs zu solchen technischen Lösungsansätzen sehr kontrovers, insbesondere in Bezug auf Roboter als Partner. Dabei wäre eine offenere Debatte auch hier notwendig, denn laut einer Statistik der Vereinten Nationen sind Japan und Deutschland die am schnellsten alternden Gesellschaften weltweit.


Forschung in Japan: Roboter für den Alltag



Die Roboterrobbe Paro wird in japanischen Altenheimen eingesetzt. (Thomas Reintjes)Paro hilft (Thomas Reintjes)Seit 2002 befasst sich ein nationales Forschungsprojekt mit der roboterunterstützten Therapie. Der demographische Wandel hat vor allem die Frage aufgeworfen, wie alternden Belegschaften und älteren Menschen im Allgemeinen geholfen werden kann. Autor Thomas Reintjes: "Die Roboter-Robbe Paro kommt bereits als therapeutisches Mittel in einigen Pflegeheimen zum Einsatz, nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland."

Forscher an der Universität von Tokio haben eine Mensch-Maschine-Schnittstelle entwickelt, mit der Querschnittsgelähmte alleine mit ihren Gedanken einen Rollstuhl bewegen können. Mit Ratten haben sie das im Labor erfolgreich zeigen können.

Unter der Vorgabe preisgünstig und hoch effizient die Lebensqualität motorisch beeinträchtigter Menschen deutlich zu verbessern haben Wissenschaftler des Instituts für intelligente Systeme in Tokio einen Service-Roboter entwickelt, der einen Arm ohne Gelenk besitzt. Er operiert gefahrlos an der Seite eines Rollstuhlfahrers. Bei Gelenkarmen besteht eine hohe Verletzungsgefahr.

Zum Beitrag


"Forschung aktuell: Forschung in Japan"

Autonome Unterwasserfahrzeuge sind eine Spezialität der japanischen Forscher. (Jenny von Sperber)Autonom unter Wasser (Jenny von Sperber)Tauchroboter, die im Meer da Jobs ausüben, wo ein Mensch nicht arbeiten kann, die entwickelt der Ingenieur Tamaki Ura. Sie kartografieren den Meeresboden in 2000 Meter Tiefe, vermessen Bodenschätze, und beobachten die Verbreitung von Meerestieren. Autonome Fahrzeuge für die Tiefsee zu entwickeln ist ähnlich schwierig wie die Konstruktion von Flugkörpern für den Weltraum. Beides sind Einsatzgebiete, die wegen ihrer Unzugänglichkeit wie geschaffen sind für autonom handelnde Roboter.

<strong>Zum Beitrag</strong>

Katsufumi Sato zeigt einen Biologger. (Jenny von Sperber)Katsufumi Sato zeigt einen Biologger. (Jenny von Sperber)Pinguine in der Antarktis, Aale in Indonesien, Meeresschildkröten in Japan – sie tragen alle schon kleinste elektronische Geräte, so genannte Biologger, Sensoren für Tempo, Temperatur, Bewegung. Sie können gar Videos aufnehmen. Katsufumi Sato ist ein Wissenschaftler, der Biologger mitentwickelt und für Projekte den Tieren anheftet.


<strong>Zum Beitrag</strong>

Autorin Jenny von Sperber mit Roboterkamera über japanischen Wipfeln (Jenny von Sperber)Über Wipfeln (Jenny von Sperber)Bei der allgegenwärtigen Technik in Japan passt es nicht so richtig ins Bild, dass rund 65 Prozent des Landes von Wald bedeckt ist. Natur pur, die Akio Fujiwara auch gerne dahin bringen möchte, wo die Menschen heute leben: in die Stadt. Zwischen Asphaltplätzen und betonierten Hochbahnen entsteht mit modernster Technik das Projekt Cyberforest.


Zum Beitrag

Blick auf die japanische Hauptstadt Tokio (Stock.XCHNG / Eugenie Koo)Blick auf die japanische Hauptstadt Tokio (Stock.XCHNG / Eugenie Koo)Japan ist wegen seiner Lage entlang des Pazifischen Feuerrings besonders von Erdbeben bedroht. Ein schweres Beben im Ballungsraum Tokio kann direkt Zehntausende Opfer kosten und Schäden in Billionen Höhe verursachen. Die Japaner haben deswegen 2006 ein Frühwarnsystem entwickelt, das von der Industrie und inzwischen auch von der Bevölkerung genutzt werden kann.


Zum Beitrag


Ein OP-Saal im Erdbebensimulator vom National Research Institute for Earth Science and Desaster Prevention, Miki, Japan (Jenny von Sperber/dradio)Ein OP-Saal im Erdbebensimulator vom National Research Institute for Earth Science and Desaster Prevention, Miki, Japan (Jenny von Sperber/dradio)Erdbebensichere Gebäude und Einrichtungen sind in Japan wegen seiner exponierten Lage überlebenswichtig. Das gilt insbesondere für Krankenhäuser, die im Falle eines Bebens wie 1995 in Kobe Tausende von Verletzten versorgen müssen. Im größten Erdbebensimulator der Welt, genannt E-Defense, werden fünfstöckige Gebäude auf ihre Bebenfestigkeit getestet.



Zum Beitrag


Eine weiße Laborratte wird in einem Labor in Freiburg vorbereitet für eine genetische Immunisierung, eine Impfung mit kleinen Goldkügelchen, an die Genmaterial angekoppelt ist. (AP Archiv)Eine weiße Laborratte wird in einem Labor in Freiburg vorbereitet für eine genetische Immunisierung, eine Impfung mit kleinen Goldkügelchen, an die Genmaterial angekoppelt ist. (AP Archiv)In einer alternden Gesellschaft könnten Roboter Dementen, Behinderten und Pflegebedürftigen ein selbstständigeres Leben ermöglichen. Eine zentrale Frage dabei: Wie sollen die Alten die Technik bedienen? Woher weiß die Maschine, was der Mensch will? Wissenschaftler in Tokio arbeiten an einer Mensch-Maschine-Schnittstelle, die direkt am Gehirn ansetzt.


Zum Beitrag



"Weitere Eindrücke aus dem Reich der aufgehenden Sonne"


Tsunemi Kubodera zeigt eine eingelegten Kalmar. (Jenny von Sperber)Tsunemi Kubodera (Jenny von Sperber)Forschung aktuell: 09.12.10: Herr der Kalmare
Die Riesenkalmare der Tiefsee gehören zu den sagenumwobenen Vertretern ihrer Ordnung. Außer ihren Schnäbeln kennt man kaum etwas von ihnen. Tsunemi Kubodera jedoch, vom japanischen Nationalmuseum für Natur und Wissenschaft, hat sie bereits mehr als einmal in Aktion gesehen. Jenny von Sperber hat Kubodera in seinem Labor besucht.


Der japanische Konzern Toyota hat diesen Geige spielenden Roboter gebaut. (AP)Der japanische Konzern Toyota hat diesen Geige spielenden Roboter gebaut. (AP)Forschung aktuell: 07.12.10: Mensch-Maschine
Roboter nehmen in Japan einen größeren Stellenwert ein als überall sonst auf der Welt. Die elektronischen Geschöpfe sind in der japanischen Gesellschaft meist positiv konnotiert. Wie kommen Mensch und Maschine miteinander aus? Das Deutsch-Japanische Zentrum Berlin veranstaltete in der zweiten Dezemberwoche 2010 ein Symposium zu diesem Thema. Im Interview mit Arndt Reuning spricht eine der Organisatorinnen, die Kulturwissenschaftlerin Cosima Wagner von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, über die Hintergründe der japanischen Robotersympathie.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk