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LouisianaNeuer Fall von Polizeigewalt in USA

Ein neu gemaltes Wandbild von Alton Sterling in Baton Rouge. (AP / Gerald Herbert)
Unmittelbar nach seinem Tod wurde dieses Wandbild in Baton Rouge angefertigt, das Alton Sterling zeigt. (AP / Gerald Herbert)

Alton Sterling stirbt, als er CDs verkauft. Und wieder ist ein Schwarzer Opfer eines Polizeieinsatzes in den USA geworden. Und wieder sorgt ein Video von dem Zwischenfall für Empörung. Das US-Justizministerium leitete Ermittlungen ein.

Baton Rouge, Louisiana. Der 37-jährige Alton Sterling steht vor einem Laden und verkauft CDs. Polizisten treten an ihn heran, nachdem ihnen per Notruf ein Bewaffneter gemeldet worden war, der jemanden vor dem Geschäft bedrohe. Es kommt zu einem Handgemenge. Einer der Polizisten eröffnet das Feuer. Sterling stirbt an mehreren Schusswunden. Das wird später aus dem Obduktionsbericht hervorgehen.

Nach dem Tod des Afroamerikaners schalteten die Behörden im Bundesstaat Louisiana aus Sorge vor sozialen Spannungen das US-Justizministerium ein. Es solle Ermittlungen zu möglichen Verstößen gegen Bürgerrechte leiten, sagte Gouverneur John Bel Edwards. Es sei noch unklar, was genau passiert sei, fügte der Polizeichef von Baton Rouge, Carl Dabadie Jr., hinzu. Er erklärte allerdings, Sterling sei bewaffnet gewesen. Ob oder welche Rolle diese Waffe bei dem Polizeieinsatz gespielt hat, ist nach Zeugenberichten unklar.

Proteste der Bewegung "Black Lives Matter"

Der mit einem Handy gefilmte Zwischenfall hatte Proteste der Bewegung "Black Lives Matter" ausgelöst. Gouverneur Edwards sagte, Videoaufnahmen von dem Zwischenfall seien "gelinde gesagt verstörend". Er verstehe, dass Demonstranten empört seien. Zugleich rief er zur Ruhe auf.

In dem Handyvideo ist zu sehen, wie einer von zwei Polizisten vor dem Laden einen Mann in rotem T-Shirt niederreißt und ihn zu Boden ringt. Der zweite Beamte hilft ihm, ihn festzuhalten. Dann ist in dem Video zu hören, wie jemand schreit: "Er hat eine Waffe, er hat eine Waffe." Einer der Polizisten zieht daraufhin seine eigene Pistole, es wird gebrüllt und schließlich erklingt ein Schuss. Die Kamera schwenkt weg und vier weitere Schüsse sind zu hören.

Der Ladenbesitzer Abdullah Muflahi veröffentlichte später ein Handyvideo, das er nach eigenen Angaben aus einem anderen Winkel aufgenommen habe. Alton Sterling habe während der Auseinandersetzung keine Waffe getragen, sagte er. In seinem Video ist zu sehen, wie ein Polizist in die Tasche von Sterling greift und einen Gegenstand herauszieht. Muflahi sagte, es sei eine Waffe gewesen. Weitere Erkenntnisse erhofft man sich über die Sicherheitskameras des Ladens, die von der Polizei konfisziert wurden.

Polizisten vorläufig beurlaubt

Polizisten in den USA tragen üblicherweise Kameras am Körper, um ihre Einsätze zu dokumentieren. Die Abgeordnete Denise Marcelle, die die Proteste in Baton Rouge anführte, sagte, die Polizei behaupte, die Kameras der Polizisten seien im Handgemenge heruntergefallen. Sie könne auf dem Handyvideo aber nichts davon erkennen. Die zwei Polizisten wurden vorläufig beurlaubt, sie waren seit drei beziehungsweise vier Jahren im Dienst.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton sprach von einer Tragödie und beklagte ähnliche Vorfälle tödlicher Polizeieinsätze gegen Dunkelhäutige. Das Vertrauen in die Polizei müsse wiederhergestellt und der Gerechtigkeit Genüge getan werden. Dazu seien Reformen nach gesundem Menschenverstand nötig: Auf ethnischen Merkmalen von Verdächtigen basierende Polizeiaktionen müssten aufhören und Beamte besser in der Deeskalation und dem Abbau unbewusster Vorurteile geschult werden, forderte Clinton.

(tgs/nin)

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