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StartseiteUmwelt und VerbraucherSchimmel in Wohnungen vermeiden15.09.2017

LüftungsanlageSchimmel in Wohnungen vermeiden

Gute Dämmung und die luftdichte Bauweise moderner Häuser sorgen zwar für eine Reduzierung der Wärmeverluste, aber auch für ungenügende Lüftung. Daraus resultiert häufig stickige Raumluft und im Extremfall sogar Feuchtschäden und Schimmelpilzbefall im Gebäude. Eine automatische Wohnungsbelüftung kann für Abhilfe sorgen.

Von Kai Rüsberg

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Schimmelpilz an der Wand einer Wohnung (imago / Felix Jason)
Durch Feuchtigkeit vom Waschen, Duschen oder Kochen entstehen Feuchteprobleme in Häusern, weshalb sich Schimmel bilden kann (imago / Felix Jason)
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Sven Hülsmann ist eigentlich Heizung-/Gas-/Wasserinstallateur in Dortmund. Doch in den letzten Jahren kommen immer mehr neue Aufträge hinzu: Anlagen für die Wohnungslüftung, die für frische und trockene Luft sorgen sollen.

"Was der Mensch schon an Wasser verliert in einer Nacht, wissen wir und das ist das. Wenn ich die freie Lüftung nicht habe, die denken nicht drüber nach. Die erste Aussage ist immer, wenn Mieter sich beim Vermieter melden, ich habe Schimmel: Hören sie auf die Wäsche im Haus zu trocknen, lüften Sie gefälligst besser, ist die Grundaussage die kommt, jedes Mal."

Menschen dünsten pro Tag etwa 1 Liter Wasser aus. Dazu kommt die Feuchte vom Waschen, Duschen, Kochen oder von Pflanzen. Durch die Wärmeschutzisolierungen vieler Häuser entstehen zunehmend Feuchteprobleme, weil sie nicht mehr durch die Fensterritzen oder Mauerfugen abgeführt wird. Billig ist so eine Umrüstung auf eine Lüftungsanlage nicht, rechnet Hülsmann mit seinem Gesellen Mike Weber anhand seines jüngsten Auftrages in einem Einfamilienhaus nach:

"Die Letzte, wo lag die Mike? So ungefähr bei 14.000, 15.000 mit Montage."

"Das war ein zweistöckiges Haus mit ausgebautem Dachboden und dort haben wir dann auch das Gerät aufgehangen. Von da aus haben wir Durchbrüche gemacht in die erste Etage und bis in den Deckenbereich des Erdgeschosses und von da aus können wir dann immer verteilen in die verschiedenen Räumen."

Technik nach 30 Jahren ausgereift

Grundsätzlich gibt es zwei Bauformen: eine zentrale Anlage im Keller oder Dachboden, die alle Räume über Luftschläuche oder Rohre zentral versorgt. Oder kleine dezentrale Anlagen, die in jedem Raum eingebaut werden und über die Fenster oder Außenwände direkt lüften.

Die Geräte wurden ursprünglich vor allem für Niedrigenergiehäuser entwickelt. Inzwischen gibt es zahlreiche erfahrene Hersteller, sagt Jörg Köntopp vom Europäischen Testzentrum TZWL:

"Die Technik ist weit über 30 Jahre, mittlerweile denke ich kann man ohne Probleme von einer ausgereiften Technik sprechen. Die Entwicklung der Geräte ist immer weiter vorangeschritten, insofern denke ich, ist es auf jeden Fall Stand der Technik die Wohnungslüftung und nicht mehr in den Kinderschuhen."

Das Testzentrum in Dortmund kontrolliert die Geräte auf Einhaltung der in Bauvorschriften geforderten Gütezeichen. Wichtig für Verbraucher ist dabei besonders die Wärmerückgewinnung: Die verbrauchte ausströmende Luft erwärmt die Frischluft von Außen.

Prüfzeichen und Energielabel

"Auf diesem Prüfstand wird die Wärmerückgewinnung des Gerätes aufgenommen. Von der Wärme die aus den Räumen nach draußen abgeführt und auf die Luft übertragen wird, die von draußen nach drinnen in die Räume überführt wird. Heutzutage sollte eigentlich für ein Standardgerät deutlich über 80 Prozent möglich sein."

Neben den Prüfzeichen sollte das Gerät das von anderen Haushaltsgeräten bekannte Energielabel tragen. Dort wird die Luftmenge, die Lautstärke und die Wärmerückgewinnung bewertet, erklärt der Lüftungstechniker des Testzentrums Uwe Brüne:

"Man kann die Geräte untereinander vergleichen. Die Geräte haben eigentlich immer A+ und A, da ist schon so eine Vergleichbarkeit da. Viel wichtiger sind das Schallmaß und die maximale Luftmenge, die draufgedruckt ist, das sind so die wichtigen Angaben."

KfW-Bank fördert Einbau von Wohnungslüftungen

Kleine dezentrale Anlagen speichern die Wärme in Keramikwabentauschern, durch die abwechselnd die ausströmende und einströmende Luft geschickt wird. In größeren zentralen Anlagen strömen die warmen und kalten Luftmengen aneinander vorbei und übertragen dabei die Wärme.

"Diese speichern nicht die Wärme, die übertragen die Wärme direkt von der ausströmenden Luft gegen einströmende Luft. Dazwischen ist nur die Folie, aber mit Kunststoffen kriege ich einfach eine wesentlich kleinere Masse hin, sodass halt die Wärme auch wesentlich schneller übertragen werden kann."

Dezentrale Anlagen für die Außenwand gibt es ab 300 Euro, die besseren für das Doppelte. Bei zentralen Anlagen kommen Kosten und Platzbedarf für die Montage der Leitungen hinzu. Doch es gibt viele Vorteile: Schimmelbildung wird vermieden oder der Sauerstoffgehalt der Luft stabilisiert.

Wer neu baut oder bei einer Kernsanierung im Altbau den Platz dafür hat, sollte eine zentrale Anlage bevorzugen. Die staatliche KfW-Bank fördert teils den Einbau einer Wohnungslüftung mit einem finanziellen Zuschuss.

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