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StartseiteKommentare und Themen der WocheAir Berlin verhandelt mit Lufthansa18.08.2017

LuftfahrtAir Berlin verhandelt mit Lufthansa

Die Konkurrenz ist aufgebracht und moniert: Bei den Verhandlungen über eine Zukunft von Air Berlin verhandele in Wahrheit Lufthansa mit Lufthansa. Was auch immer im Hintergrund ablaufe, ein Gutes habe das ganze Spiel, kommentiert Thomas Weinert: Ryanair bleibe erst mal außen vor.

Von Thomas Weinert

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Reges Treiben herrscht am 14.12.2016 am Flughafen von Frankfurt am Main (Hessen). Eine Airberlin-Maschine steht zwischen zwei Lufthansa-Passagierflugzeugen. (dpa / Arne Dedert)
Mit der Lufthansa will ein Schwergewicht der Branche Air Berlins Flotte und Crew übernehmen (dpa / Arne Dedert)
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Fast erscheint Thomas Winkelmann als so etwas wie ein weißer Ritter - wie jene Figur, die bei Übernahmeschlachten an der Börse einem bedrängten Kandidaten zu Hilfe eilt. Thomas Winkelmann, einst im Vorstand der Lufthansa, hat nun den Drang, rund 8.000 Arbeitsplätze bei Air Berlin zu retten, dem einstigen Konkurrenten. Das ist zweifelsfrei ritterlich, allerdings ist es nun auch sein Job, denn seit gut einem halben Jahr ist Thomas Winkelmann der Chef von Air Berlin. Und sitzt seit heute zusammen mit seinen ehemaligen Vorstandskollegen der Lufthansa, um die Verkaufsverhandlungen voranzutreiben: Air Berlin soll mit 90 Maschinen, also mit mehr als der halben Belegschaft unter der Flagge der Lufthansa-Billigmarke Eurowings weiterfliegen.

Thomas Winkelmann: trojanisches Pferd oder weißer Ritter?

Das wirft die Frage auf, ob Thomas Winkelmann nicht eher ein trojanisches Pferd ist denn ein weißer Ritter. Ein trojanisches Pferd, eingeschleust von dem Konkurrenten Lufthansa, um aus Air Berlin rauszuholen, was rauszuholen geht. So richtige Konkurrenten am Verhandlungstisch sind da heute jedenfalls nicht zusammengekommen, eigentlich sitzt der Lufthansa die Lufthansa gegenüber. So oder ähnlich sehen es die Pharisäer der Branche und so sieht es wohl auch der große wirkliche Konkurrent: Ryanair. Hier war sogar von einem Komplott die Rede. Michael O'Leary, der Boss, spricht auch von einem abgekarteten Spiel, wenn es um die 150 Millionen Euro geht, mit denen seiner Meinung nach die Bundesregierung dafür gesorgt hat, dass es überhaupt dazu kommen konnte, von Air Berlin noch etwas zu verkaufen.

Ein Komplott? Ein abgekartetes Spiel mit einem ehemaligen Anteilseigner, nämlich dem Bund, der immer noch einen Phantomschmerz besitzt, weil er mit dem Erfolg der Lufthansa so rein gar nichts mehr zu tun hat? Der Verlauf der Geschichte könnte in der Tat zu wilden Spekulationen verführen, und wenn Michael O'Leary eines liebt, dann sind es solche Schlagzeilen.

Der böse Bube bleibt außen vor

Welche Strippen auch immer im Hintergrund gezogen worden sind - ein Gutes hat das ganze Spiel: Ryanair bleibt erst mal außen vor. Denn Sozialdumping zum Schaden der Rentenversicherungen, scheinselbstständige Piloten, Steuervermeidung wo es geht, Geschichten über knappste Kostenkalkulationen auch dort, wo die Flugsicherheit betroffen ist - Ryanair sieht so harmlos aus mit der Harfe am Heck, faktisch ist die Airline eine der ganz bösen Buben in der Branche und es ist gut, dass diese Buben erst mal nicht mitspielen dürfen. Fluggäste wie Vieh über das Vorfeld vor sich her zu treiben, das mögen die ertragen, die dieses Geschäftsmodell gut finden.

So etwas aber aus Deutschland rauszuhalten wo immer möglich, das ist schon mal das erste gute Ergebnis nach dem Drama um Air Berlin.

Thomas Weinert (Deutschlandradio / Bettina Straub)Thomas Weinert (Deutschlandradio / Bettina Straub)Thomas Weinert, Jahrgang 1960, geboren in Hamburg. Studium Kommunikationswissenschaft in München, Volontariat bei SAT1/Telebörse in Frankfurt am Main. Seit 1990 Redakteur in der Wirtschaftsredaktion des Deutschlandfunk, von 2008 bis 2016 Ressortleiter Programmcontrolling, seit 2016 Korrespondent für das Land Berlin.

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