Mittwoch, 13.12.2017
StartseiteKommentare und Themen der WocheWarnung vor zu schneller Expansion12.10.2017

Lufthansa und Air BerlinWarnung vor zu schneller Expansion

Lufthansa habe mit der lange vorbereiteten Übernahme der Air Berlin-Filetstücke eine Stärkung des Billigfliegers Eurowings erreicht. Warnen müsse man aber vor Carsten Spohrs geäußertem Interesse an der maroden Alitalia, kommentiert Silke Hahne im Dlf. Der Lufthansa-Chef solle sich in Erinnerung rufen, wie das Ende von Air Berlin anfing.

Von Silke Hahne

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Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa, gutgelaunt auf einer Pressekonferenz. (imago / Sven Simon)
Nicht verschlucken: Kaum scheint das Air Berlin-Geschäft in trockenen Tüchern, da äußert Lufthansa-Chef Carsten Spohr Interesse an der maroden Alitalia, kommentiert Silke Hahne. (imago / Sven Simon)
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Die Gewinnerin des Tages heißt: Lufthansa. Das zeigt nicht nur der Aktienkurs der Airline, der heute auf ein lange nicht gesehenes Niveau schoss. Die Lufthansa hat sich lange und vorausschauend auf die Air Berlin-Pleite eingestellt und sich in Stellung gebracht. Nun fällt ihr der Löwenanteil der Nummer zwei in der deutschen Luftfahrt zu.

Und nicht nur das. Die Lufthansa hat sich die Filetstücke gesichert. Denn ein Großteil des Deals besteht aus der Übernahme der nicht insolventen Air Berlin-Töchter Niki und LG Walter. Der Ferienflieger Niki war das begehrteste Objekt im Ausverkauf von Air Berlin, denn im Gegensatz zum bisherigen Mutterkonzern ist Niki profitabel. Und da sie nicht insolvent ist, können ihre wertvollen Start- und Landerechte problemlos übernommen werden.

Konsolidierung geschickt genutzt

Mit diesem Geschäft hat die Lufthansa die Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt für sich geschickt genutzt: Sie stärkt ihre Billigtochter Eurowings, der die neuen Strecken zufallen sollen. Eurowings ist im Vergleich zu anderen Billiganbietern eine kleine Airline. Gelingt die Expansion, steigen die Chancen, dass sie im harten Wettbewerb mit Ryanair und Co. bestehen kann. Und damit auch die Lufthansa.

Doch die Konsolidierung in der Luftfahrtbranche kennt auch Verlierer. Und das, so wird es immer deutlicher, sind die Mitarbeiter, nicht nur von Air Berlin. Der harte Preiskampf zwingt Airlines zu Einschnitten – oder eben zur Geschäftsaufgabe. Piloten und Flugbegleiter bekommen das zu spüren, noch stärker wohl Techniker und Verwaltungsangestellte. Das ist die Schattenseite der Flugtickets zum Preis einer kurzen Taxifahrt.

"Ein Skandal ist der Notkredit trotzdem nicht"

Insofern ist die Warnung vor steigenden Ticket-Preisen durchaus ambivalent zu sehen. Natürlich darf eine starke Stellung im Markt nicht zu überhöhten Preisen bei unterirdischem Service führen. Genauso wenig wünschenswert ist es aber, dass eine ganze Branche permanent am Rande der Existenz entlang schrammt – auf dem Rücken des Personals, getrieben von Konkurrenten aus Ländern, die mit Wettbewerb nichts am Hut haben. Im internationalen Markt werden einige Staatsairlines massiv subventioniert.

Vor diesem Hintergrund muss man auch den Notkredit bewerten, den die Bundesregierung Air Berlin gewährt hat. Sie hat damit der Offerte der Lufthansa mächtig Rückenwind gegeben. Im fliegenden Betrieb war die Übernahme wesentlich einfacher für sie. Doch ein Skandal ist der Notkredit trotzdem nicht – höchstens eine für Deutschland ungewöhnlich aktive Wirtschaftspolitik.

Alitalia gilt bisher als nicht sanierbar

Warnen muss man aber wohl Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Kaum war das Air Berlin-Geschäft in einigermaßen trockenen Tüchern, kündigte der Konzern heute an, Interesse an der maroden Alitalia zu haben, wenn auch nicht in ihrer jetzigen Form. Alitalia gilt bisher als nicht sanierbar. Dabei dürfte die jetzt anstehende Übernahme der Air Berlin-Teile auch so schon zum organisatorischen Kraftakt für Lufthansa werden.

Trotz allem Druck, der sicher gerade in der europäischen Luftfahrt herrscht – Spohr sollte sich vor jedem neuen Angebot in Erinnerung rufen, wie das Ende der Air Berlin angefangen hat: Mit einem zu schnellen Expansionskurs.

Silke Hahne  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Silke Hahne (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Silke Hahne, Jahrgang 1987, hat in Münster und Leipzig Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus studiert, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Sie war Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, anschließend Volontariat beim Deutschlandradio. Sie arbeitet in der Deutschlandfunk-Redaktion "Wirtschaft und Gesellschaft".

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