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Lust am (Hoch-)Kochen

Die Machtspielchen der Bild-Zeitung

Von Brigitte Baetz

Die Bild verfolgt ihre eigene Salami-Taktik.
Die Bild verfolgt ihre eigene Salami-Taktik. (dpa / picture alliance / Jens Büttner)

Von Anfang an hatte die Sache einen schalen Beigeschmack: die Bild-Zeitung als Hort der Pressefreiheit? Bild-Chefredakteur Kai Diekmann als Gralshüter des journalistischen Auftrages zur Aufklärung? Die Entwicklung der letzten Tage zeigt: Der Beigeschmack war nicht nur eingebildet, meint Brigitte Baetz.

Das Blatt riecht so streng wie mancher Fisch, der ab und an noch in ihn eingewickelt wird. Spätestens als Chefredakteur Kai Diekmann den Bundespräsidenten in einem offenen Brief darum bat, die Abschrift seines Mailboxanrufes freizugeben, war die Grenze zur Scheinheiligkeit überschritten. Schon seit Tagen liegen zumindest Teile der erregten Telefon-Äußerungen Christian Wulffs den Redaktionen der großen Tageszeitungen vor, und diese Informationen kommen nicht aus dem Bundespräsidialamt.

Die Bild-Zeitung hält das Thema mit großer Lust am Köcheln und spielt über Bande, um sich die Meinungsführerschaft in dieser Sache zu erhalten. Es ist und bleibt ein Kampagnenblatt, dem es nicht ausreicht, Fakten zu drucken und es der Öffentlichkeit zu überlassen, welche Schlüsse sie aus diesen Fakten zieht. Und während sich viele Beobachter zurecht fragen, warum der Bundespräsident nicht alle Karten auf den Tisch legt, immer nur das zugibt, was man ihm auch nachweisen kann, bleibt die publizistische Salamitaktik des Hauses Springer weitgehend undiskutiert.

Ginge es der Bild-Zeitung wirklich um die Pressefreiheit, hätte sie nicht längst den kompletten Text auf eigene Gefahr veröffentlicht? Die rechtlichen Grundlagen dafür wären zwar nicht eindeutig, aber so schlecht stünden die Karten für eine Veröffentlichung nicht, wenn es denn wirklich so sein sollte, dass Christian Wulff eine Berichterstattung hätte verhindern wollen. Und wer, wenn nicht der hoch-liquide Springer-Verlag könnte ein rechtliches Verfahren zu riskieren wagen?

Doch geht es Bild nicht um journalistische Ethik oder um Anstand, auch wenn man scheinbar großmütig dem Willen Christian Wulffs stattgegeben hat, die Abschrift nicht zu veröffentlichen. Zur Zeit erleben wir einen Machtkampf. Die Bild-Zeitung, die den Ministerpräsidenten Wulff schonte, ja sogar in die positiven Schlagzeilen brachte, als der sich von seiner ersten Frau scheiden ließ, lässt ihn als Bundespräsidenten nun fallen - und genießt die Macht der ungedruckten Gerüchte, die umso mehr wie Pilze aus dem Boden schießen als es dem Staatsoberhaupt nicht gelingt, den Verdacht zu zerstreuen, dass es weiterhin Dinge verheimliche.

Im 60. Jahr ihres Bestehens möchte die Bild-Zeitung anscheinend den Kopf Christian Wulffs als Trophäe in ihre Jagdsammlung aufnehmen. Den Politikern sei dieser Skandal ein warnendes Signal. Christian Wulff hatte wohl geglaubt, sich mit ein paar Home-Stories das Wohlergehen dieser Boulevardzeitung auf Dauer gesichert zu haben - und hatte sich getäuscht.

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